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Das User Interface im Wandel - Teil 1

Veränderung ist das einzig Beständige


Das User Interface einer Applikation ist die zentrale Kommunikationsschnittstelle zwischen Technik und Anwender. Für die Gestaltung der Benutzerschnittstelle braucht es heute umfassende Kenntnisse in Fragen des Designs, der Ästhetik, der Psychologie usw. Auch konzeptionell entwickelt sich die Art der Benutzerführung immer weiter.

Die Benutzeroberfläche einer Software ist i. d. R. die einzige Stelle, mit der der Anwender in Berührung kommt. In das „Innere“ einer Applikation kann man im laufenden Betrieb nicht schauen, lediglich die Schnittstelle zur Interaktion ist offengelegt und für den Anwender zugänglich. Eine Vielzahl von Aspekten ist bei der Gestaltung zu berücksichtigen. Beispielsweise ist zu klären, auf welche Art und Weise die Interaktion erfolgt. Als Entwickler mag man dabei sofort an die grafischen Interfaces denken, die heute der Standard für Businessanwendungen sind. Jedoch gibt es eine Reihe weiterer Möglichkeiten zur Gestaltung der Kommunikationsschnittstelle. Beginnend bei der Eingabe von Befehlen bis hin zu KI-gestützter Spracheingabe oder der Interaktion mittels Gesten reicht das Spektrum. Als Entwickler von Applikationen mit der Programmiersprache Java liegt unser Fokus im Moment sehr häufig auf Unternehmensanwendungen. Hier erfolgt die Bedienung meist traditionell mit Tastatur und Maus, aber auch neuere Ansätze bahnen sich nach und nach den Weg in die Geschäftswelt.

In dieser Artikelserie nehmen wir uns des Themas an und wollen uns sowohl konzeptionell als auch technisch einen Überblick verschaffen. Im ersten Artikel beginnen wir mit einer Zeitreise zur Entwicklung der Benutzeroberflächen und werden dabei feststellen, dass einige Dinge noch heute hochaktuell sind. Der Blick in die Zukunft ist dabei voller spannender Projekte. Einige Ansätze finden schon den Weg in die Praxis, andere bleiben zunächst eine Vision.

Eines steht definitiv fest: Die Entwicklung der Benutzerschnittstelle nimmt einen immer größer werdenden Stellenwert im gesamten Softwareentwicklungszyklus ein. Statt „nebenbei“ im laufenden Entwicklungsprozess und durch den Softwareentwickler erledigt, wird diesem Teilschritt immer mehr Bedeutung zugemessen. Historisch hätte man die mit der Gestaltung der Benutzerschnittstelle einhergehenden Aufgaben irgendwo zwischen Anforderungsanalyse und Entwurf eingeordnet. Dazu ist das Thema jedoch viel zu wichtig. Folgerichtig sollte dem Konzept, dem Entwurf, der Erprobung durch den Nutzer und letztlich der technischen Umsetzung ein eigener umfassender Bearbeitungsschritt zugedacht werden (Abb. 1).

krypczyk_bochkor_interface_1_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Einordnung des Designs in den Softwareentwicklungszyklus

Fachleute für Design müssen über ein vielfältiges Portfolio an Kenntnissen verfügen, u. a. aus den Bereichen Ästhetik und Psychologie. Statt bloßem Bauchgefühl und Trial-and-Error-Verfahren kommen heute Ansätze aus der User-Experience-(UX-)Design-Research zum Einsatz. Diese beziehen wiederum ihr Potenzial und die notwendigen Erkenntnisse u. a. aus den Methoden der modernen Marktforschung. Die Technik will selbstverständlich auch beherrscht werden, ist jedoch zunächst nur zweitrangig.

In den folgenden Textabschnitten wollen wir die Entwicklung der Benutzerschnittstelle im historischen Zeitablauf nachzeichnen. Was zunächst wie eine Geschichtsstunde aussieht, führt schnell zur Erkenntnis, dass auch der heutige Stand – also primär die aktuell eingesetzte grafische Form des User Interface – nur ein Meilenstein auf dieser stetig fortschreitenden Entwicklung ist. Künftig werden wir wahrscheinlich vollständig anders mit der Technik in Interaktion treten, als wir es heute bereits täglich tun. Grundsätzlich kann die Entwicklung des User Interface anhand von folgenden Meilensteinen nachgezeichnet werden:

  • Command Line Interface (CLI)

  • Graphical User Interface (GUI)

  • Natural User Interface (NUI)

  • Voice User Interface (VUI)

  • Organic User Interface (OUI)

krypczyk_bochkor_interface_1_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Meilensteine der User-Interface-Entwicklung

Auf die genannten Meilensteine (Abb. 2) werden wir gleich umfassender eingehen. Wir erkennen unmittelbar, dass die Entwicklung kontinuierlich vorangeht. Unverändert bleiben jedoch die Grundsätze, die das Fundament einer guten Benutzerschnittstelle ausmachen. Im Fokus steht nach wie vor das Ziel einer maximalen Benutzerfreundlichkeit. Unter Benutzerfreundlichkeit versteht man eine einfache Handhabbarkeit der Programme. Die Bedienung muss nicht oder kann sehr einfach erlernt werden. Sie richtet sich nach den Denk- und Arbeitsweisen der Anwender. Die Usability ist ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz und damit den Erfolg einer Software. Das User Interface soll möglichst klar strukturiert und beschrieben sein. Das betrifft sowohl die Inhalte als auch die Elemente zur Navigation und Bedienung. Die „goldenen Regeln“ wurden von Ben Shneiderman bereits im Jahr 1986 niedergeschrieben. Sie sind universell und haben ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren. Es lohnt sich, einen Blick auf diese Regeln zu werfen (Kasten: „Die Goldenen Regeln des User-Interface-Designs“).

Die Goldenen Regeln des User-Interface-Designs

Eine gute Benutzerschnittstelle geht auf den Anwender zu und holt diesen ab. Einige Regeln sollte man stets beachten [1]:

  • Universelle Bedienbarkeit: Die Anwendung sollte durch jeden Benutzer schnell und einfach bedient werden können. Die Anforderungen verschiedener Benutzertypen sollten rechtzeitig erkannt und umgesetzt werden. Ein Experte bedient eine Software anders als ein Anfänger. Beispielsweise kann mit unterschiedlichen Betriebsmodi gearbeitet werden. Ein gutes Beispiel ist die Bedienung einer Steuersoftware. Der Gelegenheitsanwender möchte ggf. gern mit Hilfe eines Assistenten durch den gesamten Prozess geführt werden, während der versierte Steuerexperte lediglich einige Daten eintragen möchte und durch diesen Overhead nur genervt wäre.

  • Konsistenz: Es ist sinnvoll, die Abläufe in ähnlichen Situationen konsistent zu lassen, das kann zum Beispiel die Anordnung bestimmter Elemente der Oberfläche wie Buttons usw. betreffen. Es gilt, die Elemente so anzuordnen, dass diese an der erwarteten Position sind. Der Anwender sollte auf keinen Fall danach suchen müssen.

  • Informative Rückmeldung: Es ist wichtig, Feedback über die laufenden Funktionen oder den Systemstatus zu sammeln und diese Informationen an den Anwender weiterzugeben. Ein Buchungssystem, das gerade die aktuell verfügbaren Flüge ermittelt, muss diesen Arbeitsstand mitteilen. Dauert der Vorgang einige Augenblicke, dann weiß der Anwender auch, dass sich seine Geduld lohnt.

  • Abgeschlossene Dialoge: Es soll dem Benutzer klar sein, wann eine Aktion, Funktion oder Befehlskette gestartet wird und wann sie abgeschlossen ist. Zum Beispiel ist es bei einem Onlineshop sinnvoll, den Vorgang mit einer Bestätigungsseite zu beenden, wonach die Transaktion vollständig abgeschlossen ist. Sind es mehrere Schritte, dann ist der Fortschritt möglichst zu visualisieren.

  • Einfache Fehlerbehebung: Bei einer Fehlermeldung sollten nach...

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