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Entwickler Magazin
Kolumne: A² - alles Agile

Prozessabläufe in Scrum und Kanban

Agile Prozesse wie Scrum [1] und der Change-Prozess Kanban [2] spielen ihre Stärken dadurch aus, dass geregelt im Team kommuniziert wird, die Abstände zwischen den Regelkommunikationen gering sind und jeder innerhalb und außerhalb des bzw. der Entwicklungsteams weiß, wie die Kommunikation zu erfolgen hat. Ebenso müssen Regelprozesse und Vereinbarungen eingehalten werden, um die Stärken der Prozesse nicht zu gefährden. Die Arbeit in Kanban kann mittels Tickets oder (Product) Backlog Items, die auf Story Cards festgehalten werden, visualisiert werden. Wann die Tickets abgearbeitet werden und in die Input Queue kommen, wird im Queue Replenishment Meeting, entschieden. Doch mehr dazu später. Alle Tickets werden in Kanban vom Grundsatz her mit der gleichen Priorisierung abgearbeitet, sobald sie vom Backlog oder etwas Vergleichbarem in die Input Queue gekommen sind.

René Schröder


Dieser theoretische Ansatz bildet die Praxis allerdings nur sehr unzureichend ab. Im realen Projektumfeld kommt es oft vor, dass bestimmte Features oder auch Bugs sofort behoben werden müssen, da es sonst zum Beispiel zu Vertragsstrafen oder Gewinnausfällen kommen kann. Daher haben sich Kanban Service Level Agree­ments (SLA) etabliert. Mittels SLA kann zum Beispiel verhindert werden, dass Tickets im Backlog über Wochen – oder im Worst Case über Monate – ungeachtet liegen bleiben, ohne bearbeitet zu werden. Kanban – SLABeschleunigt: Das Service Level Agreement Beschleunigt wird angewendet, wenn ein Nichtbearbeiten des Tickets sofort hohe Kosten nach sich ziehen würde, z. B. Gewinnausfälle, Strafen oder Prestigeverlust. Dies könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn in einem Shopsystem die Warenkorbfunktion dahingehend defekt wäre, dass ein Check-out nicht mehr funktioniert und so keine Verkäufe stattfinden könnten. Im positiven Fall könnten Quick-Win-Geschäftsfälle bearbeitet werden. Bei diesem SLA sollten vorranging folgende Regeln für Beschleunigt-Tickets gelten. Das WIP-Limit ist für dieses Ticket in jedem Prozessschritt außer Kraft, das heißt, selbst wenn die In-Progress-Spalte keine neuen Tickets zulassen würde und erst getestet werden müsste, darf und muss das Beschleunigt-Ticket in die Progress-Spalte gezogen werden. Sobald ein Beschleunigt-Ticket in der Input Queue ist, muss es als Nächstes von einem Team-Member gezogen werden. Das globale WIP-Limit für diese Klasse ist 1; es darf somit nur ein Ticket dieser Art im Prozess vorhanden sein. Um den Vorteil der beschleunigten Bearbeitung wirksam werden zu lassen, müssen Beschleunigt-Tickets sofort online gestellt werden, sobald sie den Prozess und zur Sicherheit ein nachgelagertes Continuous-Integration-System durchlaufen haben.Fester Liefertermin: Stakeholder würden sicher allzu gern und allzu oft Beschleunigt-Tickets in die Teams geben. Dies würde jedoch dazu führen, dass der Prozess unterlaufen wird und seine Vorteile kaum ausspielen kann, wieder würde viel auf Zuruf oder dergleichen abgearbeitet werden. Daher sollten Beschleunigt-Tickets zur Ausnahme gehören. Um eine gefestigte Releaseplanung zu ermöglichen, kann das SLA Fester Liefertermin etabliert werden. Hier ist es dem Team freigestellt, wann ein Ticket gezogen wird – solange der Liefertermin eingehalten wird. Um den Liefertermin zu halten, müssen diese Tickets in Bezug auf Größe und Aufwand analysiert werden, damit sie früh genug vor Abg...

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Kolumne: A² - alles Agile

Prozessabläufe in Scrum und Kanban

Agile Prozesse wie Scrum [1] und der Change-Prozess Kanban [2] spielen ihre Stärken dadurch aus, dass geregelt im Team kommuniziert wird, die Abstände zwischen den Regelkommunikationen gering sind und jeder innerhalb und außerhalb des bzw. der Entwicklungsteams weiß, wie die Kommunikation zu erfolgen hat. Ebenso müssen Regelprozesse und Vereinbarungen eingehalten werden, um die Stärken der Prozesse nicht zu gefährden. Die Arbeit in Kanban kann mittels Tickets oder (Product) Backlog Items, die auf Story Cards festgehalten werden, visualisiert werden. Wann die Tickets abgearbeitet werden und in die Input Queue kommen, wird im Queue Replenishment Meeting, entschieden. Doch mehr dazu später. Alle Tickets werden in Kanban vom Grundsatz her mit der gleichen Priorisierung abgearbeitet, sobald sie vom Backlog oder etwas Vergleichbarem in die Input Queue gekommen sind.

René Schröder


Dieser theoretische Ansatz bildet die Praxis allerdings nur sehr unzureichend ab. Im realen Projektumfeld kommt es oft vor, dass bestimmte Features oder auch Bugs sofort behoben werden müssen, da es sonst zum Beispiel zu Vertragsstrafen oder Gewinnausfällen kommen kann. Daher haben sich Kanban Service Level Agree­ments (SLA) etabliert. Mittels SLA kann zum Beispiel verhindert werden, dass Tickets im Backlog über Wochen – oder im Worst Case über Monate – ungeachtet liegen bleiben, ohne bearbeitet zu werden. Kanban – SLABeschleunigt: Das Service Level Agreement Beschleunigt wird angewendet, wenn ein Nichtbearbeiten des Tickets sofort hohe Kosten nach sich ziehen würde, z. B. Gewinnausfälle, Strafen oder Prestigeverlust. Dies könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn in einem Shopsystem die Warenkorbfunktion dahingehend defekt wäre, dass ein Check-out nicht mehr funktioniert und so keine Verkäufe stattfinden könnten. Im positiven Fall könnten Quick-Win-Geschäftsfälle bearbeitet werden. Bei diesem SLA sollten vorranging folgende Regeln für Beschleunigt-Tickets gelten. Das WIP-Limit ist für dieses Ticket in jedem Prozessschritt außer Kraft, das heißt, selbst wenn die In-Progress-Spalte keine neuen Tickets zulassen würde und erst getestet werden müsste, darf und muss das Beschleunigt-Ticket in die Progress-Spalte gezogen werden. Sobald ein Beschleunigt-Ticket in der Input Queue ist, muss es als Nächstes von einem Team-Member gezogen werden. Das globale WIP-Limit für diese Klasse ist 1; es darf somit nur ein Ticket dieser Art im Prozess vorhanden sein. Um den Vorteil der beschleunigten Bearbeitung wirksam werden zu lassen, müssen Beschleunigt-Tickets sofort online gestellt werden, sobald sie den Prozess und zur Sicherheit ein nachgelagertes Continuous-Integration-System durchlaufen haben.Fester Liefertermin: Stakeholder würden sicher allzu gern und allzu oft Beschleunigt-Tickets in die Teams geben. Dies würde jedoch dazu führen, dass der Prozess unterlaufen wird und seine Vorteile kaum ausspielen kann, wieder würde viel auf Zuruf oder dergleichen abgearbeitet werden. Daher sollten Beschleunigt-Tickets zur Ausnahme gehören. Um eine gefestigte Releaseplanung zu ermöglichen, kann das SLA Fester Liefertermin etabliert werden. Hier ist es dem Team freigestellt, wann ein Ticket gezogen wird – solange der Liefertermin eingehalten wird. Um den Liefertermin zu halten, müssen diese Tickets in Bezug auf Größe und Aufwand analysiert werden, damit sie früh genug vor Abg...

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