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Chancen und Risiken der Digitalisierung - eine Standortbestimmung

Willkommen in der Zukunft


Die Schlagwörter „Digitalisierung“ und „digitale Transformation“ sind in aller Munde. Sie haben längst den IT-Bereich verlassen und sind zu einer Frage der Unternehmensstrategie geworden. Wie kann es einem Unternehmen gelingen, den heutigen und künftigen Anforderungen des Business zu entsprechen? Welche Rolle wird dabei die IT spielen? In vielen Branchen wird sich die IT von einem Unterstützer zu einem entscheidenden Wettbewerbsinstrument entwickeln. Die Zukunft hat bereits begonnen und für IT-Dienstleister wird es neue Betätigungsfelder geben.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht auch die Mainstreammedien dem „digitalen Wandel“ gewissermaßen auf der Spur sind. Meist ist die Rede von Chancen und Bedrohungen, von Auswirkungen auf unser Arbeitsleben und vom Versuch einer Standortbestimmung der deutschen Wirtschaft mit den stärksten Wettbewerbern in diesem Bereich, d. h. den USA und den führenden Nationen im asiatischen Raum. Viele Unternehmen stecken bereits mitten im digitalen Wandel oder es stehen erste ernstzunehmende Projekte kurz- und mittelfristig auf der Agenda. Dabei geht es weniger um rein technische Fragen, die digitale Transformation setzt stattdessen an den Geschäftsprozessen eines Unternehmens an. Im Ergebnis werden bestehende Geschäftsprozesse nicht nur digitalisiert, sondern es wird oft zu einer vollständigen Neudefinition kommen. Gelingt das, kann das Unternehmen dadurch ggf. einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil erzielen.

Digitale Transformation

Rund um das weite Thema der digitalen Transformation hat sich eine Reihe von Begriffen gebildet, die nicht immer korrekt und trennscharf verwendet werden. Eine umfassende Begriffsdefinition könnte wie folgt lauten [1]: „Unter digitaler Transformation versteht man die Kombination von Veränderungen in Strategie, Geschäftsmodell, Organisation, Prozessen und Kultur in Unternehmen durch den Einsatz von digitalen Technologien mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.“

Hier wird klar, die Informationstechnik wird immer mehr ein wichtiges Werkzeug, zunehmend der Treiber der Entwicklung, aber niemals alleinig ausschlaggebend sein. Vielmehr wird es auf das richtige Zusammenspiel von Business und Technik ankommen. Im Ergebnis werden dann Unternehmensprobleme auf bisher unbekannte Weise gelöst. Eng verbunden ist damit der Innovationsbegriff. Je nach Ausmaß des Wandels, der durch eine Innovation ausgelöst wird, kann man zwischen inkrementellen (evolutionären) und disruptiven Innovationen unterscheiden. Inkrementelle Innovationen stellen eine schrittweise Weiterentwicklung bestehender Technologien und Produkte dar. Sie verbessern diese, fügen neue Funktionalitäten hinzu oder beseitigen festgestellte Unzulänglichkeiten. Der grundsätzliche Lösungsansatz bleibt jedoch gleich. Eine disruptive Innovation ist dagegen eine Technologie, die eventuell das Potenzial hat, bestehende Lösungen komplett oder teilweise zu verdrängen. Sie setzt nicht auf der bereits bestehenden Technologie auf, sondern bietet für das jeweilige Problem einen vollständig neuen Lösungsansatz. Etabliert sich eine solche disruptive Innovation, kann sie die bisherige, durchaus über Jahre hinweg ausgereifte Technologie vollständig verdrängen. Darin liegt Potenzial und Bedrohung gleichermaßen. Unternehmen, die diesen Wandel aktiv angehen, haben die Chance auf einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Verpasst man diese Möglichkeiten oder ignoriert man ihre Notwendigkeit zu lange, kann das zu erheblichen Problemen bis hin zur drohenden Marktverdrängung führen. Mit Digitalisierung ist also gemeint, dass man Unternehmensprozesse auf ihr Potenzial einer automatisierten und weitgehend IT-gestützten Bearbeitung prüft und auf diese Form migriert. Dabei geht es im Endeffekt nicht um einen einzelnen Prozess, sondern der Blick ist auf das Ziel eines möglichst vollständig digitalisierten Unternehmens gerichtet.

Reifegradbestimmung

Die Digitale Transformation in einem Unternehmen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein stetiger Prozess, der natürlich mit einem ersten Vorhaben startet. Die Elemente des digitalen Unternehmens umfassen im Kern die Geschäftsprozesse. Aber auch die anderen Bestandteile eines Unternehmens müssen in das Gesamtkonzept eingebunden werden (Abb. 1). Dazu gehören im Einzelnen:

bochkor_digitaletransformation_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Elemente des digitalen Unternehmens [2]
  • Lieferanten: Auch Zulieferer können über digitale Services an die eigenen IT-Systeme angebunden werden. Bestellungen, Lieferdokumente und die gesamte Zahlungsabwicklung kann zum Nutzen der Beteiligten beschleunigt, papierlos und damit vereinfacht werden. Es gibt Stufen der Digitalisierung im Bereich der Lieferantenanbindung. Die Ausgangsstufe kann man wie folgt beschreiben: Der Kunde und der Lieferant werden die Informationen zu den Bestellungen auf Basis von papiergebundenen Elementen austauschen. Beide Partner werden ggf. IT-Systeme nutzen, aber es wird kein Austausch dazwischen stattfinden. Auf der nächsten Stufe – heute meist Standard – wird der Austausch der Informationen auf Basis von E-Mails stattfinden. Man hat es dann mit einer Form der digitalen Anbindung zu tun, eine digitale Integration liegt jedoch noch nicht vor. Von digital integrierten IT-Systemen spricht man erst dann, wenn die Daten vom Lieferanten zum Kunden und umgekehrt über definierte Schnittstellen, zum Beispiel EDI, automatisiert ausgetauscht werden. Man hat dann keine Medienbrüche mehr zwischen den Systemen.

  • Kunden: Am Ende der Wertschöpfungskette steht der Kontakt mit den Kunden, zum Beispiel der Vertrieb der Leistungen. Hier kann man zwischen Businesskunden (B2B) und Endkunden (B2C) trennen. Endkunden möchten für ihre Zwecke verstärkt mobile Geräte für die Kommunikation mit den Unternehmen nutzen. Für eine Versicherung kann die Lösung zum Beispiel darin bestehen, eine App zur Verfügung zu stellen, über die Anträge, Meldungen, Bestätigungen usw. abgewickelt werden können. Ein Produkthersteller bietet – je nach Art des Produkts – zum Beispiel eine App mit zusätzlichen Servicedienstleistungen. Für Unternehmenskunden gelten dagegen ähnliche Ziele wie bei der Eingangslogistik. Gelingt auch hier eine Vernetzung der IT-Systeme, können Vereinfachungen bei Bestellungen, Lieferdokumenten und der Zahlungsabwicklung erreicht werden. Die digitale Anbindung der Kunden kann im Idealfall die gesamte Customer Journey, beginnend bei der Produktauswahl über die Bestellung und den Kaufprozess bis hin zum Bereitstellen von Serviceleistungen nach dem Kauf und der Bewertung der Produkte durch den Kunden, umfassen.

  • Geschäftsprozesse: Die Geschäftsprozesse eines Unternehmens sind natürlich am meisten betroffen. Die Digitalisierung greift direkt in die Geschäftsprozesse ein und verändert diese im Sinne der Digitalstrategie. Im kommenden Textabschnitt gehen wir darauf genauer ein.

  • Digitale Daten: Die Daten eines Unt...

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