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Teil 1: Neue Funktionen von RAD Studio Version 10.1 Berlin im Überblick

Kein alter Hut


Alle Jahre wieder gibt es auch etwas Neues zu berichten von Delphi – Entschuldigung: RAD Studio! Aktuell ist die Version 10.1 Berlin Update 2. Der bereits in den Vorversionen eingeschlagene Weg, die plattformübergreifende Entwicklung zu forcieren, wurde weiter verfeinert. Wie weit ist man damit nun gekommen?

Kennen Sie RAD Studio? Nein? Vielleicht? Ja? „Nein“ ist eine verständlich Antwort, wenn Sie erst in den letzten Jahren in den Kreis der professionellen Entwickler aufgestiegen sind. Dann sind Sie einfach zu jung! Sie kennen Visual Studio, Eclipse und Android Studio, aber RAD Studio? Lautet Ihre Antwort „Vielleicht, da war doch etwas“, da können wir Ihnen auf die Sprünge helfen, indem wir Ihnen das Stichwort Delphi nennen. Und dann gibt es natürlich die Leser unter uns, die seit Jahren aktiv mit RAD Studio arbeiten.

Und nun noch mal für all diejenigen, die immer noch nicht wissen, wovon wir reden: RAD Studio ist eine integrierte Entwicklungsumgebung mit einer schon recht beachtlichen Tradition. Ursprünglich nur für klassische Windows-Desktopapplikationen genutzt, sucht das Tool nun sein Zuhause bei der plattformübergreifenden Programmierung.

Mit dieser Artikelserie richten wir uns sowohl an Neulinge in Sachen RAD Studio als auch an alte Hasen. Was Sie erwartet, können Sie im Kasten „RAD Studio – Einführung und Praxistest“ nachlesen. Wir starten sogleich mit einem kompakten Überblick und konzentrieren uns dann auf die Neuerungen rund um das neuste Update.

RAD Studio

RAD steht für Rapid Application Development. Die Idee revolutionierte die Art und Weise der Pro­gramm­entwicklung. Computerprogramme werden dabei aus vordefinierten visuellen und nicht visuellen Komponenten zusammengesetzt. Die visuellen Komponenten repräsentierten die standardisierten Steuerelemente der Oberfläche, wie zum Beispiel Buttons, Menüs, Labels. Nicht visuelle Komponenten erleichterten die Wiederverwendung von Quellcode, zum Beispiel den Zugriff auf Standarddialogfelder wie Datei | Öffnen. Das alles ist heute ein alter Hut – manches ist in ähnlicher Weise erhalten geblieben, anderes wurde überholt. Noch immer wird bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche auf definierte Controls zurückgegriffen. Wir ordnen weiterhin Buttons und Listenfelder in übergeordneten Containern an. Natürlich sind die Möglichkeiten für ein ansprechendes Design gestiegen.

Wiederverwendung ist selbstverständlich auch für alle anderen Codeteile einer Anwendung ein großes Thema. Eigene und fremde Bibliotheken werden dabei bunt gemischt. Nun besinnt sich RAD Studio nicht nur auf seine Tradition. Der Hersteller verspricht auch mit der neusten Version einen hocheffizienten Entwicklungszyklus. Neben klassischen Applikationen für den Windows-Desktop hat sich das Portfolio von RAD Studio erheblich erweitert. Plattformübergreifende Entwicklung ist das Ziel. Aus einer gemeinsamen Codebasis kann man Apps für macOS und für die mobilen Systeme Android und iOS bauen. Ebenso können Windows-Anwendungen über die so genannte Desktop Bridge für den Store bereitgestellt werden. Klingt verlockend? Bereits 2013 haben wir in dieser Zeitschrift darüber berichtet und kamen damals zu dem Fazit: „Klingt gut, hakt aber noch an vielen Stellen“. Mal sehen, was heute so geht. Wir werden es im Laufe der Artikelserie herausfinden, versprochen!

Etwas Verwirrung herrscht vielleicht immer noch beim Namen. RAD Studio – oder haben wir nicht vorhin von Delphi gesprochen? Wo ist der Unterschied? Nun, das ist ganz einfach: Delphi ist der Name der ursprünglichen Entwicklungsumgebung (Tabelle 1) und zugleich der Name der zugrunde liegenden Programmiersprache. Delphi basiert im Wesentlichen auf Object Pascal und hat einige Anpassungen und Erweiterungen erfahren. RAD Studio bietet die Möglichkeit, neben Delphi auch C++ als Programmiersprache zu verwenden. Wer nur C++ verwenden will, kann gleich zur Entwicklungsumgebung C++Builder greifen. RAD Studio enthält beide Tools und darüber hinaus noch ein paar weitere Elemente, wie zum Beispiel den HTML5 Builder, das ER/Studio zur Datenmodellierung und die Datenbanken InterBase und IBLite. Welche Tools konkret verfügbar sind, ist abhängig von der RAD Studio Edition [3].

Version

Nr.

Codename

Veröffentlichung

Varianten

Plattform

Linie „Windows“

Delphi 1

1

Delphi

14.02.1995

Standard, Developer, Client/Server

Win16

Delphi 2

2

Polaris

März 1996

Win32

Delphi 3

3

Ivory

Mai 1997

Standard, Professional, Client/Server

Win32

Delphi 4

4

Allegro

Juli 1998

Delphi 5

5

Argus

August 1999

Standard, Professional, Enterprise

Win32

Delphi 6

6

Iliad

Mai 2001

Delphi 7

7

Aurora

August 2002

Personal, Professional, Enterprise, Architect

Win32, .NET Preview

Delphi 8

8

Octane

Dezember 2003

Professional, Enterprise, Architect

.NET 1.x

Delphi 2005

9

DiamondBack

November 2004

Personal, Professional, Enterprise, Architect

Win32, .NET 1.x

Delphi 2006

10

Dexter

Dezember 2005

Professional, Enterprise, Architect

Win32, .NET 1.x

Delphi 2007

11

Spacely

März 2007

Win32

Delphi 2009

12

Tiburón

August 2008

Win32 (.NET Delphi Prism)

Delphi 2010

14

Weaver

August 2009

Win32

Delphi XE

15

Fulcrum

August 2010

Starter, Professional, Enterprise, Architect

Win32

Delphi XE2

16

Pulsar

September 2011

Starter, Professional, Enterprise, Architect

Win32, Win64, Mac OS 32

Delphi XE3

17

Waterdragon

September 2012

Win32, Win 64, Mac OS X

Delphi XE4

18

Quintessence

April 2013

Win32, Win64 (ab Pro), Mac OS X (ab Pro), iOS (ab Enterprise

Delphi XE5

19

Zephyr

September 2013

Win32, Win64 (ab Pro), Mac OS X (ab Pro), iOS (ab Enterprise oder Add-on), Android (ab Enterprise oder Add-on)

Delphi XE6

20

Proteus

April 2014

Delphi XE7

21

Carpathia

September 2014

Delphi XE8

22

Elbrus

April 2015

Delphi 10

(Seattle)

23

Aitana

August 2015

Windows 10, iOS 8.4, Android 5.1.1 und OS X Yosemite

...

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