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Entwickler Magazin
Qualitätsstandards als Communityaufgabe

Die Entwickler machen lassen

Was Qualitätsmaßnahmen anbelangt, herrscht bei Entwicklern meist eher Augenrollen als Begeisterung. Zu oft sind die Maßnahmen unpraktisch und stehen mehr im Weg als dass sie helfen. Ganz anders kann es aussehen, wenn die Mitarbeiter ihre Standards und Vorgehensweisen in einer Software Craftsmanship Community selbst entwickeln.

Andreas Christian Fischer


Wie entsteht qualitativ hochwertiger Code? Die Frage treibt notwendigerweise jedes Softwarehaus um. Schon immer. Allerdings ist die Frage aktuell vielleicht noch etwas intensiver im Fokus als in der Vergangenheit. Denn in einem zunehmend komplexen Umfeld hängen Qualität, Erweiterbarkeit, Wartbarkeit und damit auch die Wirtschaftlichkeit von softwarebasierten Produkten einerseits in hohem Maße von den technischen Fähigkeiten der einzelnen Entwickler, andererseits aber auch von der Bereitschaft aller, in einem Team Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, ab. Diese Gedanken finden sich in zahlreichen Entwicklungen und Initiativen der letzten Jahre wieder, angefangen von Extreme Programming über agile Softwareentwicklung bis hin zu Software Craftsmanship und der Clean-Code-Bewegung. Interessant dabei ist, dass all diese Entwicklungen nicht top-down von oben verordnet, sondern bottom-up von den Softwareentwicklern selbst vorangetrieben werden. Daraus sind Initiativen wie das Agile Manifest von 2001 oder das Software Craftsmanship Manifest von 2009 entstanden. Die dahinter stehende Grundhaltung ist, dass jeder Entwickler gute Software schreiben will. Man muss ihn nur lassen. Aber was passiert, wenn man ihn tatsächlich lässt? Die DATEV hat sich darauf eingelassen. Welche Dynamik daraus entstanden ist, verdeutlicht die Entstehungsgeschichte der Software Craftsmanship Community @DATEV und ihr Wirken hinsichtlich der Entwicklung eines übergreifenden Standards für Softwarequalität im Unternehmen.

Bei der DATEV in Nürnberg arbeiten knapp 2 000 Softwareentwickler stetig daran, die bestehende Softwarepalette zu verbessern und neue Produkte für ihre Mitglieder – Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer – sowie deren meist mittelständische Mandanten zu gestalten. Das Problem: Wie ist bei einer kontinuierlich wachsenden Entwicklergemeinschaft gewährleistet, dass alle mit ihren unterschiedlichen Stärken und Kenntnissen der einzelnen Programmiersprachen einheitliche Standards befolgen und die Vielzahl an Lösungen wirtschaftlich beherrschbar bleibt?

Nachdem an verschiedenen Stellen im Unternehmen Qualitätsinitiativen ins Leben gerufen wurden – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – sollte 2012 eine einheitliche, für alle Entwickler gleichermaßen gültige Initiative gestartet werden. Die Querschnittsverantwortung für diese Qualitätsinitiative wurde mir übertragen. Nach über 20 Jahren Entwicklungstätigkeit in verschiedenen Bereichen des Un...

Entwickler Magazin
Qualitätsstandards als Communityaufgabe

Die Entwickler machen lassen

Was Qualitätsmaßnahmen anbelangt, herrscht bei Entwicklern meist eher Augenrollen als Begeisterung. Zu oft sind die Maßnahmen unpraktisch und stehen mehr im Weg als dass sie helfen. Ganz anders kann es aussehen, wenn die Mitarbeiter ihre Standards und Vorgehensweisen in einer Software Craftsmanship Community selbst entwickeln.

Andreas Christian Fischer


Wie entsteht qualitativ hochwertiger Code? Die Frage treibt notwendigerweise jedes Softwarehaus um. Schon immer. Allerdings ist die Frage aktuell vielleicht noch etwas intensiver im Fokus als in der Vergangenheit. Denn in einem zunehmend komplexen Umfeld hängen Qualität, Erweiterbarkeit, Wartbarkeit und damit auch die Wirtschaftlichkeit von softwarebasierten Produkten einerseits in hohem Maße von den technischen Fähigkeiten der einzelnen Entwickler, andererseits aber auch von der Bereitschaft aller, in einem Team Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, ab. Diese Gedanken finden sich in zahlreichen Entwicklungen und Initiativen der letzten Jahre wieder, angefangen von Extreme Programming über agile Softwareentwicklung bis hin zu Software Craftsmanship und der Clean-Code-Bewegung. Interessant dabei ist, dass all diese Entwicklungen nicht top-down von oben verordnet, sondern bottom-up von den Softwareentwicklern selbst vorangetrieben werden. Daraus sind Initiativen wie das Agile Manifest von 2001 oder das Software Craftsmanship Manifest von 2009 entstanden. Die dahinter stehende Grundhaltung ist, dass jeder Entwickler gute Software schreiben will. Man muss ihn nur lassen. Aber was passiert, wenn man ihn tatsächlich lässt? Die DATEV hat sich darauf eingelassen. Welche Dynamik daraus entstanden ist, verdeutlicht die Entstehungsgeschichte der Software Craftsmanship Community @DATEV und ihr Wirken hinsichtlich der Entwicklung eines übergreifenden Standards für Softwarequalität im Unternehmen.

Bei der DATEV in Nürnberg arbeiten knapp 2 000 Softwareentwickler stetig daran, die bestehende Softwarepalette zu verbessern und neue Produkte für ihre Mitglieder – Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer – sowie deren meist mittelständische Mandanten zu gestalten. Das Problem: Wie ist bei einer kontinuierlich wachsenden Entwicklergemeinschaft gewährleistet, dass alle mit ihren unterschiedlichen Stärken und Kenntnissen der einzelnen Programmiersprachen einheitliche Standards befolgen und die Vielzahl an Lösungen wirtschaftlich beherrschbar bleibt?

Nachdem an verschiedenen Stellen im Unternehmen Qualitätsinitiativen ins Leben gerufen wurden – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – sollte 2012 eine einheitliche, für alle Entwickler gleichermaßen gültige Initiative gestartet werden. Die Querschnittsverantwortung für diese Qualitätsinitiative wurde mir übertragen. Nach über 20 Jahren Entwicklungstätigkeit in verschiedenen Bereichen des Un...

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