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Digitalisierung: Sozial- und Gesundheitsbranche liegt zehn Jahre zurück

E-Health auf Rezept?


Eine digitale Transformation im Pflegebereich wird mit großer Skepsis betrachtet. Dabei kann sie das Personal entscheidend entlasten und mehr Zeit für den Patienten schaffen. Notwendig dafür sind die Förderung durch den Staat sowie eine gute Planung. Nicht nur in der Verwaltung, sondern auch im häuslichen Alltag der Patienten kann eine Digitalisierung sowohl für das Pflegepersonal als auch für die Patienten eine Bereicherung sein. Die deutsche Pflegebranche hat an dieser Stelle großen Nachholbedarf.

Der Megatrend Digitalisierung macht auch vor der Sozial- und Gesundheitswirtschaft nicht halt. Gerade in dieser Branche führt kein Weg am digitalen Wandel vorbei. Eine Umstellung auf vermehrt digitale Prozesse kann den Gesundheitssektor signifikant voranbringen und letztlich für mehr Hände am Bett sorgen. Allerdings schwingt beim Stichwort Digitalisierung häufig die Angst vor Wegrationalisierungen mit. Beim digitalen Wandel in der Sozialwirtschaft geht es allerdings nicht darum, Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern, im Gegenteil, Pflegekräfte zu entlasten. Dadurch soll mehr Zeit für den Dienst am Menschen geschaffen werden. Die Zahlen sprechen für sich: Bis 2030 steigt bedingt durch den demografischen Wandel der Bedarf an Pflegeplätzen von derzeit 2,7 auf über 3,4 Millionen. Es wären 620 000 weitere qualifizierte Mitarbeiter nötig, um das aktuelle Niveau der Versorgung zu halten [1]. Besonders in der Pflege- und Gesundheitsbranche führt solch ein Fachkräftemangel möglicherweise zu Lücken in der Betreuung. Denn den Grundstein für eine solide, menschenwürdige Pflege, sowohl im Krankenhaus als auch in der Pflegeeinrichtung, legt in erster Linie motiviertes und qualifiziertes Personal. Auch der belastende Zuwachs an Bürokratie wird wohl in den nächsten Jahren zunehmen – zielgerichtetes Handeln zur Erfüllung der Auflagen mit geringstem Aufwand lautet das Gebot der Stunde. Deshalb sollten Einrichtungen auf digitale Mittel zurückgreifen, um die Prozesse zu optimieren: Eine höhere Vernetzung verbessert die Kommunikation und verhindert doppelte Arbeit. Nur dann bleibt die Zeit der Mitarbeiter dort, wo sie hingehört: in der Pflege selbst. Dabei fängt Digitalisierung im ganz Kleinen an, beispielsweise bei einer schnellen Internetverbindung oder dem automatischen Staubsauger, der zusätzliche Arbeit abnimmt. Kleine Veränderungen, die Großes bewirken können.

Ohne Strategie – kein Plan

IT und Telekommunikation gehören heute zu den fundamentalen Arbeitsmitteln, auch in der Sozialwirtschaft. Sie müssen zuverlässig und sicher arbeiten, zudem einfach sowie intuitiv bedienbar sein. In diesem Bereich hat die gesamte Branche allerdings noch immensen Nachholbedarf. Denn nach dem digitalen Wirtschaftsindex ist die Gesundheitsbranche das Schlusslicht beim Thema Digitalisierung. Die Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie entstand, zeigt deutlich, dass der Sozial- und Gesundheitssektor noch stark unterdurchschnittlich digitalisiert ist. Bis 2022 wird die Branche mit 39 von 100 möglichen Punkten voraussichtlich weiterhin stark unterdurchschnittlich aufgestellt sein [2]. Die strategische Ausrichtung auf den digitalen Wandel erfolgt eher langsam. Fatal, denn um die richtigen Schritte in Richtung Digitalisierung zu gehen, ist eine durchdachte Strategie vonnöten. Nur wenn sich Einrichtungen und Verbände fragen, was sie wirklich brauchen, wie dies zu erreichen ist und ob die Anpassungen von den Mitarbeitern mitgetragen werden, kann ein Digitalisierungsvorhaben gelingen. Die Verantwortlichen müssen sich aktiv um eine Strategie bemühen, denn der digitale Wandel muss auch im Gesundheitssektor als strategisches Thema begriffen werden. Die Nutzung digitaler Dienste sowie die Nutzungsintensität smarter Geräte und Infrastrukturen sind hier soweit noch deutlich ausbaufähig [2]. Obwohl die befragten Gesundheitsunternehmen von der Wichtigkeit der Digitalisierung überzeugt scheinen, bieten lediglich 8 Prozent entsprechende Angebote an. Mehr als die Hälfte hält den Einfluss der Digitalisierung auf den Unternehmenserfolg sogar für gering, nur 40 Prozent schätzen ihn dagegen als stark ein [2].

Private Anbieter am Zug

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