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Backlogs priorisieren mit Costs of Delay und Monte-Carlo-Simulationen

Der Product Owner im Casino


Die Priorisierung des Backlogs ist eine zentrale Aufgabe für Product Owner. Gleichzeitig ist sie eine der schwierigsten Aufgaben. Viele Methoden konzentrieren sich auf strukturelle und inhaltliche Aspekte. Dieser Artikel möchte eine Methode zeigen, wie ökonomische Aspekte in Kombination mit Simulationen als Grundlage verwendet werden können.

Die agile Community hat etliche Methoden zur Priorisierung von Product Backlogs hervorgebracht. Einige davon können schon fast als Kanon der Product-Owner-Ausbildung betrachtet werden, z. B. MuSCoW. Andere Methoden sind eigentlich eine eigene Disziplin und beziehen schon Aspekte aus der Erstellung von Geschäftsmodellen ein, z. B. Story Mapping. All diesen Methoden ist gemeinsam, dass sie einen starken Fokus auf die Inhalte der Backlog Items legen und vor allem ein gemeinsames Verständnis bei allen Beteiligten schaffen wollen. Denn Fakt ist: Ohne dieses Verständnis lassen sich Projekte nicht erfolgreich durchführen.

Neben dem Verständnis gibt es aber eine weitere Dimension, die für den Erfolg eines Projekts entscheidend ist: die Wirtschaftlichkeit. Zwar wird gerne gesagt, dass Backlog Items entsprechend ihres Kosten-Nutzen-Verhältnisses priorisiert werden sollen, es gibt aber nur wenige konkrete Vorschläge, wie sich dieser Nutzen quantifizieren lässt. An dieser Stelle setzt die Methodik der Costs of Delay (Verzögerungskosten) an. Sie ist eine hervorragende Ergänzung zu Story Mapping, Impact Mapping oder anderen Methoden und fügt den ökonomischen Blickwinkel hinzu.

Die Grundidee der Costs of Delay

Die Costs of Delay wurden von Don Reinertsen [1], [2] beschrieben und sind mittlerweile ein anerkanntes ökonomisches Werkzeug. Die Idee besteht darin, dass es neben den Kosten, die durch eine unternehmerische Aktivität entstehen, auch Kosten gibt, die entstehen, wenn diese Aktivität zu lange dauert oder ihre Ergebnisse zu spät verfügbar sind. Diese Kosten sind im einfachsten Fall entgangene Einnahmen durch Verzögerung, in komplizierten Fällen Strafzahlungen durch zu späte Lieferung oder komplexe soziale Folgen.

Oft kommt es vor, dass Costs of Delay mit Opportunitätskosten gleichgesetzt werden. Dies ist aber falsch. Opportunitätskosten sind einfach ausgedrückt entgangene Gewinne, die unternehmerische Aktivitäten hätten erzielen können. Costs of Delay entstehen, weil eine unternehmerische Aktivität gar nicht, zu spät oder nicht effizient durchgeführt wird. Reinertsen sagt, dass 85 Prozent aller Produktmanager die Costs of Delay nicht kennen. Außerdem seien Menschen im Allgemeinen sehr schlecht in der Abschätzung der Costs of Delay. In Untersuchungen hat er ermittelt, dass die Costs of Delay im Mittel um einen Faktor 50 unterschätzt werden. Er legt Produktmanagern nahe, sich intensiv mit dieser Idee zu beschäftigen und Costs of Delay tatsächlich zu quantifizieren. Natürlich sind die Costs of Delay für Backlog Items Prognosen über zukünftige Entwicklungen. Damit sind sie, je nachdem wie viel Wissen über die Zukunft verfügbar ist, mehr oder weniger exakt. Eine bewusste Beschäftigung mit den Costs of Delay hilft Product Ownern aber in jedem Fall, eine bessere Einschätzung abzugeben als das Ignorieren dieser Kosten und ein rein inhaltliches Priorisieren von Backlogs. Basierend auf den Ideen von Reinertsen gibt es vier Basismodelle der Costs of Delay:

  • Linear mit der Verzögerung steigende Kosten (Standard)

  • Kosten, die ab einem definierten Zeitpunkt entstehen (Fixed Date)

  • Plötzlich entstehende Kosten (Expedite)

  • Kosten, die wahrscheinlich entstehen, aber nicht exakt zu prognostizieren sind (Intangibles)

Im Standardfall sind die Costs of Delay zunächst gering und steigen sukzessive mit der Zeit an (Abb. 1). Die Verzögerung wird also im Laufe d...

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