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Gelebtes Prozessmanagement mit BPMN und der prozessgesteuerten Architektur

Die BizDev-Architektur


Wenn Business und IT sich zusammensetzen und die Möglichkeit bekommen, gemeinsam einen einheitlichen und ausführbaren Prozess zu entwickeln, dann kann man getrost von BizDev sprechen. Alles was dafür gebraucht wird, ist die Bereitschaft zur Kommunikation, die BPMN, eine Hand voll Tools und eine prozessgesteuerte Architektur. Der Artikel zeigt am Beispiel der SAP-internen Prozessentwicklung für die Lan­guage Services, wie es praktisch geht.

Die grafische Prozessmodellierungsnotation BPMN (Business Process Model and Notation) ist inzwischen weithin bekannt und damit auch die Chancen, die sich mit ihr ergeben. Fachabteilungen werden in die Lage versetzt, ihre Prozesse nicht nur in einem standardisierten, austauschbaren Format zu modellieren, sondern diese Modelle auch in einer spezialisierten BPMN Engine zur Ausführung zu bringen. Die Nutzung des grafischen BPMN-Modells in einem aktuell ablaufenden Prozess hat darüber hinaus dazu beigetragen, dass die Anwender (fachlich und IT) nun während der Prozessausführung genau erkennen können, welchen Prozessschritt sie gerade im Kontext des ggf. über viele Systeme und Abteilungen verteilten Gesamtprozesses ausführen. Allein diese Aspekte haben zu einer erheblichen Verbesserung des Prozessdenkens und der Prozesstransparenz geführt. Wusste man früher nie so genau, um welchen Prozess es sich eigentlich gerade handelte, zu dem man aktuell durch eine Aktivität beitrug oder welche Prozessschritte die aktuelle Prozessinstanz schon durchlaufen hatte, so kann man nun anhand des Prozessmodells eindeutig die Prozessschritte vor und nach seiner aktuellen Tätigkeit nachverfolgen. Viele Kunden, bei denen SAP und ihre Partner BPM-Projekte durchgeführt haben, berichten, dass erst die Verwendung der BPMN und ihrer Ausführbarkeit zu einer intensiveren Auseinandersetzung und Diskussion über abteilungsübergreifende Prozesse und damit zu einer erheblichen Prozessverbesserung geführt habe. Doch nicht nur Kunden setzen auf BPMN. Auch SAP selbst nutzt BPMN in großem Stil, um ihre Geschäftsprozesse damit zu modellieren und auszuführen.

Vom Modell zum Prozess

Wie aber geht man nun konkret vor, um vom Modell in den ausführbaren Prozess zu kommen? Schließlich erfolgt eine solche Transformation nicht automatisch, sondern bedarf einer genauen Planung und Kenntnisse darüber, wie mögliche Stolpersteine vermieden werden können.

In letzter Zeit hat sich dazu eine Vorgehensweise etabliert, die unter dem Begriff „prozessgesteuerte Architektur“ [1] bekannt ist und auf den Technologietagen der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) 2013 erstmalig präsentiert wurde. Sie basiert auf BPMN und deren Ausführbarkeit auf speziellen BPMN-Umgebungen. Die Methodik sollte genutzt werden, wenn differenzierende Geschäftsprozesse zu implementieren sind. Dabei handelt es sich um Prozesse, die nicht in einer Standardlösung umgesetzt sein können, da sie das differenzierende Geschäft des jeweiligen Unternehmens adressieren. Gleichzeitig wurde bei der Methodik Wert auf eine prozessgesteuerte Architektur gelegt, die die richtige Balance zwischen Entwicklungs- und Wartungskosten, Skalierbarkeit und Fehlertoleranz findet und dennoch genügend Flexibilität für Anpassungen bietet, ohne selbst dabei zu komplex zu werden. Schließlich setzen sich Dinge dann besonders gut durch, wenn sie hinreichend einfach strukturiert sind. Mit einher geht bei diesem Ansatz ein neues Kollaborationsmodell („BizDevs“), das die gemeinsame Zusammenarbeit von Business („Biz“) und IT („Devs“) an den später auszuführenden BPMN-Modellen beschreibt. Die Fachabteilungen werden somit Teil des Entwicklungsprozesses, das ist eine Neuerung.

Das neue Kollaborationsmodell fußt auf der Zusammenarbeit an einem BPMN-Modell, das dann so wie es ist von der BPMN Engine ausgeführt wird. Bisher wurden die Modelle, die vom Business kamen, mit IT-Artefakten „verunreinigt“, um sie ausführbar zu machen. Warum aber sollten die wertvollen Modelle des Business für die Ausführung aufgegeben werden? Warum sollte man überhaupt zwei Modelle erzeugen: erst eins für das Business und dann noch eins für die Ausführung? Und wer ist dann für die Synchronisation der Modelle verantwortlich, wenn sich auf der einen oder anderen Seite etwas ändert? Wenn Organisationen akzeptieren, dass Business und IT gleichermaßen für das BPMN-Modell verantwortlich sind, weil es während des Übergangs zur Ausführung beibehalten wird, funktioniert die Zusammenarbeit. Damit ist dann auch die Verantwortung für das ausgeführte Modell auf die Businessseite erweitert. Das ist ebenfalls eine Neuerung.

Idee der Process-driven Architecture

Der wesentliche Gedanke der Process-driven Architecture (PDA) ist, die damit umgesetzte Anwendung so abstrakt wie möglich von einer konkreten Systemlandschaft zu halten, in der die Anwendung implementiert wird. Schließlich will man das Prozessmodell nicht jedes Mal anpassen, wenn eine Variation im unterliegenden System erfolgt. Dazu werden Funktionalitäten definiert und als Services angeboten, die das Business vorgibt, statt generischer Funktionen, die von der IT kommen und in denen immer weit mehr Daten eines Objekts gepflegt werden müssen, als für die eigentliche Funktion im konkreten Prozesskontext notwendig sind. Diese Services sind nicht für den Einsatz in unterschiedlichen Prozessen gedacht, sondern für Variationen desselben Prozesses, die durch Variationen und Änderungen in der unterliegenden Systemlandschaft verursacht werden. Das ist ein radikal anderer Ansatz in der Philosophie der Architektur.

Das Prozessdesign in einer PDA erfolgt so, dass das Proz...

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