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Wie aus einer bestehenden Software eine User Owned Application werden kann

Applikationsrückgewinnung


In den IT-Landschaften der Unternehmen gibt es für viele Domänen etablierte Softwareprodukte, Neuentwicklungen scheiden hier oft aus. Mit welchen Vorgehensweisen kann man eine bestehende Fachapplikation zu einer User Owned Application machen?

Ausgelöst durch stetige Produktinnovationen und eine wachsende Zahl regulatorischer Anforderungen, verändern und verfeinern Unternehmen heute kontinuierlich ihre Produkte und Prozesse. Die klassische Arbeitsteilung zur Umsetzung einer Änderung ist: Die Fachabteilung spezifiziert sie und die IT-Abteilung setzt sie um. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Arbeitsteilung bei hohen Änderungsgeschwindigkeiten zunehmend an ihre Grenzen stößt, denn jede Anforderung muss beschrieben, in eine technische Sprache übersetzt und als Source­code implementiert werden.

Eine User Owned Application kürzt den Prozess zur Umsetzung von Änderungen ab, da hier die Pflege der kompletten Anwendungslogik (bestehend aus Domänenmodell und Geschäftsregeln) in der Hand des Fachanwenders selbst liegt. Die Unternehmens-IT setzt nicht mehr die fachlichen Anforderungen um, sondern stellt eine robuste technische Plattform für deren Umsetzung bereit [1]. Diese Plattform ist insofern robust, als sie den Fachanwender dabei unterstützt, strukturelle Fehler zu vermeiden und inhaltliche Fehler so früh wie möglich aufzudecken (Prinzip „Poka Yoke“ [2]).

Wer eine User Owned Application auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“ aufbaut, hat dafür eine Vielzahl technologischer Optionen, von denen eine exemplarisch in [3] vorgestellt wird. Oft ist es aber nicht möglich, eine Anwendung von Grund auf neu zu entwickeln, denn die IT-Landschaft der Unternehmen besteht nicht selten aus einer Reihe etablierter Fachapplikationen. Selbst wenn diese Applikationen nicht die Merkmale einer User Owned Application aufweisen, können sie anhand verschiedener Ansätze in eine solche verwandelt werden.

Fallstudie

Im Rahmen einer Fallstudie soll exemplarisch gezeigt werden, wie eine bestehende Anwendung in eine User Owned Application überführt werden kann. Dazu wird angenommen, dass eine fiktive Fachapplikation zur Anlagegrenzprüfung von Investmentfonds existiert und es sich bei ihr um eine Standardsoftware handelt. Ihre Einführung erfolgte seinerzeit unter hohem Zeitdruck, weshalb Abstriche bei der Erfüllung aller fachlichen Anforderungen gemacht wurden.

Investmentfonds investieren die Gelder der Investoren in eine Reihe von Wertpapieren (Aktien, Anleihen etc.), die dann zusammen das Portfolio des Fonds bilden. Abbildung 1 zeigt beispielhaft die Verteilung der Investments für einen Fonds. In der Grafik sind keine einzelnen Aktien oder Anleihen mehr dargestellt, sondern lediglich der Anteil, den sie am Gesamtvermögen des Fonds ausmachen. Für diese Verteilung gibt es im Normalfall eine Reihe von Regeln, die von Fonds zu Fonds unterschiedlich sind und bei Investitionsentscheidungen durch den Fondsmanager berücksichtigt werden müssen. Beispielhafte Regeln sind:

  • Der Fonds soll keinen Schwerpunkt auf Anleihen haben, sie aber beimischen dürfen. Der Anteil der Anleihen am Gesamtvermögen darf 40 Prozent nicht übersteigen.

  • Damit der Fonds nicht ausschließlich in Aktien investiert, gilt für sie eine Obergrenze von maximal zwei Dritteln (66 Prozent) am Gesamtvermögen.

Der Fonds darf seine Barmittel niemals vollständig investieren, sondern muss mindestens 5 Prozent Cash vorhalten.

diener_userowned_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Beispielhafte Vermögenszusammensetzung eines Investmentfonds

Die beschriebenen Regeln werden als Anlagegrenzprüfungsregeln bezeichnet. Neben Wertpapierklassen können sie sich beispielsweise auch auf bestimmte Regionen beziehen („Der Fonds darf zu maximal 20 Prozent Wertpapiere aus Schwellenländern enthalten“).

Bevor mit den eigentlichen Schritten zur Umwandlung der Applikation begonnen werden kann, muss als Voraussetzung für die User Owned Application das Domänenmodell erhoben werden. Abbildung 2 enthält ein stark vereinfachtes Modell für die Domäne „Anlagegrenzprüfung“, das durch Interviews mit den Fachanwendern entstanden ist.

diener_userowned_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Domänenmodell für die Anlagegrenzprüfung

In Abbildung 3 ist das Datenbankmodell der bestehenden Anwendung dargestellt. Hierbei steht im Vordergrund, möglichst viele Aspekte der Umwandlung in eine User Owned Application veranschaulichen zu können.

diener_userowned_3.tif_fmt1.jpgAbb. 3: Datenbankmodell der Beispielanwendung
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