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Interview mit Brian Behlendorf

„Wir wollen die Systeme der Welt dezentraler und fairer machen“


Entwickler Magazin Spezial: Das Hyperledger-Projekt wurde 2015 mit dem Ziel ins Leben gerufen, ein Open-Source-Enterprise-Framework für verteilte Ledger zur Verfügung zu stellen. Hat Hyperledger dieses Versprechen eingelöst?

Brian Behlendorf: Das Ziel für ein Open-Source-Projekt ist nicht einfach, ein technisches Problem auf offene Art und Weise zu lösen, sondern eine langfristige Grundlage für ein Softwareökosystem zu sein. Genau das braucht die Blockchain-Community heute, und darum gibt es Hyperledger. Darauf haben wir in den letzten zweieinhalb Jahren hingearbeitet. Gleichzeitig denke ich, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.

Hyperledger war bisher erfolgreich darin, seine Vision umzusetzen. Seit wir das Projekt im Februar 2016 gestartet haben, haben wir unser Portfolio auf zehn Tools und Frameworks erweitert (Abb. 1), die Unterstützung von 270 Mitgliedern gewonnen und bei zwei Projekten den wichtigen Entwicklungsmeilenstein einer Majorversion 1.0 erreicht. Eines unserer großen Ziele war es, in diesem Jahr die Zahl der echten Produktiv-Deployments zu steigern. Beobachten konnten wir, wie mehr als 50 Deployments live auf Basis von Hyperledger-Technologien Form angenommen haben. Wir gehen davon aus, dass weitere folgen werden, bevor das 4. Quartal dieses Jahres endet.

behlendorf_hyperledger_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Die Hyperledger-Projekte [1]

Außerdem gab es mehr als 27 000 Commits in unseren Projekten, von mehr als 600 Mitwirkenden. Mit Blick auf die Community haben wir nun neun aktive Arbeitsgruppen, mehr als 140 Meetups weltweit, und es haben sich mehr als 100 000 Menschen für die Hyperledger Business-Blockchain-Kurse angemeldet, die von EdX gestartet wurden.

EMS: Du selbst bist seit 2016 Geschäftsführer des Hyperledger-Projekts. Was fasziniert dich persönlich an der Blockchain-Technologie?

Behlendorf: Ich habe die Entwicklungen im Blockchain-Bereich bereits in meiner letzten Arbeitsstelle verfolgt, war aber bei vielem zunächst sehr skeptisch. Ich hatte das Gefühl, dass es neben der Nutzung im Bereich der Kryptowährungen viele pragmatische Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain-Technologie geben müsste – etwa das Registrieren von Landtiteln in Schwellenländern, rückverfolgbare Lieferketten oder mobile Krankenakten –, die man ohne Coins und ohne diesen immensen CPU-Verbrauch umsetzen könnte. Darüber hinaus war ich zunehmend besorgt über die dramatische Zentralisierung des Internets in den letzten zehn Jahren. Ich hielt es für wichtig, dass wir mit dem Aufbau von Tools und Pl...

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