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Entwickler Magazin
Über Sinn und Sinnlosigkeit von Istio, Linkerd und Co.

Brauchen wir das Service Mesh?

Innerhalb des letzten Jahres hat sich das Service Mesh zu einem essenziellen Teil des Cloud-native-Stacks entwickelt. Große Unternehmen wie Ticketmaster oder PayPal haben ein Service Mesh bereits zu ihren Produktionsanwendungen hinzugefügt. Was aber ist ein Service Mesh eigentlich? Ist diese Art Tool überhaupt relevant? Und wenn ja, warum?

Anton Weiss


Müsste ich ein Konzept im Bereich der Softwareentwicklung auswählen, das in den letzten Jahren meine Aufmerksamkeit auf besondere Weise geweckt hat, wäre es aller Wahrscheinlichkeit nach Liquid Software. Der Ausdruck stammt von Fred Simon, Baruch Sadogursky und Yoav Landman von JFrog und bedeutet so viel wie „qualitativ hochwertige Anwendungen, die auf sichere Art und Weise mit Zero Downtime an die Endnutzer geliefert werden“. In ihrem Buch (Abb. 1) mit dem gleichen Namen beschreiben sie eine nicht allzu ferne Zukunft, in der Updates der Codebasis kontinuierlich zu den unterschiedlichsten Deployment-Zielen „fließen“, ob Webserver, Mainframes, Smartphones, Connected Cars oder IoT-Geräte.

Ich muss zugeben, dass ich der Idee eines solch freien Informationsflusses ohne Einschränkungen oder Grenzen schon immer extrem zugetan war. Das ist möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass ich in der Sowjetunion aufgewachsen bin, wo Informationen wie Geiseln waren und nur im Flüsterton weitergegeben wurden. Informationen waren wie Bomben, die nur darauf warteten, zu explodieren. Und dann, gerade als ich ein Teenager wurde, explodierte alles! Mit der Perestroika brachen die Informationen plötzlich hervor und entzündeten mein junges Herz. Man kann also durchaus sagen, ich sei ein Junkie, wenn es um Informationsfreiheit geht – bitte verurteilt mich nicht deswegen.

Abb. 1: Cover des Buches „Liquid Software“

Die Plattform für verteiltes Vertrauen

Von persönlichen Befindlichkeiten einmal abgesehen, hat die Informationsrevolution die Art und Weise grundlegend verändert, in der unsere Welt heute funktioniert. In unserer schnelllebigen und immer vernetzteren Welt können wir uns nicht mehr auf zentrale, institutionelle Autoritäten verlassen, um unsere Informationen zu bekommen. In ihrem großartigen Buch „Who can you trust“, beschreibt Rachel Botsman die Evolution von Vertrauen (Abb. 2) in der menschlichen Gesellschaft. Sie zeigt, wie sich Vertrauen nach und nach von einem lokalen (etwa in prähistorischen Gesellschaften) zu einem institutionalisierten und zentralisierten Phänomen entwickelt hat, und wie wir nun Zeugen davon sind, wie dieses zentralisierte Vertrauen durch ein verteiltes Modell ersetzt wird. Ein Modell, bei dem wir einem Airbnb-Vermieter auf der anderen Seite des Globus schon allein deswegen vertrauen, weil ein paar Dutzend andere Leute aus dem Internet es auch tun.

Abb. 2: Die Vertrauensevolution

Wodurch wird diese Verteilung von Vertrauen möglich? Sie haben es errat...

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Über Sinn und Sinnlosigkeit von Istio, Linkerd und Co.

Brauchen wir das Service Mesh?

Innerhalb des letzten Jahres hat sich das Service Mesh zu einem essenziellen Teil des Cloud-native-Stacks entwickelt. Große Unternehmen wie Ticketmaster oder PayPal haben ein Service Mesh bereits zu ihren Produktionsanwendungen hinzugefügt. Was aber ist ein Service Mesh eigentlich? Ist diese Art Tool überhaupt relevant? Und wenn ja, warum?

Anton Weiss


Müsste ich ein Konzept im Bereich der Softwareentwicklung auswählen, das in den letzten Jahren meine Aufmerksamkeit auf besondere Weise geweckt hat, wäre es aller Wahrscheinlichkeit nach Liquid Software. Der Ausdruck stammt von Fred Simon, Baruch Sadogursky und Yoav Landman von JFrog und bedeutet so viel wie „qualitativ hochwertige Anwendungen, die auf sichere Art und Weise mit Zero Downtime an die Endnutzer geliefert werden“. In ihrem Buch (Abb. 1) mit dem gleichen Namen beschreiben sie eine nicht allzu ferne Zukunft, in der Updates der Codebasis kontinuierlich zu den unterschiedlichsten Deployment-Zielen „fließen“, ob Webserver, Mainframes, Smartphones, Connected Cars oder IoT-Geräte.

Ich muss zugeben, dass ich der Idee eines solch freien Informationsflusses ohne Einschränkungen oder Grenzen schon immer extrem zugetan war. Das ist möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass ich in der Sowjetunion aufgewachsen bin, wo Informationen wie Geiseln waren und nur im Flüsterton weitergegeben wurden. Informationen waren wie Bomben, die nur darauf warteten, zu explodieren. Und dann, gerade als ich ein Teenager wurde, explodierte alles! Mit der Perestroika brachen die Informationen plötzlich hervor und entzündeten mein junges Herz. Man kann also durchaus sagen, ich sei ein Junkie, wenn es um Informationsfreiheit geht – bitte verurteilt mich nicht deswegen.

Abb. 1: Cover des Buches „Liquid Software“

Die Plattform für verteiltes Vertrauen

Von persönlichen Befindlichkeiten einmal abgesehen, hat die Informationsrevolution die Art und Weise grundlegend verändert, in der unsere Welt heute funktioniert. In unserer schnelllebigen und immer vernetzteren Welt können wir uns nicht mehr auf zentrale, institutionelle Autoritäten verlassen, um unsere Informationen zu bekommen. In ihrem großartigen Buch „Who can you trust“, beschreibt Rachel Botsman die Evolution von Vertrauen (Abb. 2) in der menschlichen Gesellschaft. Sie zeigt, wie sich Vertrauen nach und nach von einem lokalen (etwa in prähistorischen Gesellschaften) zu einem institutionalisierten und zentralisierten Phänomen entwickelt hat, und wie wir nun Zeugen davon sind, wie dieses zentralisierte Vertrauen durch ein verteiltes Modell ersetzt wird. Ein Modell, bei dem wir einem Airbnb-Vermieter auf der anderen Seite des Globus schon allein deswegen vertrauen, weil ein paar Dutzend andere Leute aus dem Internet es auch tun.

Abb. 2: Die Vertrauensevolution

Wodurch wird diese Verteilung von Vertrauen möglich? Sie haben es errat...

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