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Entwickler Magazin
Softwarefehler nicht nur beheben, sondern sie analysieren

Aus Fehlern lernen

Niemand scheitert gern. Dabei ist die Folge von Versuch und Irrtum die natürliche Basis jedes Lernens. Aus einem Fehlschlag lässt sich gewöhnlich sehr viel mehr lernen als aus einem schnellen und möglicherweise leichtsinnig machenden Erfolg. So gesehen müsste die IT-Branche eine unübertroffene Quelle nützlicher Erkenntnisse sein - ist sie aber nicht. Woran liegt das, und wie könnte man das ändern?

Jürgen Lampe


Es ist seit Langem bekannt, dass ein erheblicher Teil der IT-Projekte abgebrochen wird oder die angestrebten Ziele nicht oder nicht vollständig erreicht. Aufgearbeitet wird dieses Problem jedoch fast ausschließlich auf der projektorganisatorischen Ebene. Das ist nicht falsch, lässt aber Wichtiges unberücksichtigt. Tatsächlich liegen Misserfolgen oft fehlerhafte Managemententscheidungen zu Grunde. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil wird gern hinter dem Motto „Einsatz unausgereifter Technologien“ eher versteckt als klar benannt. Was bedeutet „unausgereift“ in einem derart schnelllebigen Gebiet? Ist damit nicht eher gemeint, dass eine falsche Technologie oder auch die richtige Technologie falsch eingesetzt wurde?

Damit kommen wir zum Kern des Problems: Es gibt in der IT keine Fehler- und darauf basierende Lernkultur. Jeder frage sich selbst, wann er das letzte Mal eine Analyse gelesen hat, die sich mit den konkreten Problemen befasste, die sich aus dem Einsatz einer Software, eines Design- oder Architektur-Patterns oder eines Programmierstils ergeben hat?

Im Gegensatz dazu gibt es jede Menge Berichte, die uns glauben machen wollen, dass durch die Anwendung von XYZ die Softwareentwicklung zum Kinderspiel wird. Selbstverständlich lernt man auch aus Erfolgsbeispielen. Dabei erfährt man aber nicht, wie weit ein Konzept wirklich trägt. Grenzen kann man nur durch Scheitern erkunden. Wenn ein Seil einer Belastung von 20 N standhält, weiß ich zwar, dass es für 15 N reicht, aber nicht, ob das auch noch für 30 N gilt. Vielleicht ist es auch hoffnungslos überdimensioniert und hält 2 000 N aus. Genauso verhält es sich mit Erfolgsberichten.

Umgang mit Fehlern am Beispiel der Luftfahrt

Flugzeuge lassen sich in ihrer Komplexität mit IT-Systemen vergleichen und verfügen zudem über zahlreiche softwaregesteuerte Funktionen. Ein Fehler kann fatale oder katastrophale Auswirkungen haben. Vor ihrer Freigabe müssen Flugzeuge deshalb unzählige Prüfungen und Zertifizierungsprozesse durchlaufen. Trotzdem lassen sich Fehler nicht vollständig verhindern, und es passieren Abstürze und andere Unfälle. Bemerkenswerterweise und in deutlicher Diskrepanz zur IT-Welt nimmt die Anzahl der erheblichen technikbedingten Vorkommnisse bei Flugzeugen seit Jahren ab, trotz wachsender Komplexität der Systeme, Zunahme des Verkehrs und Anstieg des Durchschnittsalters der Flotten. Diese erfolgreiche Entwicklung beruht vor allem darauf, dass es weitgehend gelingt, das Wiederholen von F...

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Softwarefehler nicht nur beheben, sondern sie analysieren

Aus Fehlern lernen

Niemand scheitert gern. Dabei ist die Folge von Versuch und Irrtum die natürliche Basis jedes Lernens. Aus einem Fehlschlag lässt sich gewöhnlich sehr viel mehr lernen als aus einem schnellen und möglicherweise leichtsinnig machenden Erfolg. So gesehen müsste die IT-Branche eine unübertroffene Quelle nützlicher Erkenntnisse sein - ist sie aber nicht. Woran liegt das, und wie könnte man das ändern?

Jürgen Lampe


Es ist seit Langem bekannt, dass ein erheblicher Teil der IT-Projekte abgebrochen wird oder die angestrebten Ziele nicht oder nicht vollständig erreicht. Aufgearbeitet wird dieses Problem jedoch fast ausschließlich auf der projektorganisatorischen Ebene. Das ist nicht falsch, lässt aber Wichtiges unberücksichtigt. Tatsächlich liegen Misserfolgen oft fehlerhafte Managemententscheidungen zu Grunde. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil wird gern hinter dem Motto „Einsatz unausgereifter Technologien“ eher versteckt als klar benannt. Was bedeutet „unausgereift“ in einem derart schnelllebigen Gebiet? Ist damit nicht eher gemeint, dass eine falsche Technologie oder auch die richtige Technologie falsch eingesetzt wurde?

Damit kommen wir zum Kern des Problems: Es gibt in der IT keine Fehler- und darauf basierende Lernkultur. Jeder frage sich selbst, wann er das letzte Mal eine Analyse gelesen hat, die sich mit den konkreten Problemen befasste, die sich aus dem Einsatz einer Software, eines Design- oder Architektur-Patterns oder eines Programmierstils ergeben hat?

Im Gegensatz dazu gibt es jede Menge Berichte, die uns glauben machen wollen, dass durch die Anwendung von XYZ die Softwareentwicklung zum Kinderspiel wird. Selbstverständlich lernt man auch aus Erfolgsbeispielen. Dabei erfährt man aber nicht, wie weit ein Konzept wirklich trägt. Grenzen kann man nur durch Scheitern erkunden. Wenn ein Seil einer Belastung von 20 N standhält, weiß ich zwar, dass es für 15 N reicht, aber nicht, ob das auch noch für 30 N gilt. Vielleicht ist es auch hoffnungslos überdimensioniert und hält 2 000 N aus. Genauso verhält es sich mit Erfolgsberichten.

Umgang mit Fehlern am Beispiel der Luftfahrt

Flugzeuge lassen sich in ihrer Komplexität mit IT-Systemen vergleichen und verfügen zudem über zahlreiche softwaregesteuerte Funktionen. Ein Fehler kann fatale oder katastrophale Auswirkungen haben. Vor ihrer Freigabe müssen Flugzeuge deshalb unzählige Prüfungen und Zertifizierungsprozesse durchlaufen. Trotzdem lassen sich Fehler nicht vollständig verhindern, und es passieren Abstürze und andere Unfälle. Bemerkenswerterweise und in deutlicher Diskrepanz zur IT-Welt nimmt die Anzahl der erheblichen technikbedingten Vorkommnisse bei Flugzeugen seit Jahren ab, trotz wachsender Komplexität der Systeme, Zunahme des Verkehrs und Anstieg des Durchschnittsalters der Flotten. Diese erfolgreiche Entwicklung beruht vor allem darauf, dass es weitgehend gelingt, das Wiederholen von F...

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