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Kommunikation: ein vertrautes Konzept mit Stolpersteinen (Teil 2)

Kolumne: Soft Skills in der IT


Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens – sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Die Komplexität der Kommunikation wurde in Ausgabe 4.2015 ebenso dargestellt wie die Quellen für Missverständnisse und Probleme. Doch wie können diese Hintergrundinformationen in den IT-Arbeitsalltag Einzug finden? Wie können Bugs in der Kommunikation gefixt, die Kommunikation auf eine agile Ebene gehoben und die Zahl der Missverständnisse reduziert werden, um so mehr Effizienz und „well being“ für alle Beteiligten zu erzeugen? Warum ist es gerade auch in agilen Teams, DevOps- oder auch UX-Teams so wichtig, nicht nur darüber zu sprechen, dass die Kommunikation verbessert werden muss, sondern das auch aktiv in Angriff zu nehmen? Selbstverständlich treffen diese Probleme gleichermaßen auf Frauen wie auf Männer zu. Zum Zwecke der besseren Lesbarkeit wird aber auf die Nennung jeweils beider Geschlechter verzichtet, obwohl beide gemeint sind.

Alte Systeme überarbeiten und debuggen – notwendig, aber unbeliebt

„Soft skills are fucking hard skills!“, sagte Mark Robert Coleman von Implicit-Explicit in seinem Vortrag „A re-imagining of the Term: ‚full-stack developer‘“ auf den diesjährigen DevOpsDays in Amsterdam. Und damit trifft er den Kern: Das, was allgemein als Soft Skills verstanden wird, wird zu Hard Skills, wenn es darum geht, diese Fähigkeiten zu verbessern – besonders wenn die betroffenen Personen auch aufgrund ihrer Persönlichkeit einen offensichtlichen Nachholbedarf in diesen Punkten aufweisen. Im Gegensatz zu kognitivem Wissen, das gelernt werden kann und durch Übungen vertieft wird, müssen im Bereich der Soft Skills häufig über Jahre unbewusst angenommene Muster erkannt und Verhaltensweisen, Routinen und Gewohnheiten oder innere Programme [1] gewartet, überarbeitet oder umgeschrieben werden. Und wie bei der Softwareprogrammierung mögen sich viele Menschen dieser Aufgabe nicht stellen, da die inneren Muster und Programme zwar nicht unwartbar sind, sie aber auf den ersten Blick so erscheinen. Dennoch ist es möglich, unsere Soft Skills weiter auszubauen und zu verbessern – allerdings bedarf dies einer guten Vorbereitung, viel Geduld und Ausdauer sowie einer festen Überzeugung. „Do, or do not! ­There is no try!“, sagte schon Yoda [2].

Reflektion : Feedback = Logbuch für unsere Muster und inneren Programme

Bevor am Kommunikationsverhalten überhaupt etwas verändert werden kann, muss zunächst einmal eine Bestandsaufnahme erfolgen. Diese Bestandsaufnahme erfolgt einerseits über die Reflektion des eigenen Verhaltens und die Reflektion der jeweiligen Situation. Die Sammlung der Fakten sollte sowohl die eigenen Vorgehensweisen, die Reaktionen der Kommunikationspartner als auch die eigenen Gefühle in den entsprechenden Situationen beinhalten. Ergänzt wird diese Sammlung um die Antworten auf die Frage „Warum habe ich mich so verhalten?/Warum mache ich das überhaupt?“. Die Ergebnisse stellen die Selbstreflektion bzw. die Selbstwahrnehmung dar (Abb. 1).

bernecker-bendixen_softskills_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Das persönliche Logbuch ist das Verhältnis aus Selbstbild zu Feedback; wird dieses Ergebnis in den Zusammenhang zu persönlichen Zielen und den zur Erreichung dieser Ziele notwendigen Skills gebracht, ergeben sich daraus die Punkte, an denen individuell gearbeitet werden kann (To-Change-Liste)

Allerdings stellt das Selbstbild keine objektive Realität dar (s. auch Ausgabe 4.2015), sondern ist vielmehr „die innere Landkarte oder das Modell“ als Struktur der subjektiven Erfahrungen. „Die Landkarte ist nicht das Gebiet!“, ist die grundlegende Annahme im NLP [3]. Das bedeutet, dass der Stadtplan einer Stadt nicht die Stadt selbst ist, ebenso wenig wie der Prospekt für ein Auto das Auto selbst ist.

Um eine etwas bessere Annährung an die Realität zu bekommen, ist Feedback ein hilfreiches Instrument. Feedback gibt Aufschluss darüber, wie die Kommunikations-Peers eine Person wahrnehmen, erleben und sich dabei fühlen. Je mehr unterschiedliche Personen um Feedback gebeten werden, desto umfangreicher wird das Bild, das sich daraus ergibt. An dieser Stelle sei ausdrücklich betont, dass es beim Feedback nicht darum geht, einen Weg zu finden, jedem zu gefallen. Es geht vielmehr darum, Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung abzugleichen und daraus Schlüsse zu ziehen, an welcher Stelle das eigene Verhalten und die Kommunikation verändert werden kann oder soll (Abb. 2). Beim Erhalten des Feedbacks ist es wichtig, sehr gut zuzuhören und Fragen zu stellen, um das Gehörte noch zu verdeutlichen oder zu konkretisieren. Fragen wie „Wie wirkt das auf dich?“ und „Wie hast du dich dabei gefühlt?“ sind sehr hilfreich.

bernecker-bendixen_softskills_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Das Johari-Fenster [5] (nach Jonathan Luft und Harry Inghamm) stellt das Zusammenspiel von Selbst- und Fremdwahrnehmung dar

Jede Reaktion auf das Handeln und auf das, was gesagt wird, ist eine Art von Feedback, wenn auch in indirekter Form. Allerdings sollte die Reaktion, wenn sie als Feedback zur Erstellung einer Selbstbild-Fremdbild-Analyse genutzt werden soll, stets hinterfragt und nicht nur durch die eigenen Filter analysiert werden [4].

Selbstreflektion und Feedbackmentalität sollten als Instrumente zum eigenen „P-QM/Persönlichkeitsqualitätsmanagement“ keine einmaligen Ereignisse darstellen, sondern vielmehr als feste Institutionen in uns verankert werden.

Das Johari-Fenster und seine praktische Bedeutung

Das Johari-Fenster zeigt deutlich, dass wir Bereiche in unserer Außenwirkung haben, die wir entweder ganz bewusst anderen zeigen oder aber auch ganz bewusst vor anderen verbergen. Gerade auch im beruflichen Zusammenhang w...

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