Entwickler Magazin - Spezial Vol. 26 - GraalVM


Preis: 9,80 €

Erhältlich ab:  November 2020

Umfang:  100

Autoren / Autorinnen: Dominik Mohilo, Karine Vardanyan, Stephan Rauh, Oliver B. Fischer, Chris Thalinger, José Pereda Llamas, Wolfgang Weigend, Lars Hupel, Jonas Hecht, Niko Köbler, Thilo Frotscher, Alex Soto, Michael Simons, Carlos Barragan, Christian Schwörer

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Achtung, es wird biblisch: Laut der Genesis, also dem ersten Buch Mose, versuchten die Babylonier vor unserer Zeit einen Turm zu errichten, der bis in den Himmel reichen sollte. Darüber soll Gott so erzürnt gewesen sein, dass er die Menschheit mit Polyglossie bestrafte. Da keiner mehr die Sprache des jeweils anderen sprach, konnte der Turm nicht fertig gebaut werden, die Welt war wieder im Lot ... auch wenn keiner mehr den anderen verstand.

Kein Programmierer und Entwickler wird behaupten können, dieses Problem nicht zu kennen: Frontend und Backend, Interfaces und Services, Web und mobile – Anwendungen kommen in unterschiedlichsten Formen, Farben und eben auch Sprachen. Manche davon sind monolithisch, manche modulithisch und andere sind in kleine Microservices-Häppchen aufgeteilt, was es zusätzlich erschwert, alles aus einem Material, also in einer Sprache, zu schreiben. Ähnlich wie man einen Turm rein aus einem Material fertigen kann, wird er doch stabiler und fester, wenn für jeden Teil das perfekte Material genommen wird und nicht einfach stumpf für alle architektonischen Bereiche das gleiche.

Was also in der Antike noch als Strafe galt, gilt unter Softwareentwicklern heute schon lange als Wunschvorstellung: Polyglossie. Und genau dort kommt die relativ neue GraalVM ins Spiel. Geschrieben in Java und in den Oracle Labs entwickelt, ist diese virtuelle Maschine in der Lage, Code in einer Vielzahl von Sprachen (von C/C++ über JavaScript bis hin zu JVM- und LLVM-Sprachen) zu verarbeiten. Anwendungen können so, egal ob von biblischem Ausmaß oder in Form eines winzigen Service, aus Programmteilen in unterschiedlichen Sprachen bestehen.

Ein weiterer Vorteil der GraalVM ist die hohe Performance, die sie zunehmend auch für die Welt der Serverless- bzw. Cloud-Technologie und sogar für Edge Computing und das IoT 2.0 interessant macht. Polyglossie als Strafe hat ausgedient und die Verwirrung ist offiziell ausgestanden. Nun wird es Zeit, dieses mächtige Werkzeug gewinnbringend und auf Effizienz getrimmt einzusetzen.

Die GraalVM zeigt einmal mehr, dass die Menschheit es schon immer verstand, aus der Not eine Tugend zu machen. Und auch ist einmal mehr bewiesen, dass wir immer fähig sind, dazuzulernen. Machte man sich früher die Mühe, Funktionalität von einer Sprache in eine andere zu übernehmen, die vielleicht gar nicht dafür geeignet war, ist die Evolution nun einen Schritt weiter und solcherlei Experimente nicht mehr nötig. Jetzt, da man für alle Teile des Softwareturms die entsprechenden Materialien hat, steht einem Bau in den Himmel eigentlich nichts mehr im Wege ...oder?

mohilo_dominik_sw.tif_fmt1.jpgDominik Mohilo, Redakteur Entwickler Magazin Spezial

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