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Cloud Compendium
Eine gute Softwarearchitektur setzt klare Ziele voraus

Zehn Hausaufgaben für die Cloud-Architektur

Softwarearchitekturen für Cloud-Lösungen zu entwickeln, ist seit Jahren fester Bestandteil meiner Arbeit. Ich werde von Firmen eingeladen, mit ihnen Architekturen für Cloud-basierende SaaS-Produkte zu entwickeln. Dabei stelle ich oft fest, dass Teams wichtige Hausaufgaben vernachlässigen. Die Projektziele und -rahmenbedingungen sind nicht klar formuliert. Man erwartet, dass Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Berater wie ich eine allgemeingültige Cloud-Architektur aus dem Ärmel zaubern, die unabhängig vom Geschäftsmodell und der fachlichen Domäne funktionieren. Diese Vorgehensweise ist gefährlich. Sie führt zu unnötig komplexen oder unpassenden Architekturen. Es wäre, als würde man sein Haus planen, ohne vorher festgelegt zu haben, ob man einen Keller will oder wie viele Autos in der Garage Platz haben sollen. In dieser Ausgabe meiner Kolumne möchte ich eine Liste von zehn Hausaufgaben zusammenfassen, die ich Teams vor einem Cloud-Architekturworkshop mitgebe. Die Antworten sind die Basis, auf der eine solide Architekturentwicklung aufbauen kann.

Rainer Stropek


1. VisionBeginnen Sie mit einer Zusammenfassung der zentralen Vision, die hinter der Cloud-basierenden SaaS-Lösung steckt. Halten Sie sich dabei bewusst kurz. Idealerweise gibt es für das Projekt bereits ein Visionsdokument [1], auf das Sie verweisen können.Eine Vision, die nur in den Köpfen der Projektbeteiligten existiert, ist zu wenig. Schreiben Sie sie nieder. Die Vision in prägnante Worte oder Schaubilder zu fassen, hilft, Inkonsistenzen und Unklarheiten aufzudecken.Beschreiben Sie die Einordnung des Projekts in die Gesamtstrategie Ihrer Organisation. Ein Werkzeug, das ich in diesem Bereich gerne verwende, ist die Strategy Map [2]. Sie erklärt die primären strategischen Ziele und ihre Zusammenhänge. Stellen Sie für das SaaS-Projekt dar, wie es die Zielerreichung unterstützt.2. ScopeWelchen Scope hat das Projekt, für das die Softwarearchitektur entwickelt werden soll? Was ist Teil der Aufgabenstellung für das vorliegende Projekt und was wird im Moment bewusst ausgeklammert? Wie ist das aktuelle Projekt in eine längerfristige Produkt-Roadmap eingegliedert?3. InnovationDamit der Fokus im Projekt richtig gesetzt werden kann, muss klar sein, was das Innovative am zu entwickelnden SaaS-Produkt ist. Ich empfehle, die Innovation aus zwei Perspektiven heraus zu beschreiben:Externe Perspektive: Was sind aus Kundensicht die wichtigsten funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen, durch deren Lösung sich das SaaS-Angebot von existierenden Produkten abheben wird? Ein Werkzeug, das ich persönlich in diesem Bereich gerne einsetze, ist die Blue-Ocean-Strategie [3].Interne Perspektive: Welche internen Aspekte des Unternehmens werden sich durch das SaaS-Angebot fundamental verändern? Betroffen sein könnten beispielsweise interne Geschäftsprozesse, die Aufbauorganisation oder die Unternehmensfinanzierung. Wie verändert das neue SaaS-Angebot die Wertschöpfungskette der Firma? Ich nutze bei dieser Frage gerne den Business Model Canvas als Hilfsmittel [4].Hilfreich für die Qualität der Antwort auf diese Frage ist meiner Erfahrung nach eine Beschränkung auf jeweils maximal fünf Schlüsselinnovationen. Dadurch ist man gezwungen, sich auf das Wesentliche zu beschränken und zu priorisieren.4. ZielumgebungIch habe in meinen Kolumnen schon oft darüber geschrieben, dass ein Produkt, das nur in der Cloud läuft, vielleicht sogar nur in einer bestimmten, per se nichts Schlechtes ist. Man verliert vielleicht einige Kunden, die auf jeden Fall eine On-Premises-Lösung suchen. Man...

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Eine gute Softwarearchitektur setzt klare Ziele voraus

Zehn Hausaufgaben für die Cloud-Architektur

Softwarearchitekturen für Cloud-Lösungen zu entwickeln, ist seit Jahren fester Bestandteil meiner Arbeit. Ich werde von Firmen eingeladen, mit ihnen Architekturen für Cloud-basierende SaaS-Produkte zu entwickeln. Dabei stelle ich oft fest, dass Teams wichtige Hausaufgaben vernachlässigen. Die Projektziele und -rahmenbedingungen sind nicht klar formuliert. Man erwartet, dass Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Berater wie ich eine allgemeingültige Cloud-Architektur aus dem Ärmel zaubern, die unabhängig vom Geschäftsmodell und der fachlichen Domäne funktionieren. Diese Vorgehensweise ist gefährlich. Sie führt zu unnötig komplexen oder unpassenden Architekturen. Es wäre, als würde man sein Haus planen, ohne vorher festgelegt zu haben, ob man einen Keller will oder wie viele Autos in der Garage Platz haben sollen. In dieser Ausgabe meiner Kolumne möchte ich eine Liste von zehn Hausaufgaben zusammenfassen, die ich Teams vor einem Cloud-Architekturworkshop mitgebe. Die Antworten sind die Basis, auf der eine solide Architekturentwicklung aufbauen kann.

Rainer Stropek


1. VisionBeginnen Sie mit einer Zusammenfassung der zentralen Vision, die hinter der Cloud-basierenden SaaS-Lösung steckt. Halten Sie sich dabei bewusst kurz. Idealerweise gibt es für das Projekt bereits ein Visionsdokument [1], auf das Sie verweisen können.Eine Vision, die nur in den Köpfen der Projektbeteiligten existiert, ist zu wenig. Schreiben Sie sie nieder. Die Vision in prägnante Worte oder Schaubilder zu fassen, hilft, Inkonsistenzen und Unklarheiten aufzudecken.Beschreiben Sie die Einordnung des Projekts in die Gesamtstrategie Ihrer Organisation. Ein Werkzeug, das ich in diesem Bereich gerne verwende, ist die Strategy Map [2]. Sie erklärt die primären strategischen Ziele und ihre Zusammenhänge. Stellen Sie für das SaaS-Projekt dar, wie es die Zielerreichung unterstützt.2. ScopeWelchen Scope hat das Projekt, für das die Softwarearchitektur entwickelt werden soll? Was ist Teil der Aufgabenstellung für das vorliegende Projekt und was wird im Moment bewusst ausgeklammert? Wie ist das aktuelle Projekt in eine längerfristige Produkt-Roadmap eingegliedert?3. InnovationDamit der Fokus im Projekt richtig gesetzt werden kann, muss klar sein, was das Innovative am zu entwickelnden SaaS-Produkt ist. Ich empfehle, die Innovation aus zwei Perspektiven heraus zu beschreiben:Externe Perspektive: Was sind aus Kundensicht die wichtigsten funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen, durch deren Lösung sich das SaaS-Angebot von existierenden Produkten abheben wird? Ein Werkzeug, das ich persönlich in diesem Bereich gerne einsetze, ist die Blue-Ocean-Strategie [3].Interne Perspektive: Welche internen Aspekte des Unternehmens werden sich durch das SaaS-Angebot fundamental verändern? Betroffen sein könnten beispielsweise interne Geschäftsprozesse, die Aufbauorganisation oder die Unternehmensfinanzierung. Wie verändert das neue SaaS-Angebot die Wertschöpfungskette der Firma? Ich nutze bei dieser Frage gerne den Business Model Canvas als Hilfsmittel [4].Hilfreich für die Qualität der Antwort auf diese Frage ist meiner Erfahrung nach eine Beschränkung auf jeweils maximal fünf Schlüsselinnovationen. Dadurch ist man gezwungen, sich auf das Wesentliche zu beschränken und zu priorisieren.4. ZielumgebungIch habe in meinen Kolumnen schon oft darüber geschrieben, dass ein Produkt, das nur in der Cloud läuft, vielleicht sogar nur in einer bestimmten, per se nichts Schlechtes ist. Man verliert vielleicht einige Kunden, die auf jeden Fall eine On-Premises-Lösung suchen. Man...

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