Sind Benutzerbedürfnisse die wahren Anforderungen?

Für den Benutzer

Dirk Schüpferling, Monika Popp


Schlechte Usability liegt am häufigsten daran, dass die Entwickler die zukünftigen Benutzer und ihre Bedürfnisse und Verhaltensweisen gar nicht kennen. Sie wissen nicht, wie, warum und in welcher Umgebung Menschen Systeme überhaupt benutzen. Dazu kommt auch, dass die Disziplin Requirements Engineering oft als reine Ermittlung von Funktionalitäten eines Systems betrachtet wird. Wird der Fokus zu früh auf die Systemfunktionalitäten gelegt, wird der Usability-Aspekt häufig vernachlässigt. Diese Problemstellung kann mithilfe einer systematischen Integration von Usability-Engineering-Methoden in das Requirements Engineering gemildert werden (im Weiteren auch als „kombinierte Variante“ bezeichnet). Eine Möglichkeit dazu besteht darin, die Benutzer genau zu analysieren, ihre Bedürfnisse und Verhaltensweisen zu extrahieren, um daraus anschließend Anforderungen an das System abzuleiten (Abb. 1).

Abb. 1: ­Ablauf­diagramm zum Ermitteln benutzerzentrierter Anforderungen

Um das Ganze nicht so abstrakt zu beschreiben nun ein Beispiel. Für eine Restaurantkette soll ein System entwickelt werden, das die Tätigkeiten des Kellners größtenteils ersetzt (z. B. Bestellung entgegennehmen, Weinempfehlung aussprechen). Neben den Tätigkeiten des Kellners soll das System auch administrative Tätigkeiten der weiteren Angestellten systemisch unterstützen (z. B. Lebensmittel bestellen, Urlaub planen).

Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Benutzer

Im klassischen Requirements Engineering werden alle Stakeholder (Projektbeteiligte) mithilfe der Stakeholder-Checkliste ermittelt und befragt, da eine unvollständige Stakeholder-Analyse zu einer lückenhaften Anforderungsspezifikation führen kann. Die Stakeholder im Restaurantbeispiel sind zum einen die Mitarbeiter des Restaurants sowie alle Gäste, aber auch Wartungskräfte und Entwickler. Bei der Befragung der Stakeholder im klassischen Requirements Engineering wird der Fokus meist weniger auf die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Benutzer, als auf Systemanforderungen gelegt.

Anders dagegen das Vorgehen im Usability Engineering. Dort werden zu Beginn der Systementwicklung Markt- und Designforschung betrieben. Denn bevor ein Produkt den Kundenwünschen nach entwickelt werden kann, müssen erst verschiedene Daten der potenziellen und tatsächlichen Benutzer des Produkts vorliegen. So steht in der so genannten Research-Phase (Forschungsphase) die Suche nach Bedürfnissen, Ansichten und Zielen der Benutzer im Mittelpunkt [1]. Auf das Restaurantsystem b...

Sind Benutzerbedürfnisse die wahren Anforderungen?

Für den Benutzer

Dirk Schüpferling, Monika Popp


Schlechte Usability liegt am häufigsten daran, dass die Entwickler die zukünftigen Benutzer und ihre Bedürfnisse und Verhaltensweisen gar nicht kennen. Sie wissen nicht, wie, warum und in welcher Umgebung Menschen Systeme überhaupt benutzen. Dazu kommt auch, dass die Disziplin Requirements Engineering oft als reine Ermittlung von Funktionalitäten eines Systems betrachtet wird. Wird der Fokus zu früh auf die Systemfunktionalitäten gelegt, wird der Usability-Aspekt häufig vernachlässigt. Diese Problemstellung kann mithilfe einer systematischen Integration von Usability-Engineering-Methoden in das Requirements Engineering gemildert werden (im Weiteren auch als „kombinierte Variante“ bezeichnet). Eine Möglichkeit dazu besteht darin, die Benutzer genau zu analysieren, ihre Bedürfnisse und Verhaltensweisen zu extrahieren, um daraus anschließend Anforderungen an das System abzuleiten (Abb. 1).

Abb. 1: ­Ablauf­diagramm zum Ermitteln benutzerzentrierter Anforderungen

Um das Ganze nicht so abstrakt zu beschreiben nun ein Beispiel. Für eine Restaurantkette soll ein System entwickelt werden, das die Tätigkeiten des Kellners größtenteils ersetzt (z. B. Bestellung entgegennehmen, Weinempfehlung aussprechen). Neben den Tätigkeiten des Kellners soll das System auch administrative Tätigkeiten der weiteren Angestellten systemisch unterstützen (z. B. Lebensmittel bestellen, Urlaub planen).

Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Benutzer

Im klassischen Requirements Engineering werden alle Stakeholder (Projektbeteiligte) mithilfe der Stakeholder-Checkliste ermittelt und befragt, da eine unvollständige Stakeholder-Analyse zu einer lückenhaften Anforderungsspezifikation führen kann. Die Stakeholder im Restaurantbeispiel sind zum einen die Mitarbeiter des Restaurants sowie alle Gäste, aber auch Wartungskräfte und Entwickler. Bei der Befragung der Stakeholder im klassischen Requirements Engineering wird der Fokus meist weniger auf die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Benutzer, als auf Systemanforderungen gelegt.

Anders dagegen das Vorgehen im Usability Engineering. Dort werden zu Beginn der Systementwicklung Markt- und Designforschung betrieben. Denn bevor ein Produkt den Kundenwünschen nach entwickelt werden kann, müssen erst verschiedene Daten der potenziellen und tatsächlichen Benutzer des Produkts vorliegen. So steht in der so genannten Research-Phase (Forschungsphase) die Suche nach Bedürfnissen, Ansichten und Zielen der Benutzer im Mittelpunkt [1]. Auf das Restaurantsystem b...

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