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Java Magazin
Domain Storytelling bringt Fachexperten und Entwickler zusammen

Von Bildergeschichte zu Fachsprache

Wer in der Softwareentwicklung über fachliche Anforderungen sprechen will, tut das am besten in einer Sprache, die Fachexperten verstehen. Dafür müssen Entwickler, Product Owner und Anforderungsermittler Fachsprache lernen. Wir wollen eine Interview- und Modellierungstechnik vorstellen, die dabei hilft, eine Domäne zu verstehen und Fachsprache zu lernen.

Henning Schwentner, Stefan Hofer


Hans betreibt ein kleines Arthouse-Kino, das unter Cineasten einen hervorragenden Ruf genießt. Vorführungen werden oft durch Filmanalysen ergänzt. Lokales Craft-Bier rundet das Kinoerlebnis ab. Eines Tages begegnet Hans seiner Schulfreundin Anna. Als er erfährt, dass Anna seit fast zehn Jahren Apps entwickelt, kommt ihm eine Idee.

Hans: „Meine Kunden mögen den altmodischen Charme meines Kinos. Aber keiner hat Lust, drei Tage vor einer Vorstellung an die Kasse zu kommen und Karten zu kaufen. Und dann gibt’s lange Gesichter, wenn eine Vorstellung ausverkauft ist. Kannst du nicht eine App für mich entwickeln?“

Anna: „Ein Kinosaal, zwei bis drei Vorführungen pro Tag, Karten verkaufen. Klingt machbar.“

Hans: „Super! Aber eine Kleinigkeit noch: Wir haben auch Vorträge von Filmkritikern im Programm. Und die Abendkasse brauche ich schon noch, komplett auf die App zu setzen ist mir dann doch zu riskant. Aber die Abos würde ich schon gern über die App verwalten.“

Anna: „Abos? Vorträge? Abendkasse? Das ist ja komplizierter als gedacht...“

Am nächsten Tag treffen sich die beiden wieder. Sie stehen vor einem Whiteboard, Anna hält einen Whiteboardmarker in der Hand.

Anna: „Ich hab gestern verstanden, dass die App im Wesentlichen drei Anwendungsfälle hat: Abos verkaufen, Einzeltickets verkaufen und Tickets für Vorträge verkaufen.“

Hans: „Äh, ja, das klingt gut.“

Anna: „Ich würde gern verstehen, wie du heute arbeitest. Die App muss ja schließlich in deine Arbeitsabläufe reinpassen. Wollen wir vielleicht mal mit dem Ticketverkauf an der Abendkasse anfangen?“

Hans: „Das ist einfach. Man verkauft die Karten und streicht den Sitzplatz aus dem Saalplan und…“

Anna: „Warte mal. Wer verkauft die Karten?“

Hans: „Ich habe zwei Studenten, die bei mir jobben. Aber manchmal mach ich das auch selbst.“

Anna: „Okay, aber welche Rolle hast du dann?“

Hans: „Ach so, bei uns heißt das Kartenverkäufer.“

Anna malt ein Männchen an das Whiteboard und schreibt „Kartenverkäufer“ darunter (Abb. 1).

Abb. 1: Hans‘ Rolle ist „Kartenverkäufer“

Anna: „Und wer kauft die Karten?“

Hans: „Ein Besucher. Also einer ohne Abo.“

Anna malt ein zweites Männchen und nennt es „Besucher“. Am Rand notiert sie, dass der Besucher kein Abo hat (Abb. 2).

Abb. 2: Der „Besucher“ hat kein Abo

Anna: „Was muss ich als Besucher tun, um eine Karte zu kaufen?“

Hans: „Du sagst dem Kartenverkäufer, welche Vorstellung du sehen willst. Also welchen Film an welchem Tag und welcher Zeit. Und wie viele Karten du haben willst.“

Anna: „Ich male hier eine Sp...

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Domain Storytelling bringt Fachexperten und Entwickler zusammen

Von Bildergeschichte zu Fachsprache

Wer in der Softwareentwicklung über fachliche Anforderungen sprechen will, tut das am besten in einer Sprache, die Fachexperten verstehen. Dafür müssen Entwickler, Product Owner und Anforderungsermittler Fachsprache lernen. Wir wollen eine Interview- und Modellierungstechnik vorstellen, die dabei hilft, eine Domäne zu verstehen und Fachsprache zu lernen.

Henning Schwentner, Stefan Hofer


Hans betreibt ein kleines Arthouse-Kino, das unter Cineasten einen hervorragenden Ruf genießt. Vorführungen werden oft durch Filmanalysen ergänzt. Lokales Craft-Bier rundet das Kinoerlebnis ab. Eines Tages begegnet Hans seiner Schulfreundin Anna. Als er erfährt, dass Anna seit fast zehn Jahren Apps entwickelt, kommt ihm eine Idee.

Hans: „Meine Kunden mögen den altmodischen Charme meines Kinos. Aber keiner hat Lust, drei Tage vor einer Vorstellung an die Kasse zu kommen und Karten zu kaufen. Und dann gibt’s lange Gesichter, wenn eine Vorstellung ausverkauft ist. Kannst du nicht eine App für mich entwickeln?“

Anna: „Ein Kinosaal, zwei bis drei Vorführungen pro Tag, Karten verkaufen. Klingt machbar.“

Hans: „Super! Aber eine Kleinigkeit noch: Wir haben auch Vorträge von Filmkritikern im Programm. Und die Abendkasse brauche ich schon noch, komplett auf die App zu setzen ist mir dann doch zu riskant. Aber die Abos würde ich schon gern über die App verwalten.“

Anna: „Abos? Vorträge? Abendkasse? Das ist ja komplizierter als gedacht...“

Am nächsten Tag treffen sich die beiden wieder. Sie stehen vor einem Whiteboard, Anna hält einen Whiteboardmarker in der Hand.

Anna: „Ich hab gestern verstanden, dass die App im Wesentlichen drei Anwendungsfälle hat: Abos verkaufen, Einzeltickets verkaufen und Tickets für Vorträge verkaufen.“

Hans: „Äh, ja, das klingt gut.“

Anna: „Ich würde gern verstehen, wie du heute arbeitest. Die App muss ja schließlich in deine Arbeitsabläufe reinpassen. Wollen wir vielleicht mal mit dem Ticketverkauf an der Abendkasse anfangen?“

Hans: „Das ist einfach. Man verkauft die Karten und streicht den Sitzplatz aus dem Saalplan und…“

Anna: „Warte mal. Wer verkauft die Karten?“

Hans: „Ich habe zwei Studenten, die bei mir jobben. Aber manchmal mach ich das auch selbst.“

Anna: „Okay, aber welche Rolle hast du dann?“

Hans: „Ach so, bei uns heißt das Kartenverkäufer.“

Anna malt ein Männchen an das Whiteboard und schreibt „Kartenverkäufer“ darunter (Abb. 1).

Abb. 1: Hans‘ Rolle ist „Kartenverkäufer“

Anna: „Und wer kauft die Karten?“

Hans: „Ein Besucher. Also einer ohne Abo.“

Anna malt ein zweites Männchen und nennt es „Besucher“. Am Rand notiert sie, dass der Besucher kein Abo hat (Abb. 2).

Abb. 2: Der „Besucher“ hat kein Abo

Anna: „Was muss ich als Besucher tun, um eine Karte zu kaufen?“

Hans: „Du sagst dem Kartenverkäufer, welche Vorstellung du sehen willst. Also welchen Film an welchem Tag und welcher Zeit. Und wie viele Karten du haben willst.“

Anna: „Ich male hier eine Sp...

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