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Werden alte Brötchen, aufgebacken mit „Punkt JavaScript“, wirklich wieder wie neu? Warum wir aktuell die Renaissance einer zwanzig Jahre alten Technologie mit dem Namen Mocha erleben.

Carsten Harnisch


Denken Sie sich einfach irgendein Wort aus – gerne auch mit einer organischen Bedeutung –, hängen Sie einfach mal .js an und schon haben Sie es geschafft. Zumindest finden Sie sich in Gesellschaft der abertausenden Erschaffer von sinnvollen und weniger sinnvollen JavaScript-Frameworks. Ich persönlich habe sogar oft das Gefühl, dass man bei der aktuellen JavaScript-Euphorie eines komplett vergessen hat – die Funktionalität. Das entstandene „Nichts“ wird dann aber noch „Performance-de-optimiert“. Keine Ahnung was es tut, aber es gibt tatsächlich ein Projekt mit dem Namen „Nothing“. Und klar braucht die Welt keine dreißig verschiedenen JavaScript-Bibliotheken zum Parsen von Commandline-Parametern, aber JavaScript lebt halt in einer eigenen anarchischen Welt. Egal, welcher Statistik man folgt, man wird JavaScript immer ganz vorne finden, oft sogar mit weiterem Abstand auf der Pole-Position. Und obwohl eigentlich eine Marke der Firma Sun bzw. Oracle, entwickelt sich die Sprache so rasant wie unkontrolliert – wobei sie sich kaum mehr ändert, sondern eher immer tiefer in fast alle Bereiche der Softwareentwicklung eindringt.

Werfen wir zunächst einen Blick zurück zu den Anfängen: in den Spätfrühling des Jahres 1995. Es war einmal ein kleines Start-up mit Namen „Netscape“, und für den Browser „Navigator“ wurde eine Programmiersprache gesucht. Den Job bekam der Entwickler Brendan Eich, der dann – angeblich in zehn Tagen – einen ersten Entwurf einer neuen Sprache erstellte. Damals hieß das noch Mocha, später dann LiveScript. Der finale Name JavaScript wurde nach einer Kooperation mit Sun (Erfinder von Java) festgelegt. Technisch haben die beiden Sprachen (Java und JavaScript) aber nur wenig Ähnlichkeiten; einmal abgesehen davon, dass man sich damals wohl im Kaffeehype befunden haben muss, bei all den Mokkas, Java-Mischungen und Bohnenvarianten. Eich selbst ist heute der CTO der Mozilla Foundation.

Die neue Sprache sollte einen ähnlichen Effekt wie das Entwicklungssystem Hypercard von Apple haben. Mit Hypercard konnten auch Nichtentwickler erstmals interaktiv Anwendungen zusammenklicken. Das zugehörende HyperTalk-Skript war eine der „natürlichsprachigen“ Programmiersprachen, die dann später die Basis für AppleScript oder auch Flash bildeten – damals wirklich revolutionär und sicherlich die Basis für eine Menge später erfolgreicher Systeme. JavaScript (oder Mocha) nutzt syntaktisch eine Reihe von Grundkonzepten aus C/C++, daneben aber auch Elemente aus „Scheme“ (Closu...

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Werden alte Brötchen, aufgebacken mit „Punkt JavaScript“, wirklich wieder wie neu? Warum wir aktuell die Renaissance einer zwanzig Jahre alten Technologie mit dem Namen Mocha erleben.

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Denken Sie sich einfach irgendein Wort aus – gerne auch mit einer organischen Bedeutung –, hängen Sie einfach mal .js an und schon haben Sie es geschafft. Zumindest finden Sie sich in Gesellschaft der abertausenden Erschaffer von sinnvollen und weniger sinnvollen JavaScript-Frameworks. Ich persönlich habe sogar oft das Gefühl, dass man bei der aktuellen JavaScript-Euphorie eines komplett vergessen hat – die Funktionalität. Das entstandene „Nichts“ wird dann aber noch „Performance-de-optimiert“. Keine Ahnung was es tut, aber es gibt tatsächlich ein Projekt mit dem Namen „Nothing“. Und klar braucht die Welt keine dreißig verschiedenen JavaScript-Bibliotheken zum Parsen von Commandline-Parametern, aber JavaScript lebt halt in einer eigenen anarchischen Welt. Egal, welcher Statistik man folgt, man wird JavaScript immer ganz vorne finden, oft sogar mit weiterem Abstand auf der Pole-Position. Und obwohl eigentlich eine Marke der Firma Sun bzw. Oracle, entwickelt sich die Sprache so rasant wie unkontrolliert – wobei sie sich kaum mehr ändert, sondern eher immer tiefer in fast alle Bereiche der Softwareentwicklung eindringt.

Werfen wir zunächst einen Blick zurück zu den Anfängen: in den Spätfrühling des Jahres 1995. Es war einmal ein kleines Start-up mit Namen „Netscape“, und für den Browser „Navigator“ wurde eine Programmiersprache gesucht. Den Job bekam der Entwickler Brendan Eich, der dann – angeblich in zehn Tagen – einen ersten Entwurf einer neuen Sprache erstellte. Damals hieß das noch Mocha, später dann LiveScript. Der finale Name JavaScript wurde nach einer Kooperation mit Sun (Erfinder von Java) festgelegt. Technisch haben die beiden Sprachen (Java und JavaScript) aber nur wenig Ähnlichkeiten; einmal abgesehen davon, dass man sich damals wohl im Kaffeehype befunden haben muss, bei all den Mokkas, Java-Mischungen und Bohnenvarianten. Eich selbst ist heute der CTO der Mozilla Foundation.

Die neue Sprache sollte einen ähnlichen Effekt wie das Entwicklungssystem Hypercard von Apple haben. Mit Hypercard konnten auch Nichtentwickler erstmals interaktiv Anwendungen zusammenklicken. Das zugehörende HyperTalk-Skript war eine der „natürlichsprachigen“ Programmiersprachen, die dann später die Basis für AppleScript oder auch Flash bildeten – damals wirklich revolutionär und sicherlich die Basis für eine Menge später erfolgreicher Systeme. JavaScript (oder Mocha) nutzt syntaktisch eine Reihe von Grundkonzepten aus C/C++, daneben aber auch Elemente aus „Scheme“ (Closu...

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