© eamesBot/Shutterstock.com
Ein Kommentar

Ein Jahr IT in der Krise


Dies ist ein Kommentar zur weiterhin fortdauernden Corona-Pandemie, sozusagen das Corona-Pandemic-Special im Java Magazin. Allerdings spiegelt der Artikel lediglich meine persönliche Meinung und Sicht der Dinge und nicht die des Java Magazins wider. Ich bin froh, dass das Java Magazin diesem Artikel einen Platz einräumt. Nicht nur, weil es kein technischer Artikel ist, sondern weil am Ende doch Vieles rund um das Thema Corona für erbitterte Diskussionen sorgt. Die meisten Diskussionen dieser Art sind mir zum Glück in meinem direkten Umfeld erspart geblieben, aber leider habe ich dennoch von mehr als einem Fall gehört, in dem Freundschaften zerstört wurden. Daher: Jedwede weitere Lektüre geschieht auf eigene Gefahr.

Heute ist Sonntag, der dreihundertzweiundneunzigste März 2020, COVID-Standardzeit [1]. Wir befinden uns weltweit in einem nun länger als ein Jahr andauernden Ausnahmezustand – oder in der neuen Normalität. Zeit beziehungsweise Gelegenheit, das vergangene Jahr einmal unter einer möglichen IT-Perspektive Revue passieren zu lassen.

Sie wundern sich jetzt vielleicht, warum Sie keinen Artikel von mir über die neuesten Funktionen in Spring Data Neo4j, unsere Cypher-DSL oder spannende neue Features von Java 16 oder die geplanten Spring-Boot-2.5-Funktionen in der Hand halten: Wenn ja, geben Sie diesem Magazinbeitrag bitte dennoch eine Chance. Vielleicht finden Sie einige Ideen für sich selbst oder stellen fest, dass Sie nicht allein sind in einer Welt, die sich sehr schnell sehr deutlich verändert hat und oftmals auch unsicherer geworden ist.

Was soll am Ende des Artikels stehen? Eine Bestandsaufnahme an Gedanken zum Thema IT, Konferenzzirkus, Homeoffice und Apps. Auch wenn ein großer Teil der Entwickler:innen in Deutschland bis jetzt gut durch die Pandemie gekommen ist, so heißt das nicht, dass wir nicht doch unser Leben deutlich umstellen mussten. An einigen Stellen hat das gut funktioniert, an anderen weniger. Privilegiert heißt nicht sorgenfrei. Vielleicht sitzen Sie an einem IT-Arbeitsplatz an der Peripherie, sprich in einer Branche, die härter von Einschränkungen getroffen ist als andere, vielleicht haben Sie Schwierigkeiten, Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut zu bringen: Es ist normal, dass diese Schwierigkeiten belasten, und es ist wichtig, sie anzusprechen. Unserem Team hat es gutgetan, das offensiv zu machen, doch dazu werde ich später kommen.

Konferenzen und Co.

Am 27. Januar wurde der erste Corona-Fall in Deutschland bekannt. Wenige Tage später, am 1. Februar, war ich auf dem Weg zu meiner letzten „echten“ Konferenz, der FOSDEM 2020: Großartige Vorträge, unter anderem Mark Reinold mit „State of OpenJDK“, Roman Kennke zu Shenandoah GC [2], meine Kollegen zu neuen Funktionen in Neo4j 4.2, großartige Gespräche bei Essen und Getränken mit den unterschiedlichsten Menschen aus dem Java-Umfeld.

War Corona zu diesem Zeitpunkt ein Thema? Nicht wirklich. Ich bemerkte Zurückhaltung beim Händeschütteln, einige alberne Witze, aber mehr auch nicht. Rückblickend war das Ganze vollständig absurd. Die FOSDEM, kurz für „Free and Open Source Software Developers’ European Meeting“, ist eine zweitägige Konferenz zum Thema „Freie Software“, die seit 2001 jährlich an einem Wochenende im Februar in Brüssel abgehalten wird. Die Konferenz findet an der Université Libre de Bruxelles im Campus Solbosch statt und hatte seit 2013 regelmäßig über 5000 Besucher an zwei Tagen. Nun sprechen wir bei dem Campus nicht über eine Vielzahl riesiger Hörsäle oder Konferenzräume, sondern teilweise über klaustrophobisch enge Gänge, notorisch schlechte Luft und geschlossene Türen: 2021 vollkommen undenkbar (nun gut, von einigen Schulen vielleicht ausgenommen).

Wenige Wochen später stand die JavaLand in den Startlöchern, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Im Februar wurde mein Heimatort auf einmal deutschlandweit bekannt und dann ging es Schlag auf Schlag, bis dann die erste, große Konferenz in Deutschland abgesagt wurde. Statt JavaLand gab es – tatsächlich aus der Community organisiert – die Cyberland 2020 [3]. Noch holprig, aber cool und „damals“ noch erfrischend.

Der JAX gelang es noch im Mai, eine große Online-konferenz auf die Beine zu stellen, die Spring.io und viele weitere Konferenzen mussten absagen.

Es fällt immer erst rückblickend auf, wie schön oder anregend etwas war, wenn es nicht mehr so ist wie früher: Konferenzen. Die FOSDEM fand dieses Jahr – wie so viele andere Konferenzen – online statt. Laut Webseite mit 8 000+ Besuchern. Kostenlos (so wie die Präsenzveranstaltung) und exzellent organisiert, in jeder Hinsicht.

Ich selbst habe im vergangenen Jahr etliche Vorträge auf Remote-Konferenzen und bei Meetups gehalten. Angefangen mit meiner Gastvorlesung an der RWTH zum Thema „Was steckt hinter der Corona-Warn-App“ [4] über die Spring I/O Brigde Virtual Conference [5] bis hin zur Spring One und einigen anderen Themen.

Rückblickend waren die Gastvorlesung und die ex-trem gut moderierte Spring One für mich als Sprecher am interessantesten: Ich bin Software-Engineer bei Neo4j, kein Developer-Relations-Engineer. Ich spreche gerne über die Dinge, die wir entwickeln, der Reiz eines Vortrags liegt für mich explizit beim Feedback. Das ist im überwiegenden Teil der Konferenzen einer Einbahnstraße gewichen.

Umgekehrt hat sich meine Wahrnehmung als Besucher einer Konferenz in den vergangenen 20 Jahren extrem geändert: Besuchte ich meine erste DOAG-Konferenz noch ähnlich wie ein Festival – mit einem durchgeplanten Laufzettel, welche Vorträge beziehungsweise Bands ich sehen wollte – so lag in den vergangenen Jahren der Fokus eines jeden Besuchs einer Konferenz ausnahmslos auf dem Austausch mit anderen Menschen. Sei es auf gemeinsames Programmieren oder Planen oder auch einfach nur reden. Vorträge habe ich nur noch sehr gezielt angeschaut beziehungsweise aus der Konserve....

Neugierig geworden? Wir haben diese Angebote für dich:

Angebote für Gewinner-Teams

Wir bieten Lizenz-Lösungen für Teams jeder Größe: Finden Sie heraus, welche Lösung am besten zu Ihnen passt.

Das Library-Modell:
IP-Zugang

Das Company-Modell:
Domain-Zugang