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Softwaremigrationsprojekte erfolgreich planen und realisieren

Aus alt mach neu - automatisch!


Bei der Ablösung von Legacy-Software gibt es drei Lösungen: die Einführung von Standardsoftware, die Neuentwicklung oder die Softwaremigration. Der nachfolgende Artikel beschreibt grundsätzliche Voraussetzungen, Technologien und Softwarewerkzeuge, die in ihrem abgestimmten Zusammenspiel zu einem erfolgreichen Softwaremigrationsprojekt führen.

Legacy-System (Altsystem) bezeichnet in der Informatik ein etabliertes, über Jahrzehnte historisch gewachsenes Individualsoftwaresystem. Sie sind bei Banken und Versicherungen, aber auch in anderen Wirtschaftsbereichen immer noch weit verbreitet und besitzen ein großes, wirtschaftliches Potenzial. Legacy-Systeme beinhalten das gesamte, unternehmensspezifische Wissen und die individuelle Geschäftslogik von Unternehmen. Damit stellen sie für die Firmen ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb dar. Weiterhin sind diese Systeme unternehmenskritisch, besitzen eine ausgereifte Kernfunktionalität und arbeiten zuverlässig im laufenden Betrieb.

Auf der anderen Seite ist Legacy-Software häufig charakterisiert durch eine antiquierte Datenhaltung, veraltete Benutzeroberflächen und historische Programmiersprachen, die modernen Anforderungen nicht genügen.

Doppelcharakter von Legacy-Systemen

Die Übersetzung des englischen Begriffs „Legacy“ spiegelt den deutlich gewordenen Doppelcharakter wider. Einerseits lässt sich „Legacy“ mit „Altlast“ oder „Hinterlassenschaft“ interpretieren. In dieser Interpretation ist der Begriff negativ besetzt. Eine alternative Interpretation lautet aber auch „Erbe“ und „Vermächtnis“ mit dem Fokus auf durchaus Erhaltenswertes. Legacy-Software wird zumeist auf Mainframes betrieben, die hohe Betriebs- und Lizenzkosten verursachen, in vielen Fällen jedoch durch preiswertere Architekturen ersetzt werden könnten. Durch jahrzehntelange Anpassung an sich ständig ändernde Geschäftsprozesse erodiert die Software, und die Wartungskosten steigen. Die ursprünglichen Entwickler der Software sind mit ihr gealtert, stehen kurz vor dem Ruhestand oder sind bereits Rentner. Nachwuchs mit fachlichem Interesse an diesen historischen Technologien ist schwer verfügbar. Im Rahmen dieses „Spannungsfelds“ entschließen sich Unternehmen zunehmend, ihre Legacy-Software abzulösen. Laut Experton Group (Tabelle 1) sehen immerhin 63,5 Prozent ausgewählter Unternehmen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern die Modernisierung von IT-Systemen bzw. -Anwendungen als einen Schwerpunkt an.

Welche der nachfolgenden Aktivitäten beurteilen Sie derzeit für Ihr Unternehmen als besonders wichtig?

Top-10-Themen

Häufigkeit der Nennungen

Bessere Unterstützung von Geschäftsprozessen

77,8 Prozent

Optimierung der IT-Prozesse

74,6 Prozent

Automatisierung in der Bereitstellung von IT-Services

69,8 Prozent

Virtualisierung von Servern, Desktops und Storage

69,8 Prozent

Standardisierung von IT-Systemen bzw. Anwendungen

66,7 Prozent

Optimierung der IT-Organisation

66,7 Prozent

Modernisierung von IT-Systemen bzw. Anwendungen

63,5 Prozent

Modernisierung von IT-Komponenten im Rechenzentrum

49,2 Prozent

Green IT

44,4 Prozent

Zentralisierung der IT-Budgets

44,4 Prozent

Tabelle 1: Umfrage zur Modernisierung von Altsystemen, 63 Unternehmen in Deutschland mit mehr als 1 000 Mitarbeitern (Mehrfachantworten möglich), Quelle: Experton Group 2010–2011

Wie Legacy ablösen?

Für die Ablösung von Legacy-Systemen existieren abstrahierend von Mischformen drei Möglichkeiten: Der Ersatz durch Standardsoftware, die Neuentwicklung oder die Softwaremigration. Unabhängig von der gewählten Methode ist die Ablösung von Legacy-Software immer ein komplexes Projekt, das mit entsprechendem Budget und Arbeitskräftevolumen geplant werden muss.

Beim Ersatz durch Standardsoftware verlässt sich der Anwender darauf, dass das gelieferte Produkt „fertig“ und ausgreift ist und nur noch an seine speziellen Belange angepasst werden muss. Er spekuliert damit auf kurze Einführungszeiten und Kostenersparnis. Auch die Einheitlichkeit der Abläufe erscheint verlockend. Häufig ist Standardsoftware jedoch nicht so flexibel, dass sie die spezielle Geschäftslogik vollständig abbilden könnten. Die Folge ist, dass im Projekt überlagernde Prozesse aus der Nachbildung von Geschäftslogik in der Standardsoftware und Anpassen der Geschäftslogik an die Standardsoftware auftreten. Beim Ersatz durch Standardsoftware sollte deshalb unbedingt vorab geklärt werden, ob die innerbetrieblichen Prozesse durch die Standardsoftware abgebildet werden können bzw. welcher Aufwand getätigt werden muss, um diese Abbildung vorzunehmen.

Eine Neuentwicklung erscheint auf den ersten Blick als die optimale Lösung: Alle Komponenten der alten Software werden in moderner Hard- und Softwarearchitektur mit aktuellen Entwicklungsmethoden und -umgebungen neu aufgesetzt und zukunftssicher in der modernen Welt etabliert. Allerdings darf der Umfang der zu leistenden Arbeit nicht unterschätzt werden. Komplexe Systeme mit mehreren Millionen Lines of Code (LOC), die in Jahrzehnten entwickelt wurden, erfordern eine langjährige Projektlaufzeit mit hohen Kosten.

Eine weitere Alternative stellt die Softwaremigration dar. Softwaremigration beinhaltet neben der automatischen Konvertierung von Programmen aus antiquierten Programmiersprachen wie z. B. COBOL oder PL/I in moderne Sprachen wie C++ oder Java unter anderem auch die Integration in neue Betriebssysteme, die Modernisierung der Datenhaltung, der Benutzeroberflächen und der Softwarearchitektur unter Nutzung von ausgereiften Technologien und Migrationswerkzeugen.

Sowohl der Aufwand für eine Neuentwicklung als auch für die Softwaremigration eines Legacy-Systems lässt sich näherungsweise quantifizieren. Eine Möglichkeit dazu bietet die COCOMO-Methode (...

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