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Entwickler Magazin
Können Neurowissenschaften Agile erklären?

Agile im Gehirn

Agile funktioniert, so viel steht fest. Aber warum? Die Antwort könnte im Gehirn liegen: Wer auf agile Methoden setzt, arbeitet nämlich gehirngerecht. Was heißt das nun eigentlich genau - und stimmt das überhaupt wirklich?

Ann-Cathrin Klose


Agile breitet sich immer weiter aus. Längst wird nicht mehr nur in der Softwareentwicklung damit gearbeitet, sondern auch auf anderen Gebieten. Ganze Unternehmen werden agil. Auf der Agile Australia 2016 hat Melissa Casey sogar von einem Projekt berichtet, das Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen agil behandelt [1]. Dabei geht es nicht um die Organisation des Teams, sondern ganz konkret um die Arbeit mit den Patienten. Agile Methoden haben also irgendetwas an sich, das ziemlich gut zur menschlichen Natur passt. Aber was genau ist das?

Die psychologische Seite von Agile [2] wurde wohl schon oft genug beleuchtet. Menschen brauchen Erfolgserlebnisse, Agile liefert sie; wer den Wert seiner Arbeit kennt, ist motivierter. So weit kommt wohl auch noch jeder Küchentischpsychologe. Das kann aber nur einen Teil des Erfolgs agiler Methoden erklären. Wer einen Blick auf moderne Erkenntnisse zur Arbeitsweise unseres Gehirns wirft, findet allerdings noch viel mehr Gründe dafür, dass Agile eine echt gute Wahl ist.

Bevor wir uns jedoch den Erkenntnissen der Neurowissenschaften widmen, sollten wir darüber sprechen, wie verlässlich diese Forschungsergebnisse sind. Nicht umsonst kursieren im Netz Begriffe wie „Neuro-Nonsense“ (oder „Neuro-Bunk“) [3] – nur allzu oft werden neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse nämlich von den Medien vollkommen verzerrt wiedergegeben. Wer hat noch nie davon gehört, dass man sein ­iPhone genau so sehr liebt wie seinen Partner und dass das per Gehirnscan nachweisbar wäre [4]? Das ist natürlich vollkommener Unsinn.

Die Netzwerke im Gehirn: Vernetzte Strukturen für viele Aufgaben

Das Gehirn ist nicht in einzelne autonome Zentren unterteilt, wie man früher glaubte, sondern in funktionale Netzwerke gegliedert. Es gibt keinen einzelnen Gehirnbereich, der nur dann aktiv ist, wenn wir Liebe empfinden. Vielmehr haben die gleichen Bereiche des Gehirns im Kontext verschiedener Reize und Aufgabenstellungen häufig andere Aufgaben, die nur grob miteinander verwandt sind – oder nicht einmal das. Das Broca-Zentrum, bekannt als eines der wichtigsten Sprachzentren im Gehirn, ist beispielsweise nur ein Teil des Sprachnetzwerks [5]. Und nebenbei auch noch für nicht sprachliche, motorische Aufgaben zuständig.

Für das Beispiel mit der Liebe zum iPhone bedeutet das: Nur, weil beim Anblick eines iPhones die gleichen Gehirnbereiche aktiv sind, die auch mal im Kontext von Liebe aktiv waren, muss das nicht bedeuten, dass die gleichen Emotionen im Spiel sind. Der...

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Können Neurowissenschaften Agile erklären?

Agile im Gehirn

Agile funktioniert, so viel steht fest. Aber warum? Die Antwort könnte im Gehirn liegen: Wer auf agile Methoden setzt, arbeitet nämlich gehirngerecht. Was heißt das nun eigentlich genau - und stimmt das überhaupt wirklich?

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Agile breitet sich immer weiter aus. Längst wird nicht mehr nur in der Softwareentwicklung damit gearbeitet, sondern auch auf anderen Gebieten. Ganze Unternehmen werden agil. Auf der Agile Australia 2016 hat Melissa Casey sogar von einem Projekt berichtet, das Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen agil behandelt [1]. Dabei geht es nicht um die Organisation des Teams, sondern ganz konkret um die Arbeit mit den Patienten. Agile Methoden haben also irgendetwas an sich, das ziemlich gut zur menschlichen Natur passt. Aber was genau ist das?

Die psychologische Seite von Agile [2] wurde wohl schon oft genug beleuchtet. Menschen brauchen Erfolgserlebnisse, Agile liefert sie; wer den Wert seiner Arbeit kennt, ist motivierter. So weit kommt wohl auch noch jeder Küchentischpsychologe. Das kann aber nur einen Teil des Erfolgs agiler Methoden erklären. Wer einen Blick auf moderne Erkenntnisse zur Arbeitsweise unseres Gehirns wirft, findet allerdings noch viel mehr Gründe dafür, dass Agile eine echt gute Wahl ist.

Bevor wir uns jedoch den Erkenntnissen der Neurowissenschaften widmen, sollten wir darüber sprechen, wie verlässlich diese Forschungsergebnisse sind. Nicht umsonst kursieren im Netz Begriffe wie „Neuro-Nonsense“ (oder „Neuro-Bunk“) [3] – nur allzu oft werden neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse nämlich von den Medien vollkommen verzerrt wiedergegeben. Wer hat noch nie davon gehört, dass man sein ­iPhone genau so sehr liebt wie seinen Partner und dass das per Gehirnscan nachweisbar wäre [4]? Das ist natürlich vollkommener Unsinn.

Die Netzwerke im Gehirn: Vernetzte Strukturen für viele Aufgaben

Das Gehirn ist nicht in einzelne autonome Zentren unterteilt, wie man früher glaubte, sondern in funktionale Netzwerke gegliedert. Es gibt keinen einzelnen Gehirnbereich, der nur dann aktiv ist, wenn wir Liebe empfinden. Vielmehr haben die gleichen Bereiche des Gehirns im Kontext verschiedener Reize und Aufgabenstellungen häufig andere Aufgaben, die nur grob miteinander verwandt sind – oder nicht einmal das. Das Broca-Zentrum, bekannt als eines der wichtigsten Sprachzentren im Gehirn, ist beispielsweise nur ein Teil des Sprachnetzwerks [5]. Und nebenbei auch noch für nicht sprachliche, motorische Aufgaben zuständig.

Für das Beispiel mit der Liebe zum iPhone bedeutet das: Nur, weil beim Anblick eines iPhones die gleichen Gehirnbereiche aktiv sind, die auch mal im Kontext von Liebe aktiv waren, muss das nicht bedeuten, dass die gleichen Emotionen im Spiel sind. Der...

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