Business Technology Magazin - 04.2015 - Conway's Law


Preis: gratis für Entwickler.Kiosk-Leser

Erhältlich ab:  November 2015

Umfang:  48

Autoren / Autorinnen: Malte Unger, Richard Attermeyer, Waldemar Kaus, Gerrit Beine, Gianluca De Lorenzis, Mirko Schrempp, Thomas Löw, Jan-Peter Finke, Manfred Rössle, Peter Hruschka, Carola Lilienthal, Gernot Starke, Matthias Heiler, Stefan Toth, Carsten Sensler, Michael Heinke, Matthias Bohlen

Conway’s Law erlebt gerade eine Renaissance. Das hat weniger mit der unbestreitbaren Tatsache zu tun, dass Melvin E. Conway in seinem Aufsatz „How Do Committees Invent?“ schon 1968 eine sehr weitsichtige Beobachtung gemacht hat, sondern mehr mit dem aktuellen Zustand des Verhältnisses von IT und Business und der allgemeinen Entwicklung.

Zur Erinnerung, das Gesetz sagt in der Zusammenfassung durch den Autor selbst Folgendes: „Any organization that designs a system (defined more broadly here than just information systems) will inevitably produce a design whose structure is a copy of the organization’s communication structure.“ Unter bit.ly/1M3MiUx finden Sie auch den vollen Wortlaut des Artikels.

Danach gilt zum Beispiel: Wer auf ein traditionelles Großunternehmen mit hierarchischer Siloorganisation schaut, wird in der Regel auch eine ähnlich strukturierte IT-Architektur vorfinden. Und es gilt auch: Wer auf ein kleines Start-up mit kurzen Kommunikationswegen zwischen zwei Büroräumen schaut, wird eine entsprechend leichtgewichtige und konsistente Architektur vorfinden. Jeder von uns kennt aus eigener Erfahrung zahlreiche gesetzeskonforme Unternehmen dieser Art. So weit, so gut, doch warum nehmen aktuell immer wieder Artikel und Vorträge Bezug darauf?

Was treibt Conways Erben?

Die Antwort ist relativ einfach: Weil viele Systeme durch die veränderten Marktbedingungen an ihre Grenzen kommen. Die Gründe dafür sind so verschieden wie die Unternehmen mit ihren spezifischen Systemen, aber die Konsequenz ist die gleiche: Sie brauchen entweder neue Kommunikationsstrukturen oder neue Architekturen. Und egal von welcher Seite man es betrachtet, dem Gesetz folgend hat das Auswirkung auf die jeweils andere Seite. Ein Start-up, das wächst, mehr Leute einstellt und umfangreichere Software produziert, wird nicht mehr alles in der Kaffeeküche klären können. Ein Großunternehmen hat keine Zeit mehr, dutzende von Planungskomitees zunächst auf der Fachseite und dann auf IT-Seite einzurichten, um Monate später eine Änderung umzusetzen, die auf die Lösung eines Start-ups reagiert, die im Wettbewerb um die Kunden plötzlich und überraschend eine Bedrohung darstellt.

Das Problem liegt also offen vor uns, weil die Umstände sich verändern und damit auch die Strukturen und Systeme. Und es zeigt sich schnell, dass die technischen Hürden nicht das Hauptproblem sind. Viel schwieriger ist es, das Verhältnis von Kommunikationsstruktur und Systemstruktur zu analysieren und dann die richtigen Schritte zu wählen, um beides zu verändern. Die Artikel dieser Ausgabe beschreiben einige Lösungsszenarien, um sich dieser Herausforderung zu stellen. Überraschend ist dabei, dass die Werkzeuge wieder einmal bereits zur Verfügung stehen, aber die Kunst darin liegt, sie richtig einzusetzen. Denn das, was heute unter Schlagworten wie DevOps, DevBiz und Microservices oder kunden- und mitarbeiterzentrierter Kommunikation beschrieben wird, ist im Detail nicht neu. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, im offenen Austausch das richtige Kommunikations- und Architekturdesign zu entwickeln – und hierbei ist Conway’s Law ein guter Prüfstein.

schrempp_mirko_sw.tif_fmt1.jpgMirko Schrempp, Redakteur

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