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Warum klassische Unternehmen Agilität ganzheitlich denken müssen

Agilität im Ganzen


Agilität ist aus dem Arbeitsalltag vieler Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Mehr und mehr setzen sich aber auch klassische Unternehmen mit dem Thema auseinander. Aber warum müssen sich gestandene, erfolgreiche Unternehmen damit beschäftigen? Und welche Fallen lauern beim Umdenken? Der Artikel beleuchtet diese Punkte und zeigt auf, warum Agilität mehr als ein Prozess ist und bereits im Kopf beginnt.

Bereits 1969 und 1972 wiesen Alain Touraine und Da­niel Bell in ihren Werken „La société post-industri­elle“ [1] und „The Coming of Post-Industrial Society“ [2] auf einen Gesellschaftswandel hin, in der Informationen wichtiger als Rohstoffe sind. Als wesentliche Herausforderung der Informationsgesellschaft werden der Wandel hin zu einer wissens- und kreativitätsbasierten Arbeit sowie dem Übergang von einer produzierenden Wirtschaft zu einer Dienstleistungswirtschaft genannt. Innovation erlangt in diesem Umfeld eine immer größere Bedeutung und ist wichtiger, als das Gleiche Jahr für Jahr besser zu machen.

Das post-industrielle Zeitalter und die Konsequenzen

Heute, vierzig Jahre später, befinden wir uns in diesem Wandel. Die Innovationsgeschwindigkeit ist so hoch wie nie. Ein Treiber ist die Globalisierung. Der einfache Zugang zu Märkten und Produktionskapazitäten führt dazu, dass sich immer mehr Anbieter auf Märkten tummeln. Die zunehmende Digitalisierung sorgt darüber hinaus dafür, dass in immer mehr Branchen die Konkurrenz nur einen „Klick“ entfernt ist. Aber auch auf Kundenseite ergeben sich mit der wachsenden Vielfalt der Bedürfnisse und dem Wunsch nach immer mehr Individualisierung neue Herausforderungen.

In diesem Umfeld gelingt es primär agilen Firmen, mit den schnellen Veränderungen Schritt zu halten. Ältere, klassisch aufgestellte Unternehmen, die in den vergangenen Jahrzehnten noch die Märkte beherrscht haben, tun sich hingegen oft schwer. Starre Portfolios mit Standardprodukten und die Fokussierung auf die Optimierung des bestehenden Geschäftsmodells stehen diametral zu sich schnell verändernden Märkten. Dieses Phänomen wurde durch den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Clayton Christensen als „Innovator’s Dilemma“ bezeichnet. Es entstehen „Innosaurier“, die innerhalb des existierenden Geschäftsmodells sehr innovativ sind, jedoch marktverändernde Innovationen verschlafen. Mehr zu dieser Theorie findet sich in dem gleichnamigen Buch [3].

Was dieses Verharren in der Konsequenz bedeuten kann, hat man bei den Versandhandelsunternehmen Necker­mann und Quelle gesehen. Während die Unternehmen (zusammen mit Otto) noch in den Neunzigerjahren den Versandhandel dominierten, haben sie den Wandel zum E-Commerce zu spät erkannt und existieren heute in dieser Form nicht mehr.

Was heute erfolgreiche Unternehmen auszeichnet

Um sich nicht in diese Liste einzureihen, müssen sich Unternehmen verändern. Aber was macht erfolgreiche Unternehmen aus dem Informationszeitalter wie Amazon oder Google aus?

Die Studie „Corporate Creativity“ [4] bringt es auf den Punkt. Diese Unternehmen zeichnen sich durch andere Strategien, Werte und Ziele aus. So ist z. B. Amazon die langfristige Ausrichtung durch Investitionen in Innovationen wichtiger als die nächsten Quartalszahlen.

Was alle betrachteten Unternehmen gemein haben, ist die Verankerung von Innovation und Kundenorientierung in den Unternehmenswerten. Getreu dem Motto „Es gibt keine Innovation mit Vollkaskoschutz“ wird die Risikobereitschaft dabei explizit gefördert. So würdigt der indische Konzern Tata mit dem „Dare to try“-Preis (dt.: Gewagt, es zu versuchen) den gescheiterten Versuch, eine große Innovation voranzubringen. Natürlich bedarf dieses veränderte Grundverständnis auch einer anderen Führung. Eine omnipotente Spitze passt nicht in dieses Bild. Die Aufgabe des Managements in diesem Zusammenhang ist es, ein Umfeld zu schaffen, das Innovationen begünstigt.

Man sieht deutlich, diese Unternehmen funktionieren anders und sind damit sehr erfolgreich. Um diesen Zustand auch zu erreichen, wir...

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