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Hochverfügbarkeit neu definiert

Die dezentrale Cloud


Die Ziffer 9 findet man in großer Zahl auf allen Werbungen von Cloud-Computing-Anbietern, die etwas auf sich halten. „Wir garantieren 99,95 Prozent Verfügbarkeit!“ Was sind diese auf neudeutsch als Service Level Agreements (SLA) bezeichneten Versprechungen wert? Aus Sicht der Serviceanbieter sehr viel. Im Fall der Nichteinhaltung kann es für sie teuer werden, für die Kunden aber auch.

Können die Anbieter die SLA nicht einhalten, erstatten sie ihren Kunden die Kosten anteilig, im Extremfall vielleicht sogar vollständig zurück. Aus Sicht des Kunden hat das jedoch einen Haken: Der Schaden, der bei einem Ausfall einer Anwendung über längere Zeit entsteht, ist meist um ein Vielfaches höher, als das, was man als Entschädigung zurückbekommt. In der Praxis heißt das also, dass die SLAs in der Cloud kein Freibrief sind und sich Architekten weiterhin Gedanken über Ausfallssicherheit machen müssen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Cloud in Sachen Hochverfügbarkeit Dinge bietet, die für Normalsterbliche außerhalb großer Konzerne bis vor Kurzem undenkbar waren.

Im April dieses Jahres ging ein großflächiger Ausfall der Amazon Web Services (AWS) durch die einschlägige Weltpresse [1]. Probleme in einem US-Rechenzentrum von Amazon führten zu einem bösen Erwachen für viele Benutzer der Cloud. Sie waren sich der Einschränkungen der Verfügbarkeitsgarantien in der Cloud nicht bewusst, haben auf die Cloud als „Silver Bullet“ für Hochverfügbarkeit vertraut und es versäumt, eigene Vorkehrungen für den Fall der Fälle zu treffen. Egal, ob Sie sich für Microsoft oder Amazon als Ihren Cloud-Anbieter entscheiden, die in den Service Level Agreements (SLA) genannten Verfügbarkeiten und Bedingungen sind sehr ähnlich. Die Unterschiede ergeben sich primär aus den unterschiedlichen Architekturen der Dienste: Schwerpunkt auf Infrastructure as a Service (IaaS) bei Amazon und Platform as a Service (PaaS) bei Microsoft. Während Amazon 99,95 Prozent Serververfügbarkeit garantiert [2], gliedert Microsoft die Verfügbarkeit in 99,95 Prozent Netzwerkverbindung und 99,9 Prozent Erkennung von Fehlerzuständen bei einzelnen Rolleninstanzen [3]. Erreicht der Anbieter in einem gewissen Durchrechnungszeitraum die Verfügbarkeiten nicht, haben Sie als Kunde Anspruch auf eine Gutschrift, die je nach Anbieter und Dauer des Ausfalls zwischen zehn und 25 Prozent der Betriebskosten liegen. Ich möchte in diesem Artikel weder auf alle Details der SLAs eingehen noch die jeweils enthaltenen Einschränkungen und Regelungen anführen. Interessierte können diese unter den angegebenen Links nachlesen. Entscheidend ist die generelle Ausrichtung der SLAs: teilweise Kostenrückerstattung im Fall von SLA-Verletzungen, aber kein Ersatz für den tatsächlich entstandenen Schaden.

Hochverfügbarkeit ist Standard in der Cloud

Alle großen Anbieter von Cloud Computing nehmen Hochverfügbarkeit ernst. Man könnte sagen, dass in der Cloud Hochverfügbarkeit der Standard ist. Hier einige Beispiele dazu:

  • Datenbanksicherungen werden beispielsweise sowohl bei Microsoft als auch bei Amazon alle paar Minuten erstellt

  • jede SQL-Azure-Datenbank ist im Hintergrund automatisch ein DB-Cluster aus drei Serverknoten

  • jeder Dienst in Windows Azure, egal ob von Ihnen gebaut oder von Microsoft angeboten, ist automatisch ein Cluster mit Load Balancer

  • ein Ausfall bei einer Serverinstanz führt bei beiden Anbietern binnen kürzester Zeit zum Starten einer neuen Instanz u. v. m.

Generell kann man sagen, dass die Global Player im Bereich Cloud Computing von Haus aus ein Ausfallsicherheitsniveau bieten, das ohne irgendwelche Zusatzvorkehrungen weit über das hinaus geht, was die meisten von uns in unseren lokalen Rechenzentren gewohnt sind. Es bleibt jedoch trotzdem ein Restrisiko. Nicht zuletzt der Ausfall von Amazon im April hat gezeigt, dass in Ausnahmefällen auch größere Teile der Cloud-Infrastrukturen nicht erreichbar oder nicht funktionstüchtig sein können. Es ist Ihre Aufgabe, für Ihre Anwendung eine entsprechende Risikoanalyse durchzuführen und zu entscheiden, ob die in der Cloud von Haus aus vorhandenen Mechanismen für Hochverfügbarkeit ausreichend sind. Falls ein Ausfall von beispielsweise 24 Stunden für Ihren konkreten Fall zwar unangenehm, jedoch keine Katastrophe wäre, liegt die Sache ganz anders, als wenn ein Stillstand von wenigen Stunden bereits zu massiven Kosten oder Umsatzeinbußen führt (denken Sie an einen längeren Ausfall eines B2C-Onlineshops mitten im Weihnachtsgeschäft).

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