© Ekaphon maneechot/Shutterstock.com
Case Study einer CMMI-Reifegrad-5-Einführung in einem agilen Umfeld

Implementation von CMMI 5


Die Erwartungen der Kunden zu (über)treffen und qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu liefern, sind die Hauptziele einer kundenorientierten Organisation. Qualität und die Frage, wie man sie erbringen und sicherstellen kann, ist ein wichtiges und komplexes Thema. Die Beantwortung dieser Frage kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen.

Dieser Artikel beschreibt, wie das Schweizer Softwareentwicklungsunternehmen mimacom auf dem Weg zur unternehmerischen Exzellenz seine Prozesse nach dem internationalen Reifegradmodell zur Prozessverbesserung CMMI (Capability Maturity Model Integration) kontinuierlich verbessert und als erstes Unternehmen der DACH-Region den höchsten Reifegrad 5 erreicht hat. An einem konkreten Fall wird aufgezeigt, wie eine kluge Kombination von CMMI und Agilität einen unternehmerischen Mehrwert generieren kann. Herausforderungen, Erfahrungen und Empfehlungen eines agilen und zugleich reifen Unternehmens werden am Ende des Artikels diskutiert.

Was ist CMMI?

Unter den Begriff „Qualitätsmanagement“ fallen alle systematischen Maßnahmen, die eine Verbesserung von Produkten und Leistungen sowie Prozessen zum Ziel haben, die schlussendlich zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen sollen. Um dieses allgemeine Verständnis von Qualitätsmanagement zu schärfen und Aussagen über dessen Güte machen zu können, wurden verschiedene Normen und Systeme eingeführt, wie beispielsweise ISO 9001 [1]. Dediziert für die Softwareentwicklung ist CMMI das führende und weltweit verbreitetste Reifegradmodell für Prozessverbesserung und Qualitätssicherung.

CMMI ist ein Framework, das Organisationen hilft, ihre Prozesse zu verbessern [2]. Es wird von kleinen und großen Unternehmen in einer Vielzahl von Branchen, darunter IT, Elektronik, Gesundheitswesen, Finanzen, Versicherungen und Transport, verwendet.

Das CMMI-Modell ist eine systematische Aufbereitung bewährter Praktiken, um die Verbesserung einer Organisation anhand von Reifegraden zu unterstützen. Es kann auch genutzt werden, um einen Überblick über bewährte Praktiken (z. B. bei der Projektplanung) zu bekommen (Fähigkeitsgrade), die Stärken und Schwächen einer Organisation objektiv zu analysieren oder Verbesserungsmaßnahmen zu bestimmen und diese in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Es ist ratsam einen Standard zu verwenden, wenn

  • ein Unternehmen die Prozesse definieren will

  • ein Unternehmen ein Verständnis von Business Process Management und kontinuierlicher Verbesserung in einer Organisation schaffen will

  • ein Unternehmen einen internationalen anerkannten Standard verwenden will

  • ein Unternehmen seine Prozessleistung basierend auf quantitativen und qualitativen Kennzahlen kontrollieren und vorhersagen will

Zurzeit gibt es drei verschiedene CMMI-Modelle, die alle die gleiche Struktur und einen gemeinsamen inhaltlichen Kern haben. CMMI für Entwicklung (CMMI-DEV) unterstützt die Verbesserung von Organisationen, die Software, Systeme oder Hardware entwickeln. CMMI für Akquisition (CMMI-ACQ) unterstützt die Verbesserung von Organisationen, die Software, Systeme oder Hardware einkaufen, aber nicht selbst entwickeln. CMMI für Services (CMMI-SVC) unterstützt die Verbesserung von Organisationen, die Dienstleistungen erbringen [2]. In diesem Artikel wird auf den folgenden Seiten nur auf die Ausprägung CMMI-DEV eingegangen.

CMMI-DEV hat zweiundzwanzig Prozessgebiete, die einen konkreten Rahmen für ein Qualitätsmanagementsystem in vier Kategorien bilden: Projektmanagement, Entwicklung, Unterstützung und Prozessmanagement. Ein so genanntes CMMI-Appraisal (Audit) sagt aus, dass ein Unternehmen die Vorgaben bis zu einem bestimmten Grad erfüllt. Mit der Vergleichbarkeit der Vorgaben und der Reifegrade können Unternehmen verglichen werden. Mit den vorgeschlagenen Zielen und Praktiken macht CMMI Vorgaben darüber, was umgesetzt werden muss. Die Frage nach dem „wie“ bleibt in der Verantwortung der umsetzenden Unternehmen.

Implementierung in der mimacom

Agile Entwicklungsmethoden und CMMI-Best-Practices werden oft in einem Widerspruch zueinander wahrgenommen [3]. Die bereits laufende Internationalisierung des Unternehmens, die Kultur der kontinuierlichen Prozessverbesserung sowie die Notwendigkeit, messbare Kenngrößen dem Wachstum der Firma anzupassen, hatte die Umsetzung einer der Softwareentwicklung entsprechenden Norm zur Prozessverbesserung zur Folge.

Eine Frage, die sich bei der Umsetzung stellte, war, wie die funktionierenden „Good Practices“ von Agilität und CMMI sinnvoll zu verbinden sind. Wächst doch beim genaueren Hinschauen evtl. sogar die Befürchtung, dass der Versuch einer Kombination zum Scheitern verurteilt sein muss, da die hohen Anforderungen an Kontrolle und Dokumentation eines Qualitätsmanagementsystems einerseits mit dem iterativen Vorgehen in einem agilen Umfeld und seinen ständig ändernden Bedingungen andererseits schlicht inkompatibel sein kann. Weiter kann eine schlechte Umsetzung von CMMI zu quälender Überadministration, zu langen Entscheidungsprozessen und frustrierten Entwicklern, Denkfaulheit und Verantwortungslosigkeit führen sowie von den eigentlichen Projektzielen ablenken [4]. Das Schweizer Unternehmen hat jedoch einen Weg gefunden, die Zusammenführung von Agilität und CMMI erfolgreich und intelligent in mimacom path zu gestalten. Das Geheimnis der Kombinierbarkeit liegt im Anwendungsbereich. Das Qualitätsmanagementsystem mit der Prozessbibliothek, im präsentierten Fall TQMi, beschreibt alle Prozesse eines Unternehmens sowie deren Interaktionen, während mimacom path (Abb. 1) das Vorgehen innerhalb des Entwicklungsprozesses regelt. Es geht also vielmehr um eine Integration als um eine Kombination. Eine ideale Grund...

Neugierig geworden? Wir haben diese Angebote für dich:

Angebote für Gewinner-Teams

Wir bieten Lizenz-Lösungen für Teams jeder Größe: Finden Sie heraus, welche Lösung am besten zu Ihnen passt.

Das Library-Modell:
IP-Zugang

Das Company-Modell:
Domain-Zugang