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Freiheit aushalten, Chaos reduzieren, Kreativität ermöglichen

Selbstorganisiert? Aber bitte mit System!


Agile Teams pochen darauf, und Manager können es schon nicht mehr hören: Selbst­organisation. Kaum ein Organisationskonzept wird so missverstanden wie dieses. Stolze agile Teams verbitten sich Mikromanagement. Führungskräfte zweifeln und sagen „Ja, schön, aber bei uns funktioniert das ja sonst nicht!“ Dabei kann mit ein paar Vereinbarungen alles so einfach sein. Der Artikel zeigt Ihnen, was Selbstorganisation ist und wann sie funktionieren kann. Leser erfahren, wie Teams und Management gemeinsam System in die Sache bringen, sodass sich die Menschen im Alltag wirklich auf die Arbeit konzentrieren und der Kreativität freien Lauf lassen können.

Ein Team und sein Management: immer wieder ein schönes Spannungsfeld, in welche Organisation man auch schaut. Führen, Steuern und Organisieren sind Begriffe, die in dem Zusammenhang immer wieder zu hören sind. Klarheit herrscht meistens nicht. „Unser Chef soll uns nicht so hineinregieren, wir machen das schon!“, hört man von den Teams. „Die Leute machen einfach irgendwas, und wenn ich nicht ständig nachfrage, dann läuft es aus dem Ruder“, heißt es vom Management. Beide Parteien sind damit unzufrieden, denn entgegen landläufiger Annahme macht es den Führungskräften nämlich keinen Spaß, hineinzuregieren. Sie tun das, weil sie glauben, es zu müssen.

Prozessframeworks und Methoden aus Agile und Lean setzen auf Selbstorganisation. Cross-funktionale, selbstorganisierende Teams sollen es sein. Über den Begriff Selbstorganisation herrscht zwischen Management und Teams meist keine Einigkeit. Sortieren wir also erst einmal: Was ist eigentlich Selbstorganisation?

Organisieren bedeutet nach Herkunftswörterbuch [1] ursprünglich „planmäßig ordnen, gestalten, einrichten, aufbauen“. Wir gestalten ein geordnetes System aus Personen und Dingen, die miteinander in Beziehung stehen. Beispiel: Ein Team mit seinen Prozessen, Methoden und Tools, die dazu führen, dass seine Mitglieder die gewünschten Ergebnisse erzeugen können.

Selbstorganisation findet statt, wenn diese Ordnung nicht durch Einfluss von außen entsteht, sondern aus dem System selbst heraus: Das System organisiert sich selbst. Selbstorganisation bedeutet naiv betrachtet „wir als Team bestimmen selbst, wie die Dinge hier bei uns laufen“. Dahinter steckt nicht nur die Organisation des Alltags, sondern zwei weitere Aktivitäten, die häufig verwechselt werden, nämlich führen und steuern. Was ist der Unterschied zwischen Führen, Steuern und Organisieren?

  • Führen bedeutet, die Aufmerksamkeit der Teams in eine bestimmte Richtung zu lenken. Führungskräfte stellen das, was in der gewünschten Richtung liegt, besonders heraus und versuchen, alle Einflüsse zu reduzieren, die von dieser Richtung ablenken. Beim Fußball macht das der Kapitän der Mannschaft. Das Ziel ist natürlich der Ball im gegnerischen Tor. In der Softwareentwicklung ist der „Kapitän“ derjenige, der das gewünschte Ergebnis vertritt (z. B. der Produktmanager). Sein Ziel heißt lauffähige Software und angemessene, nützliche Dokumentation.

  • Steuern bedeutet, zu beobachten, wann aufgestellte Regeln verletzt werden und diese Regelverletzungen zu ahnden. Beim Fußball macht das der Schiedsrichter. Er achtet auf Einhaltung des Zeitplans, auf Fairness und auf Besonderheiten wie die Abseitsregel. Auch in der Softwareentwicklung gibt es dafür vorgesehene Rollen, zum Beispiel den Projektleiter oder den Scrum Master.

  • Organisieren betrifft das tägliche Tun, die Regeln und Prozesse, mit denen wir unsere Ergebnisse erzeugen. Wie viele Meetings gibt es, wer macht was, in welcher Reihenfolge? Wo gibt es welche Informationen, wie legen wir sie ab, wer spricht mit wem? Woran erkennen wir Dinge, die fehlen oder nicht gut laufen? Wann ist unsere Software fertig, was bedeutet überhaupt „fertig“?

In selbstorganisierten Teams „halbiert“ man die Aufgaben „Führen“, „Steuern“ und „Organisieren“:

  • Was strategisch wichtig ist und Weitsicht braucht, erfolgt durch jemand Bestimmtes, eine dafür ausgezeichnete Person oder Rolle. Diese Person wirkt manchmal wie ein Dirigent im Orchester.

  • Was operativ wichtig ist und detaillierte, lokal verfügbare Daten braucht, macht das ganze Team. Die Teammitglieder wirken wie Tänzer in einem Ballett, die aufeinander achten und reagieren.

Alle Mitglieder des Teams wirken beim Aufstellen von Regeln und Prozessen mit. Sogar Führung kann halbiert werden: Im täglichen Stand-up-Meeting eines selbstorganisierten Teams könnte ein Teammitglied sagen: „Diesen Fehler machen wir jetzt das zweite Mal. Das muss jetzt anders werden! Wer hilft mir, dann nehmen wir uns endlich mal eine Stunde Zeit, um das gemeinsam zu ändern.“

Vorteile von Selbstorganisation

Selbstorganisation ermöglicht schnelles Entscheiden, lokal auf der Ebene des Teams. Man muss nicht mit jedem bisschen zum Chef gehen. Die Entscheidungen fallen kundenorientiert, schnell, mit weniger Reibungsverlusten zwischen hierarchischen Ebenen. Die Kommunikation wird einfacher und kostet weniger, wenn zentrale Instanzen nicht mehr oder nicht mehr so oft benötigt werden. Störungen können lokal vom Team behandelt werden, ohne sich groß in der ganzen Firma zu verbreiten.

Wenn die Teams auch noch gemischt-funktional aufgestellt sind, also jedes Team nicht nur Entwickler, sondern auch Analysten, Architekten, Datenbänker, Oberflächengestalter und Tester hat, haben sie alle Kompetenzen lokal vorhanden. Damit agiert das Gesamtsystem deutlich stabiler, die Teams können dauerhaft mit hoher Qualität und L...

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