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Über den bewussten Umgang mit technischer Qualität

„Funktioniert“ ist nicht genug


Budgetzwänge, fachliche wie technische Komplexität und volatile Anforderungen gehören zum Projektalltag der IT-Branche. Gleichzeitig predigen moderne Vorgehensmodelle Geschäftswert und Anwenderfokus. In dieser Gemengelage vergessen wir allzu leicht die Hauptzutat erfolgreicher Projekte: Programmcode. Über den bewussten Umgang mit dieser Zutat jenseits des Entwicklerteams möchte ich hier sprechen.

Wenn Sie die aktuellen IT-Trends verfolgen, hören und lesen Sie viel über Architekturen, Methoden und Techniken: Cloud Computing, Scrum und Kanban, dieses Framework und jene Programmiersprache. Das sind alles wichtige und faszinierende Themen, aber je mehr Teams und Projekte ich in meiner Rolle als Coach begleite, desto stärker empfinde ich das Bedürfnis, für eine bewusstere und breitere Auseinandersetzung mit der ebenso selbstverständlichen wie, in der allgemeinen Wahrnehmung, zunehmend als „gelöst“ und „unspektakulär“ betrachteten Tätigkeit des Programmierens zu werben. Im Folgenden möchte ich daher eine Brücke zu den Ideen eines modernen Programmierhandwerks insbesondere für diejenigen unter den Lesern schlagen, die aufgrund ihrer Rolle sonst wenig Einblick in die „Implementierungsdetails“ ihrer Projekte haben.

Was geht mich das an?

Meiner Erfahrung nach finden die handwerklichen Aspekte der Softwareentwicklung unter Nichtprogrammierern aus zwei Gründen häufig keine Betrachtung: Zum einen lässt sich argumentieren, dass hochqualifizierte Entwickler und Softwarearchitekten durchaus ohne äußeres Zutun in der Lage sind, angemessene technische Qualität sicherzustellen. Und tatsächlich gibt es Initiativen, die sich ausgiebig mit der Weiterentwicklung und Verfeinerung von Programmierpraktiken auseinandersetzen. In der Realität jedoch arbeiten Entwicklungsteams nicht im kontextfreien Raum, und während des gesamten Projektlebenszyklus werden von allen Beteiligten immer wieder weitreichende Entscheidungen gefällt. Viele der Tätigkeiten, die sich unter Programmierern als richtig und notwendig durchgesetzt haben, sind aber nur schwer durchzusetzen, wenn aus politischen und organisatorischen Gründen inkompatible Rahmenbedingungen etabliert wurden. Zum anderen gibt es schlichtweg häufig keine Lobby für technische Qualität. Wörter, wie „Over-Engineering“, „goldene Wasserhähne“ und „Technikverliebtheit“ machen die Runde. Was zählt, sind sichtbare Ergebnisse. Wir zitieren den Benutzer, der mit Konzepten wie sauberem Programmcode wenig anzufangen weiß und führen Herstellungsko...

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