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Plug-in Marke Eigenbau

Ein zweites Standbein mit WordPress-Plug-ins


Coders gonna code. Coder coden gerne. Und einige von ihnen verdienen viel Geld mit ihren Produkten. Die Entwickler hinter dem populären Theme „Avada“ nehmen beispielsweise circa 100 000 US-Dollar ein. Pro Woche. Aber nicht nur mit Themes lässt sich Gewinn machen. Auch Plug-ins holen immer weiter auf. In der 36. Kalenderwoche 2017 wurde der Visual Composer – ein Page Builder für WordPress – knapp 2 000 Mal verkauft. Bei einem Preis von 38 US-Dollar ergibt das immerhin auch noch 60 000 US Dollar pro Woche.

Hand aufs Herz – Welcher Freiberufler schiebt so viel Umsatz? Keiner. Diese hohen Summen lassen sich mit bloßem Zeiteinsatz nicht erzielen. Unsere Arbeitszeit pro Tag ist nun einmal begrenzt. Zeit, endlich Produkte zu verkaufen.

Warum eigentlich?

Warum sollte man ein WordPress-Plug-in erstellen und verkaufen? Die Antwort auf diese Frage kann unterschiedlich ausfallen. Je nach persönlicher Präferenz. Für mich gibt es zwei Hauptgründe:

Grund 1: Plug-ins sind für mich eine sehr gute Einnahmequelle neben meiner klassischen Entwicklertätigkeit. Als Webdesigner befand ich mich im Jahr 2010 in einer Situation, die sicherlich jeder Freiberufler einmal durchmachen muss: Große Kunden fielen weg, parallel dazu ereignete sich die damalige Wirtschaftskrise. Das hat die Situation weiter verschärft. Neue Aufträge blieben aus oder wurden gleich storniert. Plötzlich steht man ohne Einkommen da und weiß nicht, wie man die nächste Miete begleichen soll. Da tauchen schnell Existenzängste auf. Sieben Jahre später sieht die Welt, dank meiner Plug-in-Verkäufe, deutlich besser aus. Der regelmäßige Cashflow durch passive Einnahmen (Supportaufwand mal nicht eingerechnet) ist eine feine Sache.

Erst in jüngerer Vergangenheit passierte einem Kollegen, mit dem ich seit Kurzem zusammenarbeite, fast das Gleiche wie mir damals. Der einzige Kunde fiel weg. Uff – da kamen gleich wieder die Erinnerungen hoch. Es begann für ihn eine verzweifelte Suche nach Möglichkeiten der Geldbeschaffung. Aber das ist in einer solchen Situation meist schwierig. Deswegen sollte man vorsorgen. Und wenn es um das Thema Vorsorge geht, komme ich zu meinem zweiten Grund.

Grund 2: Software ist mittlerweile eine Art Anlageform geworden. Das sagt zumindest der österreichische Manager, Investor und Autor Gerald Hörhan in einem kürzlichen veröffentlichten Interview auf YouTube [1]. Und auch in seinem aktuellen Buch erklärt er Software zu einem der größten Wirtschaftstrends für digitale Aufsteiger [2]. Die Gesamtheit seiner Onlinegeschäfte (sowie einige Investitionen in diesem Bereich) nennt er dann auch passend „digitale Assets“. So gesehen, muss man das eigene Plug-in also als Investition in die Zukunft betrachten. Immerhin kann damit nicht nur eine gute Einkommensquelle, sondern sogar eine Art Kapitalanlage geschaffen werden. Ich persönlich sehe hier also eher den monetären Vorteil, wobei es – wie man am Ende des Artikels erfahren wird – noch weitere gute Gründe gibt, warum man ein Plug-in erstellen sollte.

Wer, ich?

Bin ich der Richtige für so ein Vorhaben? Wer öfter mit WordPress arbeitet und erfolgreich seine Brötchen damit verdient, ist in der Regel prädestiniert für eine solche Aufgabe. Es geht nämlich nicht nur mir, sondern auch vielen meiner Kunden oft wie folgt:

  • Irgendwann stößt man an die Leistungsgrenzen von bereits vorhandenen Plug-ins.

  • Ein Plug-in wird nicht mehr weiterentwickelt.

  • Aus den rund 52 000 Plug-ins im offiziellen www.wordpress.org-Verzeichnis ist keines dabei, das zu einer bestimmten Aufgabe (genau) passt.

  • Es gibt kein Plug-in für einen bestehenden Sonderwunsch.

Die Welt ist groß, und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand an genau dieselben Grenzen stößt wie man selbst, ist damit ebenfalls hoch. Wenn man als Entwickler eine Lösung für ein gewisses Problem hat, dann ist die Chance groß, dass jemand anderes die gleiche Lösung benötigt. Man muss sich also nicht hinsetzen und stundenlang darüber nachdenken, welches Plug-in man entwickeln soll. Die Ideen kommen fast von ganz alleine, wenn man sich längere Zeit mit WordPress beschäftigt. Das Beste dabei ist, dass Plug-ins, die so entstehen, einfach die besten sind. Denn man selbst kennt die eigenen Probleme am besten und kann somit die optimale Lösung finden.

Lohnt sich das?

Es ist wie mit jedem Geschäft: Ohne umfangreiche Tests weiß man im Voraus nicht, ob ein Plug-in bei den Kunden einschlägt oder nicht. Eine Möglichkeit wäre, vorab eine Produktwebseite aufzusetzen und über AdWords zu testen, ob die Benutzer überhaupt kaufen würden. Das schlägt beispielsweise Tim Ferriss in seinem Buch „Die 4-Stunden-Woche“ vor, um schnell zu einer Antwort zu kommen. Nicht zuletzt hängt ein Verkaufserfolg aber von weiteren Faktoren ab: dem Grad der Problemlösung, Preis und Marketing, um nur einige zu nennen.

Grundsätzlich würde ich aber sagen: Jede Idee ist es wert, dass man ihr nachgeht. Ich hatte bis dato noch kein Plug-in, das sich nicht verkauft hat. Und das, obwohl ich fast keine Anstrengungen unternommen habe, herauszufinden, ob es sich lohnt, ein Plug-in für ein Problem zu entwickeln. Natürlich schwankten die Verkaufszahlen deutlich, was letztlich auch dazu führte, dass ich einige davon nicht mehr weiterentwickle. Wenn ein Plug-in nicht dadurch entstanden ist, dass ich selbst eine Lösung für etwas benötigte, dann entstand es meist durch einen Kundenwunsch. Oft wurde ich also ohnehin für die Entwicklung entlohnt, und ich musste die jeweiligen Plug-ins nur noch für den Verkauf vorbereiten. Dieser Aufwand war für mich meist überschaubar und akzeptabel.

Zurzeit existieren weit mehr als 1,2 Milliarden Websites [3]. Laut W3Techs werden knapp 29 Prozent dieser Seiten mit WordPress betrieben [4]. Wir sprechen also von ungefähr 350 Millionen potenziell verkaufbarer Lizenzen, wenn man von einer Lizenz pro Domain ausgeht. Da sieht man sich schon wie Dagobert Duck im Geldspeicher baden. Das ist schon eine schier unendliche Menge und sicherlich auch der Grund, warum fast jedes Plug-in einen Käufer findet. Dazu kommt eine wichtige Feststellung: Wir Menschen unterschätzen regelmäßig die Größe der Märkte. Natürlich ist es immer besser, wenn man die härteste aller Nüsse knackt und eine größere Zielgruppe anspricht, denn das verspricht meist einen höheren Umsatz, aber eventuell auch mehr Konkurrenz.

Was sind gefragte Themen?

Stellt man sich die Frage, warum die meisten WordPress-User überhaupt eine Website betreiben, dann stößt man unweigerlich auf die Antwort: um Geld zu verdienen. Ich persönlich frage mich immer, wie man diesen WordPress-Benutzern helfen kann, noch mehr oder einfacher Geld mit ihren Websites zu verdienen. Und dafür kann es durchaus mehrere Lösungen geben. Plug-ins für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) sind zum Beispiel Erweiterungen, die immer gut ankommen. Denn sie helfen hoffentlich, bessere Rankings in Suchmaschinen zu erhalten. Und das wiederum hilft, Geld zu verdienen.

Mein erstes Plug-in machte nichts anderes als einen Google-Plus-Profillink in eine WordPress-Seite einzubinden. Das führte dazu, dass Google den Namen und das Profilbild des Autors auf der Suchtrefferseite einblendete (Abb. 1). Easy und cool zugleich, denn damals war ein Bild in Suchtreffern das Highlight schlechthin. Rich Snippets gab es noch nicht.

simeth_plugins_1.tif_fmt1.jpgAbb.1: Google-Plus-Profillink auf der Google-Suchtrefferseite

Ein Kollege fragte mich einmal, ob sich dieses Plug-in tatsächlich verkauft hat. Ja, und es brachte circa 150 Euro pro Monat. Fast passiv und so lange, bis sich Google entschied, die Bildchen wieder zu entfernen. Das reichte mindestens schon einmal für die Telefonrechnung. Ich habe ihm empfohlen, endlich auch selbst ein Plug-in zu verkaufen.

Wie fange ich an?

Grundsätzlich kann jeder sofort loslegen, der Grundwissen in der PHP-Entwicklung mitbringt. Zur Ausführung von WordPress benötigt man einen lokal laufenden Webserver mit einer MySQL-Datenbank und PHP. Das alles zusammen nennt sich Web-Services-Stack. Diesen kann man sich selbst installieren oder auf bestehende Tools zurückgreifen. Das wohl bewährteste davon ist XAMPP [5], das für alle Betriebssysteme zur Verfügung steht. Darüber hinaus gibt es noch weitere Derivate, die sich aber auf bestimmte Betriebssysteme beschränken. Als Beispiele seien an dieser Stelle MAMP [6] für macOS sowie WampServer [7] für Windows genannt. Diese Tools bieten den Vorteil, dass sich Folgendes dynamisch einstellen lässt:

  • der Webserver (meist Apache oder nginx)

  • die PHP-Version (in der Regel von 5.2.x bis 7.1.x)

  • die MySQL-Version (oft 5.4 und 5.5 oder MariaDB > 10.x)

Warum die Umstellung von Webserver und/oder PHP-Version wichtig ist, werde ich gleich noch näher erläutern. Zuerst möchte ich jedoch noch weitere interessante Tools nennen: Local by Flywheel [8] (Windows, Mac) ist mein Favorit. Das Programm erstellt eigene WordPress-Umgebungen in virtuellen Docker-Containern auf dem heimischen Rechner. Es wurde für die WordPress-Entwicklung geschaffen und installiert WordPress mit jeder neuen Seite gleich mit, ebenso das WordPress-Kommandozeilentool (WP-CLI). Im Übrigen ist das Programm auch für jeden interessant, der WordPress nur mal schnell ausprobieren ...

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