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Strategisches Mapping mit Wardley Maps

Lagebewusstsein schaffen!


Nur wenn wir die Landschaft um uns herum kennen, können wir unsere Route durch unwegsames Gelände sinnvoll planen. Landkarten (Maps) helfen uns dabei, Hindernisse gezielt zu umgehen, auf dem Weg befindliche Chancen zu erkennen und günstige Ausgangspositionen für kommende Etappen zu finden. Zeichnen wir also eine Karte!

Strategische Entscheidungen sollten nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden, so viel ist klar. Wir benötigen verlässliche Informationen, anhand derer wir unsere Strategie planen können. Aber wie können wir diese Informationen sinnvoll so zusammenstellen, dass daraus ein realistisches Bild entsteht? Wardley Maps sind eine Methode, um bestehende Annahmen visuell so anzuordnen, dass sich ein Bild ergibt, das Landkarten nicht unähnlich ist. Bereits die Erstellung einer Map, also das Anordnen von zueinander in Bezug stehenden Komponenten, kann zur Gewinnung neuer Erkenntnisse beitragen. Die Methode visualisiert bestehende Annahmen und macht sie damit greifbar für Diskussionen. Durch die Überprüfung (impliziter) Annahmen kann ein gemeinsames Verständnis entwickelt werden. Maps eignen sich als Kommunikationsmittel zur Darstellung komplexer Sachverhalte sehr gut und bilden damit eine Basis zur eigentlichen Strategieentwicklung.

Was ist eine Wardley Map?

Wir betrachten ein beispielhaftes Szenario, das sich an einen realen Anwendungsfall anlehnt. In diesem Szenario bietet ein Unternehmen seinen Kunden eine Übersicht über Verträge und Leistungen über ein webbasiertes Kundenportal an. Das Kundenportal greift auf ein cloudbasiertes CRM-System und auf ein internes System zur Vertragsführung zu. Letzteres ist an eine Standardlösung von SAP angebunden, um Ein- und Auszahlungsvorgänge abzuwickeln. Kundenportal, Vertragsführung und SAP werden inhouse im eigenen Rechenzentrum betrieben, das CRM wird als Software-as-a-Service-Angebot genutzt. Zusätzlich entwickelt das Unternehmen eine Kunden-App, die über ein Backend an das Kundenportal angebunden ist. Die App soll dessen Funktionen auch zur mobilen Nutzung anbieten. Die Entwicklung von App und Backend hat gerade erst begonnen.

asel_wardleymaps_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Eine Landkarte des Beispielszenarios

Abbildung 1 zeigt eine Wardley Map unseres Szenarios, bestehend aus einem Bezugspunkt (Anchor) und miteinander verbundenen bedeutsamen Dingen (Components). Der Bezugspunkt ist der Nordpfeil unserer Landkarte, Positionen werden relativ zu diesem Bezugspunkt in der Karte vermerkt. Auf unserer Karte ist der Kunde der Bezugspunkt, alle Components werden also bezogen auf den Kunden ausgerichtet. Direkt verknüpft mit dem Bezugspunkt sind Components, die Bedarfe (Needs) repräsentieren. In unserem Fall drückt die Map aus, dass der Kunde mit den Components „App“ und „Kundenportal“ interagiert.

Components repräsentieren alle Dinge von Bedeutung im Kontext unserer strategischen Betrachtung. Es handelt sich um Abstraktionen, maximale Vereinfachungen komplexer Zusammenhänge. Softwaresysteme können ebenso in einer Map als Component vorkommen wie Dienstleistungen, Wissen oder physikalische Kräfte. Daumenregel: Ist es strategisch bedeutsam, wird es als Component Teil der Map.

Die Ausrichtung der Components erfolgt entlang der vertikalen Achse (Value), abhängig von der Sichtbarkeit des Werts für den Kunden (unser Bezugspunkt, Anchor). Components, mit denen der Kunde direkt interagiert, sind für ihn auch direkt wahrnehmbar und werden daher weiter oben angeordnet. Weiter unten stehende Components sind, relativ zum Bezugspunkt Kunde, weniger sichtbar – aber nicht weniger wichtig. Der Wert einer Component und seine vom Bezugspunkt aus wahrnehmbare Sichtbarkeit sind zwei voneinander zu unterscheidende Merkmale. Durch die Verbindungen zwischen den Components ergibt sich eine Wertkette (Value Chain), bei der Components aufeinander aufbauen.

Über die Methode

Namensgeber Simon Wardley war in seinen Funktionen als CEO von Fotango und später als Vice President Cloud bei Canonical tätig. In seinem Buch beschreibt er, wie die Unzufriedenheit mit gängigen Methoden (SWOT-Analysen, 2x2 Charts, …), unzuverlässige Ratschläge von Business Consultants und aus dem Bauch heraus getroffene Managemententscheidungen ihn zur Suche nach neuen Ansätzen zur strategischen Planung inspirierten. Die von ihm als „Topographical Intelligence in Business Strategy“ bezeichnete Methode hat sich in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen, auch unterhalb der CEO-Ebene, unter dem Namen Wardley Mapping etabliert.

Je weiter oben sich eine Component befindet, umso erkennbarer ist ihr Wert für den Kunde...

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