Java Magazin - 12.2015 - Technische Schulden


Preis: 9,80 €

Erhältlich ab:  November 2015

Umfang:  100

Autoren / Autorinnen: Niko Köbler, Thorben Janssen, Anatole Tresch, Sebastian Meyen, Dierk König, Arno Haase, Michael Müller, Frank Wisniewski, Lars Pfannenschmidt, Tobias Ullrich, Sven Kölpin, Lars Röwekamp, Gerrit Brehmer, Carola Lilienthal, Oliver Wronka, Daniel Takai, Angelika Langer, Klaus Kreft, Sven Hofrichter, Dominik Obermaier, Stefan Toth, Peter Roßbach, Gabriele Heimann, Sebastian Rothbucher, Holger Endres, Michael Gruczel

Der Herbst hat wieder einige interessante Gerüchte zur Zukunft Javas hervorgebracht. Rechtzeitig vor der JavaOne (die ja in dem Moment, da Sie dieses Heft in Händen halten, schon wieder vorüber sein wird) kolportierten mehrere Medien, dass Oracle beginne, sein Interesse an Java zu verlieren. Genauer gesagt: an seiner Rolle als „Steward of Java“, wie sich die Ellison-Company (bislang) gerne bezeichnet.

Nun ist es so, dass bei Oracle seit einem guten Jahr nicht mehr Gründer Larry Ellison regiert, sondern die reinen Businessleute Mark Hurd und Safra Catz. In diesem Zusammenhang würde es nicht verwundern, wenn in dem Unternehmen so manches auf den Prüfstand gestellt würde – so eventuell auch die Weiterentwicklung von Java.

Im Oktober 2014 hat die Oracle-Führung außerdem ihre neue Cloud-Strategie vorgestellt, die zur tragenden Säule für das Unternehmen werden soll – knapp zehn Jahre nachdem Amazon mit AWS debütierte. Hinzukommt, dass der allgemeine Trend zur Cloud für Java noch eine ganz andere Konsequenz haben könnte: Je höherwertiger die Services sind, die von den Cloud-Plattformen angeboten werden und je deutlicher diese ihre Komfort- und Kostenvorteile für Entwickler und Operations-Leute ausspielen, desto mehr gerät die Idee offener Standards, die ja stets zum Markenkern Javas gehörte, in den Hintergrund. Machen wir uns nichts vor: Die beeindruckenden Produktivitätsvorteile der Clouds werden in Zukunft zumindest teilweise durch einen höheren „Vendor Lock-in“, den die Java-Welt ja stets wie der Teufel das Weihwasser scheute, erkauft werden.

Java befindet sich indes mittlerweile in einem „Maintenance Mode“ – die Zeiten furioser Innovationsfeuerwerke ist vorüber. Das macht aber auch seinen Reiz aus, denn als stabile technische Grundlage (für deren Konsolidierung und Weiterentwicklung sich Oracle ohne Zweifel verdient gemacht hat!) versetzt es innovative Firmen in die Lage, ihre Erfindungen auf eine erprobte – und immer noch coole! – Plattform zu stellen.

Als Plattform und nicht nur als Programmiersprache betrachtet, ist Java mit das Ausgereifteste, was die Softwareindustrie zu bieten hat. Es bildet das Betriebssystem für so viele kleine und große Unternehmen weltweit, dass ein Stillstand nicht denkbar wäre. Selbst ganze Staaten, multinationale Organisationen oder militärische Allianzen vertrauen ihr Geschäft Java an.

Java ist „too big to fail“. Darum wird die Geschichte Javas weitergehen, was auch immer Oracle in nächster Zeit entscheiden sollte (wohlgemerkt: zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen ist noch gar nichts entschieden).

Blicken wir also optimistisch und in vollem Vertrauen auf die Innova­tionskraft des gesamten Ökosystems in die Zukunft von Java!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wunderschöne Feiertage und einen kraftvollen Start ins nächste Java-Jahr!

meyen_sebastian_sw.tif_fmt1.jpgSebastian Meyen, Chefredakteur

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