Kolumne: Die flinke Feder

Delete!


Ach, hätte man genug Platz um das vorvorletzte Handy oder das spannende, aber ausgelesene Buch aufzubewahren. Für später, für irgendwann. Leider habe ich schon genug Zeug herumliegen, also weg damit. Keine Gedanken muss ich mir hingegen darum machen, was mit den ganzen Informationen passiert, die ich den ganzen Tag erzeuge: Meine Körpertemperaturkurve, die um ein Zehntel Grad über den Tag schwankt; den Director’s Cut meines Lebens, den meine Augen sehen; die Wege, die ich durch Zimmer, Stadt und Land zurücklege und die seismographischen Resonanzen, die dabei erzeugt werden. Man stelle sich nur vor, diese ganzen Informationen würden aufgezeichnet und gespeichert. Wie absurd, wofür sollte das gut sein?

Themenwechsel. Im Sommer 2011 ging das Unternehmen Hortonworks an den Start, deren Geschäft auf dem Big-Data-Produkt Apache Hadoop [1] aufbaut. Im Firmen-Manifesto [2] stellt der Gründer Eric Baldeschwieler eine These auf: „We believe that more than half of the world’s data will be stored in Apache Hadoop within five years.“ Also schon 2016 sei die Hälfte aller Daten in Hadoop abgelegt. Klingt das nicht unglaublich, sogar unmöglich?

Glauben wir Eric Schmidt [3], so werden auf der Welt derzeit in zwei Tagen so viele Bits und Bytes erzeugt, wie vom Anfang der Zivilisation bis 2003. Nämlich fünf Exabyte, innerhalb von nur 48 Stunden. Wie sollte man das so genau messen können? Sonntags werden sicher wesentlich weniger Daten erzeugt als Freitags – man schaue sich nur auf Facebook den „Thank god its Friday!“-Jubel an! Was Schmidt damit wahrscheinlich vereinfacht sagen will: Die Menge der gespeicherten Digitalinformation wächst exponentiell. Das könnte hinkommen. Es würde gleichzeitig bedeuten, dass schon in einem halben Jahr während zweier Tage wesentlich mehr Daten erzeugt werden als heute noch. Die Exponentialfunktion ist da wirklich sehr konsequent, da kommt es auf das eine oder andere Exabyte heute gar nicht an. Ein Exabyte sind übrigens 1018 Byte oder 1 Million Terabyte.

Warum ist das realistisch? Fotografieren ist allgegenwärtig, und die Auflösung von bewegten und stehenden Bildern steigt in immer neue Pixelhöhen. Wir bewegen uns in der digitalen Welt auf einem Teppich aus Log-Daten. Jeder HTTP-Request ein Log-Eintrag. Jeder Wechsel der Mobilfunkzelle ein neues Puzzlestück im Bewegungsmuster. Jede Bewegung vor der Überwachungskamera eine Sequenz neuer Bilder, übertragen und gespeichert. Irgendwann können wir unser Langzeitgedächtnis komplett in die Cloud ver...

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