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Entwickler Magazin
Softwareprojekte zuverlässig und erfolgreich kalkulieren

Erfahrungsbasierte Aufwandsschätzung

„Wie lange bist du noch unterwegs?“ - „Kann ich nicht genau sagen, ich schätze ein bis anderthalb Stunden.“ Eine eigentlich triviale Frage mit einer oft komplizierten Antwort. Während wir antworten, gehen wir die Route durch und geben eine möglichst zuverlässige Schätzung ab. Dabei geben wir häufig nicht eine feste Zahl, sondern ein Intervall an, dem unsere tatsächliche Ankunftszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit entsprechen wird. Niemand würde von uns eine Aussage wie „1 Stunde und 47 Minuten“ erwarten oder überrascht sein, wenn ein Unfall die Ankunft verzögert. Wie sieht es aber bei der Aufwandsschätzung im Rahmen von Softwareprojekten aus? Wie präzise können unsere Vorhersagen sein? Und wie können insbesondere Softwareentwickler ohne tiefere Expertenkenntnisse zu verlässlichen Einschätzungen kommen?

Axel Kalenborn, Michael Kläs, Hartmut Schmitt


Bevor die Umsetzung eines Softwareprojekts begonnen werden kann, steht meist die Frage nach dem Aufwand für die Realisierung im Raum. Eine Frage, die bei vielen Entwicklern nicht sonderlich beliebt ist. Ohne eine ausreichend präzise Schätzung für die Dauer und die Kosten der Realisierung sind Projekte jedoch nicht planbar und damit auch nicht kalkulierbar. Berücksichtigt man dabei, dass der IT-Branche seit vielen Jahren Softwareentwickler fehlen und die Bedeutung von Software gleichzeitig steigt, da sie immer tiefer in den geschäftlichen und privaten Alltag integriert wird, gewinnt das Thema zusätzlich an Brisanz.

Um der hohen Nachfrage nach Software gerecht zu werden, muss die Softwareentwicklung effizient ablaufen. Dies führt dazu, dass ein Großteil der Entwicklung von externen, hoch spezialisierten Dienstleistern durchgeführt wird [1]. Um aber mit einem externen Partner zusammenarbeiten zu können, ist die formelle Vergabe des Projekts nötig. Diese Vergabe erfolgt auf Basis eines Angebots, das wiederum eine möglichst präzise Kostenschätzung beinhalten muss. Zuverlässige Aufwands- und Kostenschätzungen seitens der Auftragnehmer sind daher von größter Bedeutung für die erfolgreiche Umsetzung von Softwareentwicklungsprojekten.

Dies führt jedoch zu einem Dilemma: Vor dem Projektbeginn, wenn das Angebot formuliert werden muss, liegen zumeist nur grobe Anforderungen vor. Technische sowie organisatorische Rahmenbedingungen sind nicht in voller Detailtiefe geklärt und nicht funktionale Anforderungen meist nur unzureichend aufbereitet [2]. Hinzu kommt, dass in der gängigen Praxis wichtige Kontextfaktoren oft unberücksichtigt bleiben oder unterschätzt werden, z. B. die Vertrautheit des Entwicklerteams mit der verwendeten Technologie und der fachlichen Domäne, die Erreichbarkeit der Stakeholder oder die Mitwirkungspflicht des Kunden. Diese Situation führt bei den Projektverantwortlichen häufig zu einer Unterschätzung der Projekt- bzw. Systemkomplexität und damit zu Fehlkalkulationen.

Neben finanziellen Risiken können solche Fehlschätzungen darin resultieren, dass Leistungen nur in reduziertem Umfang erbracht oder verspätet bzw. in schlechterer Qualität ausgeliefert werden. Dies schadet der Reputation des Anbieters und reduziert seine Chancen für Folgeaufträge. Zudem machen Fehlschätzungen die Projekte unrentabel, was leicht zu einem Liquiditätsengpass, im schlimmsten Fall sogar zur Insolvenz des Anbieters führen kann [3].

Ein wesentlicher Grund für solche problemati...

Entwickler Magazin
Softwareprojekte zuverlässig und erfolgreich kalkulieren

Erfahrungsbasierte Aufwandsschätzung

„Wie lange bist du noch unterwegs?“ - „Kann ich nicht genau sagen, ich schätze ein bis anderthalb Stunden.“ Eine eigentlich triviale Frage mit einer oft komplizierten Antwort. Während wir antworten, gehen wir die Route durch und geben eine möglichst zuverlässige Schätzung ab. Dabei geben wir häufig nicht eine feste Zahl, sondern ein Intervall an, dem unsere tatsächliche Ankunftszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit entsprechen wird. Niemand würde von uns eine Aussage wie „1 Stunde und 47 Minuten“ erwarten oder überrascht sein, wenn ein Unfall die Ankunft verzögert. Wie sieht es aber bei der Aufwandsschätzung im Rahmen von Softwareprojekten aus? Wie präzise können unsere Vorhersagen sein? Und wie können insbesondere Softwareentwickler ohne tiefere Expertenkenntnisse zu verlässlichen Einschätzungen kommen?

Axel Kalenborn, Michael Kläs, Hartmut Schmitt


Bevor die Umsetzung eines Softwareprojekts begonnen werden kann, steht meist die Frage nach dem Aufwand für die Realisierung im Raum. Eine Frage, die bei vielen Entwicklern nicht sonderlich beliebt ist. Ohne eine ausreichend präzise Schätzung für die Dauer und die Kosten der Realisierung sind Projekte jedoch nicht planbar und damit auch nicht kalkulierbar. Berücksichtigt man dabei, dass der IT-Branche seit vielen Jahren Softwareentwickler fehlen und die Bedeutung von Software gleichzeitig steigt, da sie immer tiefer in den geschäftlichen und privaten Alltag integriert wird, gewinnt das Thema zusätzlich an Brisanz.

Um der hohen Nachfrage nach Software gerecht zu werden, muss die Softwareentwicklung effizient ablaufen. Dies führt dazu, dass ein Großteil der Entwicklung von externen, hoch spezialisierten Dienstleistern durchgeführt wird [1]. Um aber mit einem externen Partner zusammenarbeiten zu können, ist die formelle Vergabe des Projekts nötig. Diese Vergabe erfolgt auf Basis eines Angebots, das wiederum eine möglichst präzise Kostenschätzung beinhalten muss. Zuverlässige Aufwands- und Kostenschätzungen seitens der Auftragnehmer sind daher von größter Bedeutung für die erfolgreiche Umsetzung von Softwareentwicklungsprojekten.

Dies führt jedoch zu einem Dilemma: Vor dem Projektbeginn, wenn das Angebot formuliert werden muss, liegen zumeist nur grobe Anforderungen vor. Technische sowie organisatorische Rahmenbedingungen sind nicht in voller Detailtiefe geklärt und nicht funktionale Anforderungen meist nur unzureichend aufbereitet [2]. Hinzu kommt, dass in der gängigen Praxis wichtige Kontextfaktoren oft unberücksichtigt bleiben oder unterschätzt werden, z. B. die Vertrautheit des Entwicklerteams mit der verwendeten Technologie und der fachlichen Domäne, die Erreichbarkeit der Stakeholder oder die Mitwirkungspflicht des Kunden. Diese Situation führt bei den Projektverantwortlichen häufig zu einer Unterschätzung der Projekt- bzw. Systemkomplexität und damit zu Fehlkalkulationen.

Neben finanziellen Risiken können solche Fehlschätzungen darin resultieren, dass Leistungen nur in reduziertem Umfang erbracht oder verspätet bzw. in schlechterer Qualität ausgeliefert werden. Dies schadet der Reputation des Anbieters und reduziert seine Chancen für Folgeaufträge. Zudem machen Fehlschätzungen die Projekte unrentabel, was leicht zu einem Liquiditätsengpass, im schlimmsten Fall sogar zur Insolvenz des Anbieters führen kann [3].

Ein wesentlicher Grund für solche problemati...

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