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Editorial

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ist es Ihnen schon aufgefallen? Man besinnt sich seit einiger Zeit doch erstaunlich oft alter Werte – oder man erinnert sich an nicht mehr ganz taufrische Technologien. So wie JavaScript zum Beispiel. Die Sprache, die zwischenzeitlich gar als Teufelszeug verschrien wurde, erlebte einen schier unglaublichen Wiederaufstieg und scheint nun endgültig im Olymp angekommen. Natürlich schickt sich einer der größten Treiber für die Akzeptanz der Sprache – Angular – an, TypeScript als bessere Alternative zu positionieren; aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Auch im Gaming-Bereich punktet bereits seit einiger Zeit ein gewisser Retroaspekt mit Charme und Witz. Freilich gibt es genügend AAA-Titel – also solche mit aberwitzigen Budgets –, die mit High-End-Grafiken, feinsten physikalischen Effekten und opulentem Soundtrack punkten, aber wenn es um den Spielwitz geht, sind es nicht selten Independentproduktionen, die Spielerinnen und Spieler mit ihren Anleihen aus dem guten alten 8-Bit-Zeitalter im Gedächtnis bleiben. Spielspaß lässt sich nur selten mit Pixelmasse aufwiegen.

Wie so oft ist es aber so, dass man alte Zeiten aber nicht so ohne Weiteres wiederbeleben kann. Man kennt das vielleicht von Klassentreffen: Was früher ganz hervorragend harmonisiert hat, ist heute vielleicht einmal für einen Abend nett. Die Zeiten ändern sich eben. Und die Zeiten ändern dich.

Hätte sich nicht das komplette Drumherum im Web geändert, angefangen von den JavaScript-Engines über die Erwartungen der Nutzer bis hin zu den Standards der Entwickler, wäre JavaScript heute nicht da, wo es gerade steht. Und lässt man all die Erfahrungen aus den letzten zwanzig Jahren Spieleentwicklung in eine Retroproduktion einfließen, hat man auch damit mehr als ein paar Stunden Spaß. Eine Liebe wächst schließlich auch mit Erfahrung.

So ist es eben: Fortschritt bedeutet auch, bestehende Systeme, Unternehmenskulturen, Best Practices, Abläufe, ja sogar Rituale regelmäßig zu hinterfragen und sie mit der Erfahrung und den aktuellen Gegebenheiten zu würzen. Gerade Letztere ändern sich nämlich ständig. War man neulich noch „einfach nur Entwickler“, heißt es heute: You built it, you run it. Oder hat man bis vor Kurzem noch alles abgearbeitet wie es kam, hat man nun (hoffentlich erfolgreich) agile Strukturen etabliert. Solche Änderungen haben oft weitreichende Auswirkungen; ein einfaches „weiter wie bisher“ wäre zwar durchaus denkbar, aber nur in den seltensten Fällen wirk...

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