Retrospektive: Java Magazin 10.2005

Retrospektive: JSF vs. Struts


Die Ausgabe 10.2005 stand ganz im Zeichen vom damals immer stärker aufkommenden JSF. Bis dahin war Struts bei vielen das Webframework erster Wahl, sofern sie sich nicht selbst ein solches geschnitzt hatten. Derartige Eigenentwicklungen waren gar nicht so unüblich, obwohl es bereits Webframeworks wie Sand am Meer gab. Aber die ständige Neuerfindung des Rads gehört nun einmal genauso zu unserer Branche wie die Nullen und Einser. Struts galt laut Chefredakteur Sebastian Meyen als Erlöser und verbreitete sich deshalb relativ rasch. Auch in dem Unternehmen, in dem ich damals tätig war, wurde es eingesetzt. Mich verband damit stets eine gewisse Hassliebe, denn es war meiner Meinung nach nicht besonders intuitiv. Doch dann kam JSF – und die nächste Evolutionsstufe in Sachen Java-Webentwicklung war erreicht. Die Struts-Verantwortlichen sollten jedenfalls mit ihrer damaligen Vorhersage „JSF gehört die Zukunft!“ Recht behalten.

Heute ist JSF die Standardtechnologie für die Entwicklung von Webapplikation innerhalb der Java Enterprise Edition und weit verbreitet. Aufbau und Architektur sind auch recht ordentlich gelungen, lediglich mit einigen neueren Features kann ich mich (noch) nicht anfreunden. So schreckt es mich jedes Mal, wenn ich #{flash.keep...} lese. Und hinsichtlich der Faces Flows wird auch noch viel Überzeugungsarbeit notwendig sein, damit ich sie – und vor allem ihre Umsetzung – ins Herz schließe. In einem der Artikel zum Titelthema stellte Andy Bosch IDEs und Werkzeuge für JSF vor und meinte, dass die Technologie bereits recht gut unterstützt werden würde. Leider sind wir niemals über eine Unterstützung hinausgekommen. Von der Vision, dass die Webdesigner gleich direkt JSPs oder Facelets erstellen, sind wir jedenfalls meilenweit entfernt. Stattdessen erstellen jene statische Webseiten, die dann von den Entwicklern mühsam in die jeweilige View-Technologie portiert werden müssen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass wir im letzten Jahrzehnt in Sachen Applikationsentwicklung deutlich vom Weg abgekommen sind, denn interaktive Anwendungen auf Basis der bestehenden Webtechnologien zu erstellen, ist einfach mühsam. Mit HTML5 wurden zwar die Fähigkeiten des Browsers deutlich erweitert, aber erst ein Webframework wie JSF hebt den Entwicklungsprozess auf ein erträgliches Level.

Ein weiterer interessanter Artikel beschäftigte sich damit, warum so viele Softwareentwicklungsprojekte scheitern. Die Autoren stellten fest, dass sich die Entwickler viel lieber Gedanke...

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