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Entwickler Magazin
Interview mit Verena Kuni über Handarbeit und Technologie

„Eine Strickanleitung ist nichts anderes als ein Algorithmus.“

Was haben die Themen Häkeln und Stricken in einem Magazin für Entwickler verloren? Einerseits gar nichts, auf der anderen Seite mehr als man ahnen würde. Wir haben im Interview mit Verena Kuni einen Blick über den Tellerrand gewagt und erstaunliche Parallelen zwischen klassischer Handarbeit und der modernen Netzkultur gefunden.

Verena Kuni


Entwickler Magazin: „Ha3k3ln + Str1ck3n für Geeks“ ist kein typisches Handarbeitsbuch. Wieso? Verena Kuni: „Ha3ke3ln + Str1cken für Geeks“ hat einen ganz anderen Ausgangspunkt als klassische Handarbeitsbücher – nämlich die Frage: Was macht Maschen in einer Kultur, die von digitalen Technologien geprägt ist, interessant? Inwiefern könnte es gerade für Geeks und Nerds spannend sein, sich mit Häkeln und Stricken zu befassen? Also ganz traditionellen textilen Techniken, die man für gewöhnlich eher zu den Tätigkeiten zählt, mit denen sich brave Mädchen, gute Hausfrauen und liebenswerte Großmütter beschäftigen, um den Rest der Familie mit Socken, Pullis, Schals und Mützen zu versorgen.Natürlich ist dieses Bild von Handarbeit längst ins Wackeln geraten. Ob als Alternative zu billig produzierter Massenware, oder um mal Abstand von Bildschirm und Tastatur zur gewinnen: Handgearbeitetes und Handarbeiten sind inzwischen wieder richtig schick und passen prima in den allgemeinen Trend „Do it yourself“.In diesem Zug haben sich, zusammen mit dem Image der Handarbeit, durchaus auch die Handarbeitsbücher verändert. Nicht nur in der Aufmachung, auch in den Themen – es gibt ja sogar welche zum Guerilla Knitting, in denen gezeigt wird, wie man Straßenlaternen bestrickt. Trotzdem funktionieren die meisten dieser Bücher ganz traditionell. Ihre Botschaft ist: So wird das gemacht. Das ist in Ordnung – denn genau das erwarten die meisten ja auch erst einmal, wenn sie Häkeln oder Stricken oder irgendeine andere Technik lernen; ihre Kenntnisse, ihr Repertoire erweitern wollen. Das sieht bei Büchern zur Elektronikbastelei oder zum Programmieren ja ganz ähnlich aus.„Ha3ke3ln + Str1cken für Geeks“ vermittelt zwar auch Grundlagen und Know-how, es werden Projekte vorgestellt, zu denen man im Netz Anleitungen findet, und es gibt auch welche im Buch, die man direkt selbst in Angriff nehmen kann. Vor allem aber will das Buch Brücken schlagen zwischen textiler Handarbeit, Elektronik und digitaler Technologie – und die vielfältigen Verbindungen aufzeigen, die es zwischen diesen Bereichen gibt: „Von gehäkelter Mathematik bis zum Strickmaschinen-Hack“, wie es ja auch im Untertitel heißt.Dass es solche Verbindungen gibt und wie spannend es sein kann, sich mit ihnen zu beschäftigen, ist in einem verwandten Feld längst bekannt: nämlich dem Nähen und Sticken. „DIY Wearable Technology“ geht aber eben auch mit Wolle.EM: Wie erklärst du dir den wieder auflebenden Trend zu den klassischen Handarbei...

Entwickler Magazin
Interview mit Verena Kuni über Handarbeit und Technologie

„Eine Strickanleitung ist nichts anderes als ein Algorithmus.“

Was haben die Themen Häkeln und Stricken in einem Magazin für Entwickler verloren? Einerseits gar nichts, auf der anderen Seite mehr als man ahnen würde. Wir haben im Interview mit Verena Kuni einen Blick über den Tellerrand gewagt und erstaunliche Parallelen zwischen klassischer Handarbeit und der modernen Netzkultur gefunden.

Verena Kuni


Entwickler Magazin: „Ha3k3ln + Str1ck3n für Geeks“ ist kein typisches Handarbeitsbuch. Wieso? Verena Kuni: „Ha3ke3ln + Str1cken für Geeks“ hat einen ganz anderen Ausgangspunkt als klassische Handarbeitsbücher – nämlich die Frage: Was macht Maschen in einer Kultur, die von digitalen Technologien geprägt ist, interessant? Inwiefern könnte es gerade für Geeks und Nerds spannend sein, sich mit Häkeln und Stricken zu befassen? Also ganz traditionellen textilen Techniken, die man für gewöhnlich eher zu den Tätigkeiten zählt, mit denen sich brave Mädchen, gute Hausfrauen und liebenswerte Großmütter beschäftigen, um den Rest der Familie mit Socken, Pullis, Schals und Mützen zu versorgen.Natürlich ist dieses Bild von Handarbeit längst ins Wackeln geraten. Ob als Alternative zu billig produzierter Massenware, oder um mal Abstand von Bildschirm und Tastatur zur gewinnen: Handgearbeitetes und Handarbeiten sind inzwischen wieder richtig schick und passen prima in den allgemeinen Trend „Do it yourself“.In diesem Zug haben sich, zusammen mit dem Image der Handarbeit, durchaus auch die Handarbeitsbücher verändert. Nicht nur in der Aufmachung, auch in den Themen – es gibt ja sogar welche zum Guerilla Knitting, in denen gezeigt wird, wie man Straßenlaternen bestrickt. Trotzdem funktionieren die meisten dieser Bücher ganz traditionell. Ihre Botschaft ist: So wird das gemacht. Das ist in Ordnung – denn genau das erwarten die meisten ja auch erst einmal, wenn sie Häkeln oder Stricken oder irgendeine andere Technik lernen; ihre Kenntnisse, ihr Repertoire erweitern wollen. Das sieht bei Büchern zur Elektronikbastelei oder zum Programmieren ja ganz ähnlich aus.„Ha3ke3ln + Str1cken für Geeks“ vermittelt zwar auch Grundlagen und Know-how, es werden Projekte vorgestellt, zu denen man im Netz Anleitungen findet, und es gibt auch welche im Buch, die man direkt selbst in Angriff nehmen kann. Vor allem aber will das Buch Brücken schlagen zwischen textiler Handarbeit, Elektronik und digitaler Technologie – und die vielfältigen Verbindungen aufzeigen, die es zwischen diesen Bereichen gibt: „Von gehäkelter Mathematik bis zum Strickmaschinen-Hack“, wie es ja auch im Untertitel heißt.Dass es solche Verbindungen gibt und wie spannend es sein kann, sich mit ihnen zu beschäftigen, ist in einem verwandten Feld längst bekannt: nämlich dem Nähen und Sticken. „DIY Wearable Technology“ geht aber eben auch mit Wolle.EM: Wie erklärst du dir den wieder auflebenden Trend zu den klassischen Handarbei...

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