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Entwickler Magazin
Über das wissenschaftliche Bloggen und seine Zukunft

Als das Bloggen noch geholfen hat

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen ein Verfahren der Qualitätssicherung, bevor sie in Fachzeitschriften publiziert werden. Fachinterne Gutachterinnen und Gutachter bewerten die Qualität eines Textes. Dieses Verfahren nennt man Peer Review und es existiert seit dem 17. Jahrhundert. Mit dem Aufkommen der Weblogs und einer wissenschaftsnahen Blogosphäre war die Hoffnung verbunden, Artikel niederschwellig zugänglich zu machen. Was ist aus diesen Hoffnungen geworden, und in welcher Form kann das wissenschaftliche Bloggen eine Zukunft haben?

Reto Eugster


Das als Peer Review bekannte Verfahren wurde erstmals für das Journal „Philosophical Transactions“ in London genutzt. Allerdings sind seit den frühen Jahren auch Fehlurteile bekannt. Beispielsweise wurde als Folge eines Peer-Review-Resultats im 18. Jahrhundert ein bahnbrechender Artikel über die Pockenkrankheit nicht publiziert. Als sich nach und nach die Weblogs etablierten, war die Hoffnung groß, dass die Science Community Texte diskutieren, bewerten und teilen würde. Im Brennpunkt des Interesses ist im vorliegenden Artikel die deutschsprachige Blogszene.

Hinein in die Blogosphäre

In einer Zeit, deren Spuren heute noch sichtbar sind, glaubten vor allem Nachwuchskräfte unterschiedlicher Wissenschaften, eine neue qualitätssichernde Form der Zirkulation wissenschaftlichen Wissens gefunden zu haben. Die Tätigkeit des Bloggens, also die Vermessung wissenschaftlicher Ergebnisse in der „offenen“ Debatte, schien zu einem Ausweg aus der Starre intransparenter Verfahren und zum Königsweg der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung zu werden. Der Gestus der Kritik an altgedienten Wissenschaftspraktiken war unverkennbar.

In jener fernen Zeit verwiesen die 140-Zeichen-Schnipsel bei Twitter nicht selten auf Weblogtexte. Weblogs waren eine Art Backend der aufkommenden „Plattformen“. Heute, in einer anderen Zeit, sind ungezählte Tweets selbstgenügsam formuliert. Sie genügen als bloße Slogans, die zu oft nur als Teil von Kampagnen interpretierbar werden.

Doch beginnen wir am Anfang. Wer sich als Webflaneur in der Blogosphere umhertreibt, trifft auf unterschiedliche Spielarten des wissenschaftlichen Bloggens. Vor allem vier Ausprägungen dominieren die real existierende Blogszene. Wissenschaftsblogs können verstanden werden als:

Form des digitalen Publizierens wissenschaftlicher ErkenntnisseBeiträge zur WissenschaftspolitikJournale aus Werkprozessen wissenschaftlichen ArbeitensWissenschaftsvermittlung an ein wissenschaftsfernes Publikum

Mit jeder dieser Varianten des „wissenschaftlichen“ (nun in Anführungszeichen) Bloggens gehen unterschiedliche Erwartungen, Risiken und Chancen einher. Darum geht es im Folgenden.

Digitales Publizieren wissenschaftlicher Erkenntnisse

Die Grundidee bei dieser Spielart des Bloggens besteht darin, die „klassische“ Qualitätssicherung, also die organisierte Skepsis der Peers, durch die Einbettung einer Publikation in den offenen, nicht organisierten Communitydiskurs zu ergänzen und teilweise zu ersetzen. Alternativ zum Goldstandard der Peer Reviews sol...

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Über das wissenschaftliche Bloggen und seine Zukunft

Als das Bloggen noch geholfen hat

Wissenschaftliche Artikel durchlaufen ein Verfahren der Qualitätssicherung, bevor sie in Fachzeitschriften publiziert werden. Fachinterne Gutachterinnen und Gutachter bewerten die Qualität eines Textes. Dieses Verfahren nennt man Peer Review und es existiert seit dem 17. Jahrhundert. Mit dem Aufkommen der Weblogs und einer wissenschaftsnahen Blogosphäre war die Hoffnung verbunden, Artikel niederschwellig zugänglich zu machen. Was ist aus diesen Hoffnungen geworden, und in welcher Form kann das wissenschaftliche Bloggen eine Zukunft haben?

Reto Eugster


Das als Peer Review bekannte Verfahren wurde erstmals für das Journal „Philosophical Transactions“ in London genutzt. Allerdings sind seit den frühen Jahren auch Fehlurteile bekannt. Beispielsweise wurde als Folge eines Peer-Review-Resultats im 18. Jahrhundert ein bahnbrechender Artikel über die Pockenkrankheit nicht publiziert. Als sich nach und nach die Weblogs etablierten, war die Hoffnung groß, dass die Science Community Texte diskutieren, bewerten und teilen würde. Im Brennpunkt des Interesses ist im vorliegenden Artikel die deutschsprachige Blogszene.

Hinein in die Blogosphäre

In einer Zeit, deren Spuren heute noch sichtbar sind, glaubten vor allem Nachwuchskräfte unterschiedlicher Wissenschaften, eine neue qualitätssichernde Form der Zirkulation wissenschaftlichen Wissens gefunden zu haben. Die Tätigkeit des Bloggens, also die Vermessung wissenschaftlicher Ergebnisse in der „offenen“ Debatte, schien zu einem Ausweg aus der Starre intransparenter Verfahren und zum Königsweg der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung zu werden. Der Gestus der Kritik an altgedienten Wissenschaftspraktiken war unverkennbar.

In jener fernen Zeit verwiesen die 140-Zeichen-Schnipsel bei Twitter nicht selten auf Weblogtexte. Weblogs waren eine Art Backend der aufkommenden „Plattformen“. Heute, in einer anderen Zeit, sind ungezählte Tweets selbstgenügsam formuliert. Sie genügen als bloße Slogans, die zu oft nur als Teil von Kampagnen interpretierbar werden.

Doch beginnen wir am Anfang. Wer sich als Webflaneur in der Blogosphere umhertreibt, trifft auf unterschiedliche Spielarten des wissenschaftlichen Bloggens. Vor allem vier Ausprägungen dominieren die real existierende Blogszene. Wissenschaftsblogs können verstanden werden als:

Form des digitalen Publizierens wissenschaftlicher ErkenntnisseBeiträge zur WissenschaftspolitikJournale aus Werkprozessen wissenschaftlichen ArbeitensWissenschaftsvermittlung an ein wissenschaftsfernes Publikum

Mit jeder dieser Varianten des „wissenschaftlichen“ (nun in Anführungszeichen) Bloggens gehen unterschiedliche Erwartungen, Risiken und Chancen einher. Darum geht es im Folgenden.

Digitales Publizieren wissenschaftlicher Erkenntnisse

Die Grundidee bei dieser Spielart des Bloggens besteht darin, die „klassische“ Qualitätssicherung, also die organisierte Skepsis der Peers, durch die Einbettung einer Publikation in den offenen, nicht organisierten Communitydiskurs zu ergänzen und teilweise zu ersetzen. Alternativ zum Goldstandard der Peer Reviews sol...

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