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Kolumne: Knigge für Softwarearchitekten

Kolumne: Knigge für Softwarearchitekten


In der letzten Folge haben Sie den Fahnder kennengelernt, der nach Architektur- oder Codesünden, technischen Schulden, Risiken und ähnlichen Missetaten in bestehenden Systemen sucht. Im zweiten Teil diskutieren wir, wie Fahnder mit den Ergebnissen dieser Suche weiterverfahren sollten.

Kennen Sie die Situation: Eine Ihnen bekannte Familie hat gemeinsam einen Urlaub in der Ferne verbracht. Nach deren Rückkehr fragen Sie Frau, Mann und Kinder getrennt nach ihren jeweiligen Eindrücken. Die jeweiligen Beschreibungen fallen total unterschiedlich aus, sodass Sie fast glauben können, die Befragten wären in Wirklichkeit an völlig verschiedenen Orten gewesen.

Subjektive Wahrnehmung lässt die aus Sicht einer einzelnen Person relevanten Eindrücke in den Vordergrund treten: Was einem Menschen als positive Eigenschaft besonders auffällt, bemerkt ein anderer erst gar nicht. Die Windsurferin wird den starken Wind ausführlich loben, ihr sonnenanbetender Partner sich über die ständige Brise beschweren (Ähnlichkeit zu mit den Autoren verwandten Personen ist beabsichtigt).

Lassen Sie uns zunächst mal zusammenfassen, was wir als Ergebnisse einer Fahndung nach Softwaresünden erwarten.

Fahndungsziel: Maßnahmenkatalog

Entgegen der kriminalistischen Fahndung geht es uns bei den Softwaresünden primär um Möglichkeiten, die gefundenen Probleme und Risiken möglichst einfach, kostengünstig und nachhaltig zu beseitigen: Wir möchten priorisierte und in Geld/Aufwandseinheiten bewertete Maßnahmen erarbeiten, mit denen sich die betreffende Software systematisch verbessern lässt.

Die in der letzten Folge beschriebenen Sünden (Architektur-, Code-, Prozess-, Management- und andere Sünden) dienen lediglich als Ausgangspunkt, solche konstruktiven Maßnahmen zu definieren. Nur in Ausnahmefällen möchten wir „Schuldige“ oder „Täter“ als solche identifizieren (um ihnen hoffentlich helfen zu können, aus ihren Fehlern zu lernen).

Bevor wir uns um Abhilfemaßnahmen kümmern können, müssen wir allerdings unsere gefundenen Spuren und Hinweise gründlich überprüfen, an ihnen rütteln und die Spreu vom Weizen trennen.

Sachdienliche Hinweise und Ablenkungsmanöver

Sie haben als Softwarefahnder unterschiedliche Aussagen und Spuren erhalten. Einige davon werden identische Sachverhalte betreffen („alle Befragten beschwerten sich über den zu langsamen CI-Server“), andere werden sich widersprechen (Zeuge A antwortet auf eine Frage mit Ja, Zeuge B auf dieselbe Frage mit Nein).

Manche Ihrer Zeugen lenken, bewusst oder...

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