Java Magazin - 09.2014 - Docker


Preis: 9,80 €

Erhältlich ab:  August 2014

Umfang:  100

Autoren / Autorinnen: Lars Pfannenschmidt, Diana Kupfer, Arno Haase, Sven Ruppert, Richard Attermeyer, Arne Limburg, Lars Röwekamp, Claudia Fröhling, Peter Friese, Peter Hruschka, Gernot Starke, Florian Müller, Christian Grobmeier, Rakia Ben Sassi, Marco Metzen, Michael Müller, Jürgen Lampe, Lukas Pustina, Hartmut Schlosser, Denny Israel, Rene Schneider, Željko Markovic, Phillip Ghadir

Gut sechs Jahre ist es her, dass drei findige Entwickler aus San Francisco den Hostingdienst GitHub mit Ruby on Rails und Erlang aus der Taufe hoben und zum erfolgreichen Geschäftsmodell machten. Seitdem hat das Prinzip des Social Coding die Entwicklerwelt im Sturm erobert und Millionen Nutzer angezogen. Der Erfolg von GitHub brachte ein neues Phänomen hervor: Software ohne Lizenz. Denn 85 Prozent der auf GitHub gehosteten Projekte haben keine dedizierte Lizenz. Sehen wir hier (mal wieder) das Ende des Open-Source-Zeitalters herannahen?

Open Source in die Jahre gekommen?

Es ist mehr als zwei Jahrzehnte her, dass kluge Köpfe wie Richard Stallman oder Linus Torvalds den Grundstein für Open-Source-Software gelegt haben. Der Begriff „Open Source“ existiert seit 1998 und ist wie so vieles in unserer Welt eigentlich ein Marketing-Clou.

Zu Beginn war Open-Source-Software meist eine nachgebaute kostenlose Version eines ansonsten nur kommerziell erhältlichen Produkts. Heutzutage werden Open-Source-Technologien um ihrer selbst willen entwickelt, oder aber Start-ups bauen ihre Anwendungen und Technologien komplett auf bereits existierenden OS-Projekten auf.

Wo ist das Problem?

Bereits 2012 brachte James Governor mit einem Tweet das „Problem“ der GitHub-Generation zur Sprache:

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Von diesem Tweet und der dadurch angestoßenen Diskussion inspiriert, prüfte Aaron Williamson vom Software Freedom Law Center über 1,5 Millionen GitHub Repositories und fand dort gerade einmal 219 000 Repositories, die eine Softwarelizenz für den gehosteten Code angaben – 14,9 Prozent. Aber selbst unter diesen 14 Prozent waren nicht alle Lizenzangaben vollständig oder rechtlich gesehen zulässig.

Lizenz? tl;dr!

Ein vor Kurzem erschienener Beitrag auf Javaworld. com (http://bit.ly/1jSKzqj) sieht hier einen Trend unter jungen Entwicklern, den nächsten logischen Schritt zu gehen: Wenn eine freizügige Open-Source-Lizenz etwas Gutes ist, dann muss eine Software ohne jegliche Lizenz noch besser sein? Offen bleibt dabei die Frage, ob junge Entwickler heute einfach keinen Bezug mehr zu den teilweise verwirrenden Regeln der unterschiedlichen Softwarelizenzen herstellen können (Stichwort: tl;dr). Um dem entgegenzuwirken, hatte GitHub choosealicense. com gelauncht, die einen mit „Choosing an OSS license doesn’t need to be scary“ in großen Lettern begrüßt.

Auf dieser Seite, etwas versteckt, findet sich dann auch die Erklärung für das zugrunde liegende Problem: Das Fehlen einer Lizenz bedeutet im Umkehrschluss nämlich, dass die generellen Copyrightgesetze gelten. Diese bestimmen, dass der Entwickler der Software (oder sein Arbeitgeber) alle Rechte am Code hat und kein anderer Entwickler ohne Erlaubnis berechtigt ist, den Code zu forken und weiterzuentwickeln. Denn Software ist geistiges Eigentum (Intellectual Property, kurz IP).

The Bigger Picture

Bei all der Schwarzmalerei sollten wir aber nicht davon ausgehen, dass die GitHub Repositories das Ende des Open-Source-Zeitalters einläuten. Open Source hat Konjunktur: „Weshalb sonst würden Unternehmen wie SAP auf quelloffene Technologien wie Eclipse Virgo oder Eclipse Orion setzen? Und weshalb sonst würden Hazelcast oder Hortonworks, die sich ganz auf Open-Source-Technologien spezialisiert haben, großzügige Finanzspritzen erhalten …“, schrieb Diana Kupfer in ihrem Heartbleed-Kommentar auf JAXenter (http://bit.ly/1qYagn3). Erst im April hatten wir sechs Gründe vorgestellt, warum wir gerade im goldenen Open-Source-Zeitalter leben (http://bit.ly/1jSKVNJ).

Open Source entsteht aber nicht aus dem Nichts und reguliert sich auch nicht selbst. Es braucht Aufklärung und Pflege. Und das sollten wir nach fünfzehn Jahren Open-Source-Erfahrung auch eigentlich schon gelernt haben.

froehling_claudia.tif_fmt1.jpgClaudia Fröhling, Redakteurin

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