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Wie man Lean Startup und Scrum vereint

Produktlabor in der realen Welt


Mit Lean Startup entwickeln Gründer ihr Geschäftsmodell hypothesengetrieben. Um die Hypothesen zu belegen oder zu widerlegen, entwerfen sie schnell Prototypen und legen sie der Zielgruppe zur Evaluierung vor. Scrum überträgt die flexible und schnelle Entwicklung der Geschäftsstrategie in die Produktentwicklung. Wenn es um schnelles Feedback in kurzen Abständen geht, das sofort berücksichtigt wird, treffen sich die beiden Ansätze. Damit eignet sich die Kombination beider Ansätze besonders gut, um innovative Ideen schnell an den Markt zu bringen und zu testen. Unser Artikel zeigt, wie Sie beide Methoden verknüpfen.

Beim Entwickeln von Hypothesen formulieren Gründer Annahmen und unterscheiden nach Bekanntem und Neuen, so genannte Analoge und Antiloge. Um das Geschäftsmodell anzupassen, wird das Feedback der Testkunden umgesetzt. Anhand des realen Feedbacks verstehen Gründer schnell, ob die Grundannahmen eines Geschäftsmodells tragen und was sich verbessern lässt. In mehreren Iterationen entsteht ein Produkt, das die Bedürfnisse von echten Kunden direkt adressiert. Produktverantwortliche in größeren Unternehmen nutzen den gleichen Ansatz, um neue Produktideen schnell zu validieren. Scrum überträgt die flexible und schnelle Entwicklung der Geschäftsstrategie schließlich in die Produktentwicklung [1], [2] (Abb. 1).

knobelspies_leanstartup_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Lean Startup und Scrum

Product Development mit Lean Startup

Im ersten Schritt werden Hypothesen für das Geschäftsmodell erstellt [3]. Das Projektteam führt ergebnisoffene Umfragen oder Interviews mit der Zielgruppe durch. Aus den Interviews leitet der Produktmanager, Innovationsbeauftragte oder Geschäftsführer den so genannten „Problem Solution Fit“ ab. Er hilft, die Probleme und Ziele der Fokusgruppe bei ihrer täglichen Arbeit zu erkennen und eine Lösung für ein Anliegen oder einen Weg zur Zielerreichung abzuleiten. Konkret könnte das so aussehen: Ein Werbemittelhersteller produziert Werbemittel für Geschäftskunden in hoher Stückzahl, zum Beispiel 10 000 Kugelschreiber mit individuellem Design und Kundenlogo. Die Freigabe für Design und Logoplatzierung dauert lange. Der Hersteller produziert ein Produktmuster, schickt es dem Kunden und fertigt nach seinem Feedback weitere Muster an, bis der Kunde eine Freigabe erteilt.

Ein Projektteam aus einem Product Owner und einem Entwickler stellt die Hypothese auf, dass der Freigabeprozess um mehr als die Hälfte verkürzt werden kann und günstiger wird, wenn Designvorschau und Freigabe nur noch digital erfolgen, statt über haptische Produktmuster. Als Product Owner kommen zum Beispiel der Produktmanager, Innovationsbeauftragte oder Geschäftsführer in Frage. Sie nehmen sich vor, diesen Prozess effizienter zu gestalten. Der Product Owner vereinbart Termine mit Kunden, die mit der langen Wartezeit unzufrieden sind. In den Interviews lässt das Projektteam den Kunden frei sprechen und hört genau zu, warum der Freigabeprozess so lange dauert, was in der Zeit beim Kunden passiert, welche Auswirkungen die lange Freigabe hat und wie eine optimale Lösung für ihn aussehen würde.

Zusätzlich nehmen Product Owner und Entwickler die Perspektive des Kunden ein und lassen für sich selbst Werbemittel herstellen. So erleben sie direkt, was dem Kunden beim Einkaufen widerfährt – das so genannte Mystery-Shopping. Nach Interviews und Mystery-Shopping analysiert das Projektteam die Probleme und möglichen Erleichterungen für den Kunden und skizziert eine Lösungsidee als Kern des Geschäftsmodells. Sie wird in überprüfbare Hypothesen zerlegt und konkret festgehalten: Der Kunde bekommt eine E-Mail mit einem Link zum Freigabeprozess. 90 Prozent der Empfänger klicken auf den Link. Die durchschnittliche Freigabezeit dauert weniger als zehn Minuten.

Hypothesen aus Lean Startup nach Scrum übersetzen

Der Kernprozess bei der Verbindung des Lean-Startup-Modells mit Scrum ist die Übersetzung der Hypothesen in den Scrum-Prozess. Bei der Übersetzung geht es darum, Hy...

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