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Mit dem eigenen Gerät nachhause telefonieren

Das Private schlägt zurück


Seit geraumer Zeit verschieben sich die Verantwortlichkeiten der Wissensarbeiter von der Arbeitszeit hinein in die Freizeit. E-Mails nach Feierabend zu bearbeiten und auch am Wochenende noch an der Präsentation zu feilen, gehört zum Alltag der meisten Arbeitnehmer, auch auf der Angestelltenebene. Doch die Entwicklung kehrt sich auch um, und immer mehr private Aktivitäten und Gewohnheiten aus der freizeitlichen Kommunikation finden Einzug in das Arbeitsumfeld.

Für Unternehmen ist diese Entwicklung Chance und Herausforderung zugleich. Sie steht zwar noch am Anfang, aber sie ist unumkehrbar: Denn sie basiert auf einem grundlegenden Gesellschaftswandel. Damit Unternehmen diesem Wandel begegnen können, müssen sie ihn verstehen und in ihrer Kultur berücksichtigen.

Unser Alltag: Was ist noch privat, was ist schon beruflich?

Im Alltag nahezu jeden Wissensarbeiters hat sich in den vergangenen Jahren die berufliche Erreichbarkeit bis in den privaten Bereich hinein ausgedehnt. War noch in der letzten, vordigitalen Generation der Feierabend heilig, kommt heute kaum noch jemand ohne den abendlichen Blick in seine beruflichen E-Mails aus. Hinzu kommen dank Mobiltelefonen Anrufe vom Chef, während der Mitarbeiter gerade die Kinder zur Schule bringt, Manager checken noch schnell die Agenda des Meetings am nächsten Morgen, während sie eigentlich gerade den „Tatort“ schauen.

Gegen diese verschwimmenden Grenzen zeigt sich zwar bereits erste Gegenwehr: So hat sich der Autobauer Volkswagen kürzlich in langen Verhandlungen mit dem Betriebsrat darauf geeinigt, nach Dienstschluss unternehmensseitig keine E-Mails mehr auf Mobilgeräte der Angestellten weiterzuleiten. Doch immer mehr Mitarbeiter haben sich zeitgleich bereits auf diese Grenzüberschreitungen eingestellt und sind manchmal auch ganz froh, wichtige Texte ungestört zuhause zum Klang ihres Lieblingskonzerts von Mozart mit Blick auf ihren Garten verfassen zu können.

Was ist dabei noch Arbeitszeit oder schon Freizeit und umgekehrt? Und wie gehen Unternehmen damit um, dass dabei auch Daten und Konversationen in private Umfelder ihrer Mitarbeiter einfließen? Es gab im vergangenen Jahr 2012 viele Themen, die sich mit diesem neuen Arbeiten beschäftigt haben, insbesondere in Unternehmen der Informationstechnologie. Angefangen bei Social Media über „Bring your own Device“ (BYOD) berührt die Grenzüberschreitung auch die allgegenwärtigen Cloud-, Security- und Privacy-Themen.

Diese Themen sind mehr als vorübergehende Trends – sie sind Ausprägungen einer sich verändernden Gesellschaft, die nun die Unternehmen erreichen.

Soziale Netzwerke vereinfachen unsere Kommunikation – auch im beruflichen Kontext

Was hat ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess mit dem Berufsleben zu tun? Unser Privatleben hat sich durch die einfache Erreichbarkeit, das „always on“ in der vergangenen Dekade gravierend verändert. Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass heute Debatten und Konversationen, gleich welcher Art, auch online geführt werden können. Viele erledigen das privat mittlerweile in sozialen Netzwerken wie Facebook. Viele tun das auch während der Arbeitszeit. Denn selbst wenn das Unternehmen die Nutzung untersagt, erlauben heute Smartphones auch vom Büro aus den schnellen Blick in die Timeline, einen spontanen „Like“ oder eine Nachricht an den Squashpartner. Diese Form der Kommunikation ist ausgesprochen einfach: Die Inhalte der wichtigsten Freunde finden sich mit einem Klick, Konversationen zu einem Thema sind in einem Stream zusammengefasst, der den gesamten Austausch mit dem Gesprächspartner zeigt. Diese Konversationsaufbereitung in einem Stream ist deutlich angenehmer als zahllose E-Mails, die im Posteingang von wiederum anderen zahllosen E-Mails unterbrochen werden. So ist es naheliegend, dass Mitarbeiter auch ihre beruflichen Konversationen in den einfacheren Kanal verlegen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass auch Kollegen oder gar Kunden im gleichen sozialen Netzwerk angemeldet sind, ist hoch.

Bei dieser Art der Konversation verliert das Unternehmen die Kontrolle darüber, welche Unternehmensinformationen und -daten Mitarbeiter kommunizieren. Das Problem dabei: Es gehört zum Geschäftsmodell von Facebook und Co., unsere Daten zu sammeln. Alles, was wir dort posten und kommunizieren, gehört nicht uns, sondern der Plattform. Was mit den Informationen und Daten genau geschieht, entzieht sich unserer Kenntnis und unserem ...

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