Java Magazin - 06.2013 - Scala & Akka


Preis: 9,80 €

Erhältlich ab:  Mai 2013

Umfang:  100

Autoren / Autorinnen: Tom Hombergs, Benjamin Schupp, Patrick Pfister, Arne Limburg, Lars Röwekamp, Bernhard Löwenstein, Rich Manalang, Kai Spichale, Dominik Helleberg, Danny Preußler, Sascha Möllering, Tom Wießeckel, Claudia Fröhling, Christoph Ebert, Jürgen Lampe, Mathias Doenitz, Andy Bosch, Christian Brandenstein, Sandro Sonntag, Wolf-Dieter Fink, Christoph Strobl, Heiko Seeberger, Arno Haase, Sebastian Meyen, Michael Müller

Vor einem Jahr fand der Patentstreit zwischen Oracle und Google wegen der Verwendung von Java-APIs in Android ein vorläufiges Ende, und zwar durch den Richterspruch von William Alsup, dem zufolge APIs nicht mit einem Copyright zu belegen seien. Nun geht Oracle in die Berufung und beabsichtigt offenbar, gemeinsam mit Microsoft und IBM, den Kern dieses Urteils unter Beschuss zu nehmen.

Als Reaktion auf diese Entwicklung hat Kohsuke Kawaguchi, Gründer des populären Build-Management-Werkzeugs Jenkins, eine Petition gestartet, um genau dieses zu verhindern: Copyrights auf APIs. Kern seiner Argumentation: „Our economy will be more competitive when people can switch providers using compatible APIs. Thus it is important to protect the openness of APIs and the freedom of software developers to provide alternative implementations.“

Kohsuke und weitere Unterstützer der Aktion argumentieren, dass Copyrights nur den großen Softwareherstellern, nicht aber den kleineren Anbietern und schon gar nicht den Anwendern von Nutzen seien. In einer Welt, die zunehmend durch die Nutzung von Open-Source-Komponenten bzw. von gehosteten Cloud-Angeboten (PaaS, SaaS) geprägt ist, sprich: in der das weltweite Web das vorrangige Betriebssystem für Geschäftsmodelle darstellt, bedeutet das Schützen von Schnittstellen ein gewaltiges Innovationshemmnis.

Samba mit Lambda

Gute Software zu bauen, ist bekanntlich nicht einfach. Gute Software „pünktlich“ zu releasen, ist eine Herausforderung. Java 8 zu releasen – eine Kunst, die kaum einer beherrscht? Als vor zwei Jahren Java 7 erschien, war dies ein gutes Zeichen, signalisierte es doch, dass es wieder vorangeht in der Java-Welt, vor allem durch invokedynamic. Gewiss, einige wichtige Elemente, die eigentlich für dieses Release geplant waren, mussten auf Java 8 verschoben werden, das aber nur ein Jahr später folgen sollte.

Aber Java 8 kam nicht wie angekündigt ein Jahr später, und auch eine weitere Verschiebung um ein halbes Jahr konnte nicht eingehalten werden, sodass schließlich der Sommer 2013 anvisiert worden war. Daraus wird nun abermals nichts. Mark Reinhold hat sich an die Öffentlichkeit gewandt und in lobenswerter Offenheit bekannt gegeben, dass die Features, die so wichtig für die Modernisierung der Plattform gewesen wären, nicht pünktlich fertig gestellt werden können.

Gewiss, niemand wäre daran interessiert, ein unvollständiges Release nur um des Termins willen zu verfolgen, und alle begrüßen gewiss Oracles Wille, Substanz zu liefern. Doch fragen wir uns schon, warum es immer wieder nicht gelingt, so wichtige Releases einer Plattform, auf die sich eine so große Industrie verlässt, auf den Weg zu bringen.

In seinem Blog vom 18. April schreibt Reinhold, dass es vor allem an den Securityproblemen von Java liege, dass andere Arbeiten liegen geblieben seien. Diese habe man zuerst fixen müssen. Allerdings schreibt er, wenn man genauer hinsieht: „It’s one of the reasons …“ (http://mreinhold.org/blog/secure-the-train).

Offenbar fehlen dem Team genügend oder ausreichend kompetente Mitarbeiter, was zur Folge hat, dass so wichtige Themen wie „Security“ und „Modernisierung der Plattform“ nicht parallel abgearbeitet werden können. Zugleich arbeiten über hundert Entwickler an JavaFX, und dies mit hoher Schlagzahl und Effizienz; hat da einer die Community gefragt, ob sie dieser Prioritätensetzung überhaupt zustimmt?

Andere Kommentatoren merken an, dass die in der Öffentlichkeit so imageschädigenden Securityprobleme von Java einzig auf die Applets sowie auf Java Web Start – also Java im Browser – basieren; da stellt sich die Frage, ob wir diese Konzepte aus den 1990er bzw. den frühen 2000er Jahren wirklich noch brauchen. Basiert Ihr Geschäft etwa noch auf Java-Applets? Oder benötigen Sie vielmehr eine Plattform, die modern, modular und hochproduktiv sein sollte?

Generell besteht kein Grund zur Panik. Wenn es der beste Weg ist, Java 8 zu verschieben, um ein Release mit Qualität und Substanz zu schaffen, soll uns das recht sein. Aber ein Anlass, um weiter über Transparenz und Effizienz bei der Weiterentwicklung und Pflege der Plattform nachzudenken, sollte die neuerliche Verschiebung schon sein. Halten wir’s einstweilen aber mit dem ewigen Oracle-Kritiker Stephen Colebourne, der auf Twitter nur lapidar kommentierte: „It’ll be a while yet before we can samba with project lambda.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Java-Frühling und viel Spaß mit der vorliegenden Ausgabe!

meyen_sebastian_sw.tif_fmt1.pngSebastian Meyen, Chefredakteur

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