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Entwickler Magazin
Juristische Spielregeln für die Verwendung von APIs

API = alle Probleme inbegriffen?

Ohne APIs wären viele moderne Services wohl nicht möglich, allerdings gibt es auch so manche Stolperfalle. Ein Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Beachtung finden sollten.

Michael Rohrlich


Ein Application Programming Interface, kurz API, ist eine standardisierte Programmierschnittstelle, die unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem funktioniert. APIs werden von Softwaresystemen bereitgestellt, um anderen Anwendungen eine Anbindung an das System zu ermöglichen. Dadurch können beispielsweise Preisvergleichsportale die Preise bei unterschiedlichen Onlineshops abfragen oder Reiseportale die Daten für Flüge, Hotels und Mietwagen (sogenannte Web Services). Softwarehersteller für Windows erhalten Zugriff auf die Benutzeroberfläche per API. Aber nicht nur der Zugriff auf Soft-, sondern auch auf Hardware kann mittels API erfolgen. Es gibt folgende Arten von Programmierschnittstellen:

funktionsorientiert (z. B. Dynamic Link Library)dateiorientiert (z. B. Gerätedateien unter Unix)objektorientiert (z. B. ActiveX DLLs)protokollorientiert (z. B. FTP)

Unabhängig von der genauen Funktionsweise oder dem Ziel des Zugriffs müssen bei der Verwendung von APIs bestimmte juristische Spielregeln befolgt werden.

Lizenzrecht

Ein sehr prominenter Streit um Lizenzrechte findet zwischen Oracle und Google statt. Dieser läuft nun bereits seit mehreren Jahren. Das erstinstanzliche Urteil stammt aus dem Jahr 2012, die Berufungsentscheidung aus 2014.

Im Kern geht es um die Frage, wann die Nutzung eines API auch ohne Zustimmung des Rechtsinhabers zulässig ist. Die mit diesem Rechtsstreit befassten US-Gerichte müssen dabei den im angloamerikanischen Raum bestehenden Fair-Use-Grundsatz prüfen. Dies ist ein Rechtsinstrument u. a. des amerikanisches Copyright-Systems, das bestimmte Nutzungen von geschütztem Material zugesteht. Voraussetzung hierfür ist, dass die Nutzung der öffentlichen Bildung und der Anregung geistiger Produktionen dient. Typische Beispiele für Fair Use sind Parodien oder auch Zitate. Im deutschen Urheberrecht gibt es vergleichbare Schrankenregelungen, wie z. B. das Zitaterecht oder auch die Möglichkeit zur Verwendung von fremdem Material zu Unterrichtszwecken. Im Verfahren Oracle/Google geht es konkret um die Frage, ob die Nutzung der Java-Schnittstellen durch Google im Rahmen des Android-Betriebssystems unter die Fair-Use-Regelung fällt. Derzeit sehen die amerikanischen Gerichte Google im Recht, allerdings will Oracle Berufung einlegen. Letztlich hat die Entscheidung dieser Auseinandersetzung Signalwirkung für eine ganze Branche und könnte etwas Struktur in die bislang noch sehr uneinheitliche Rechtsprechungslinie in den USA bringen.

Es gibt verschiedene Aspek...

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Juristische Spielregeln für die Verwendung von APIs

API = alle Probleme inbegriffen?

Ohne APIs wären viele moderne Services wohl nicht möglich, allerdings gibt es auch so manche Stolperfalle. Ein Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Beachtung finden sollten.

Michael Rohrlich


Ein Application Programming Interface, kurz API, ist eine standardisierte Programmierschnittstelle, die unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem funktioniert. APIs werden von Softwaresystemen bereitgestellt, um anderen Anwendungen eine Anbindung an das System zu ermöglichen. Dadurch können beispielsweise Preisvergleichsportale die Preise bei unterschiedlichen Onlineshops abfragen oder Reiseportale die Daten für Flüge, Hotels und Mietwagen (sogenannte Web Services). Softwarehersteller für Windows erhalten Zugriff auf die Benutzeroberfläche per API. Aber nicht nur der Zugriff auf Soft-, sondern auch auf Hardware kann mittels API erfolgen. Es gibt folgende Arten von Programmierschnittstellen:

funktionsorientiert (z. B. Dynamic Link Library)dateiorientiert (z. B. Gerätedateien unter Unix)objektorientiert (z. B. ActiveX DLLs)protokollorientiert (z. B. FTP)

Unabhängig von der genauen Funktionsweise oder dem Ziel des Zugriffs müssen bei der Verwendung von APIs bestimmte juristische Spielregeln befolgt werden.

Lizenzrecht

Ein sehr prominenter Streit um Lizenzrechte findet zwischen Oracle und Google statt. Dieser läuft nun bereits seit mehreren Jahren. Das erstinstanzliche Urteil stammt aus dem Jahr 2012, die Berufungsentscheidung aus 2014.

Im Kern geht es um die Frage, wann die Nutzung eines API auch ohne Zustimmung des Rechtsinhabers zulässig ist. Die mit diesem Rechtsstreit befassten US-Gerichte müssen dabei den im angloamerikanischen Raum bestehenden Fair-Use-Grundsatz prüfen. Dies ist ein Rechtsinstrument u. a. des amerikanisches Copyright-Systems, das bestimmte Nutzungen von geschütztem Material zugesteht. Voraussetzung hierfür ist, dass die Nutzung der öffentlichen Bildung und der Anregung geistiger Produktionen dient. Typische Beispiele für Fair Use sind Parodien oder auch Zitate. Im deutschen Urheberrecht gibt es vergleichbare Schrankenregelungen, wie z. B. das Zitaterecht oder auch die Möglichkeit zur Verwendung von fremdem Material zu Unterrichtszwecken. Im Verfahren Oracle/Google geht es konkret um die Frage, ob die Nutzung der Java-Schnittstellen durch Google im Rahmen des Android-Betriebssystems unter die Fair-Use-Regelung fällt. Derzeit sehen die amerikanischen Gerichte Google im Recht, allerdings will Oracle Berufung einlegen. Letztlich hat die Entscheidung dieser Auseinandersetzung Signalwirkung für eine ganze Branche und könnte etwas Struktur in die bislang noch sehr uneinheitliche Rechtsprechungslinie in den USA bringen.

Es gibt verschiedene Aspek...

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