Business Technology Magazin - 03.2017 - Aus Alt mach Neu


Preis: gratis für Entwickler.Kiosk-Leser

Erhältlich ab:  Januar 1970

Umfang:  48

Autoren / Autorinnen: Frank Pientka, Laura Dietze, Martin Weisath, Christoffer Menk, Sebastian Bindick, Tobias Brückmann, Andreas Arnold, Stephan Dahm, Steffen Stumpf, Stephen Lorenzen, Jürgen Lampe, Reginald Rink, Alexander Heusingfeld, Melanie Feldmann, Florian Lautenbacher, Claudia Heß

Liebe Leserin, lieber Leser,

wussten Sie, dass Regenwürmer in Nordamerika ein großes Problem sind? Vielleicht nicht. Aber von Problemen mit Rehen in Neuseeland oder Hasen in Australien haben Sie sicherlich schon einmal gehört. Regenwürmern, Rehen und Hasen ist gemein, dass sie in den genannten Ländern keine eingeborenen Arten sind, sondern eingeschleppte. Das Ökosystem ist nicht auf sie eingestellt. Im Fall des Regenwurms kam ein Meister der organischen Zersetzung in eine Umgebung, die sich gut ohne dergleichen eingerichtet hatte. Die Pflanzen ließen ihre Samen fallen und diese keimten in der obersten Erdschicht. Bis der Regenwurm kam und Blätter und Samen in die Tiefe zog und den Boden verdichtete. Jetzt finden sich in ganzen Landstriche kaum Wildblumen mehr, weil sie dort nicht mehr keimen können. Ähnliches gilt für die Rehe und Hasen, die nicht von Fressfeinden bedroht alles kahl fressen.

Die eingeschleppten Arten haben meist den Vorteil, dass sie die Vorzüge und Nischen der neuen Umgebung besser nutzen können als alteingesessene. Oder ganz schlicht nicht gefressen werden. Sie verändern das Ökosystem oft so schnell, dass einheimische Arten nicht mehr mitkommen. Die Evolution hält mit den Eindringlingen nicht Schritt.

Mich hat die Geschichte vom Regenwurm in Nordamerika an die momentane Situation vieler Unternehmen erinnert. Auf einmal kommt so ein neues Unternehmen – ob als Start-up oder bereits großer Konzern – und krempelt die komplette Branche um. Diese Disruptoren sind auch oft eingewandert. Selten kommen sie aus den Branchen – den Ökosystemen – selbst, sondern von außen und mit Absicht. Die alteingesessenen Unternehmen schauen erst verwundert zu, beschweren sich vielleicht noch bei der Politik und verschwinden dann von der Bildfläche. Anstatt ihren gemächlichen Evolutionspfad zu verlassen und sich aufzumachen, die Einwanderer wieder einzuholen. Lange Zeit zum Zugucken bleibt nicht. Denn sonst hat sich das Umfeld schon zu sehr verändert und das eingewanderte Unternehmen schon neue Spielregeln aufgestellt. Auch auf Nischenpositionen kann man sich nicht mehr verlassen. Was früher eine kleine, glückliche Geschäftsinsel war, ist vielleicht bald keine mehr.

Es gilt also vielleicht nicht mehr „survival of the fittest“, sondern „survival of the fastest“.

feldmann_melanie_sw.tif_fmt1.jpgMelanie Feldmann, Redakteurin

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