Entwickler Magazin - 01.2014 - Testing


Preis: 6,50 €

Erhältlich ab:  Dezember 2013

Umfang:  100

Autoren / Autorinnen: Christian Imhorst, Alexander Rudolph, Torsten Zimmermann, Corinna Kern, Michael Müller, Carsten Harnisch, Verena Kuni, Frederik Bijlsma, Carsten Eilers, Paul Farquhar, Roman Schacherl, Veikko Krypczyk, Wolfgang Schmidt, Thomas Kaufmann, Christian Proinger

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir zählen mittlerweile mehrere Hundert Programmiersprachen, und so langsam grenzt dies an eine babylonische Sprachverwirrung, wie sie das biblische Eingangszitat beschreibt.

Zu den am weitesten verbreiteten Sprachen, wie C, Java und Objective-C gesellen sich jedes Jahr neue hinzu. Um nur zwei Beispiele zu nennen: F# wurde mit seiner Einführung 2008 als objektorientierte Sprache gefeiert, die keinen objektorientierten Code erfordert und sich besonders gut für rechenintensive Anwendungen eignet. Und das verhältnismäßig infantile Ceylon (2011), das auf der Java Virtual Machine läuft, statisch typisiert ist, Funktionen höherer Ordnung unterstützt und dabei auch noch einfach zu erlernen sein soll, macht dem zwanzig Jahre alten Java Konkurrenz.

Dann gibt es solche, die schon fast vergessen oder so speziell sind, dass man ihnen im Alltag nur selten begegnet. Erlang zum Beispiel hat auch schon mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel, wird Ihnen im Desktopbereich aber eher selten begegnen. Serverseitig wird es in verschiedenen Datenbanken und Webservern eingesetzt. Perl ist genauso alt, aber, so die weitläufige Meinung, für Einsteiger eher ungeeignet. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht kompiliert werden muss – und dadurch, dass es sehr komplex und verworren sein kann. In den neunziger Jahren wurde es vor allem für Webanwendungen benutzt, und mancher ist der Meinung, dass das Internet dank Perl zu dem wurde, was es heute ist. „Moment“, denken Sie jetzt? „PHP und JavaScript sind doch die Sprachen, die das Web schreiben?!“ Stimmt, aber in der Syntax von PHP finden sich unter anderem Elemente von Perl wieder. Und auch als vor rund fünfzehn Jahren in angeblich nur zehn Tagen JavaScript entwickelt wurde, hat nicht etwa Java Pate gestanden, wie man dem Namen nach schließen könnte, sondern auch wieder zu großen Teilen Perl. Warum also wurde Perl von seinen „kleinen Brüdern“ überholt? Nun, die Sprache war ihrer Zeit technologisch wahrscheinlich einfach zu weit voraus. Kritiker aber prophezeien JavaScript gerade wegen seiner Ähnlichkeit zu Perl und damit ähnlicher Probleme bereits wieder die Talfahrt, und vermeintliche JavaScript-Alternativen, wie Googles Dart, versuchen, an dessen Thron zu sägen.

Sie merken vielleicht: Wollte man versuchen, das Sprachengewirr aufzudröseln, würde man schnell vom Hundertsten ins Tausendste kommen.

Leider ist die maschinenbasierte Übersetzung noch nicht so weit ausgereift wie in Douglas Adams Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“, in dem der Babelfisch ein automatisches Verständnis für alle Sprachen erzeugt. Und wer hat schon die Zeit, sich mit all diesen Sprachen auseinanderzusetzen, um überhaupt herauszufinden, was sie können und ob sie sich für die eigene Arbeit als Gewinn entpuppen würden?

Es wäre aber zu schade, diese lebhafte Welt der Programmiersprachen nicht zu erforschen, fast vergessene Sprachen wiederzuentdecken und sich über gänzlich neue zu informieren. Deswegen haben wir eine Artikelserie initiiert, in der wir Ihnen einen Blick über den Tellerrand auf alte, neue und ganz spezielle Sprachen ermöglichen wollen, indem wir Experten für Sie ausfindig gemacht haben, die Ihnen prägnant das Wichtigste über ihre Sprache vermitteln. In jeder Ausgabe stellen wir Ihnen eine andere Sprache vor, die vielleicht nicht in jedem Fall für Ihre Berufspraxis relevant sein mag, aber Ihnen einen umfassenden Überblick über Hintergründe und Möglichkeiten von Sprachen aus allen technologischen Bereichen bieten wird – und schließlich ist es auch nie verkehrt zu wissen, was die Konkurrenz so treibt.

Wir wünschen Ihnen lehrreiche Einblicke und freuen uns über Feedback, welche Sprachen Sie einmal interessieren würden.

kern_corinna_sw.tif_fmt1.pngCorinna Kern, Redakteur

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