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Barrierefreiheit

3 Fakten


3.1 Gesetze und Normen

In vielen Ländern sind die Rechte von Behinderten und die Pflichten einer jeden juristischen Person gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe geregelt. Gerade in Deutschland hat der Gesetzgeber erkannt, dass hier klare Regelungen getroffen und in Gesetze gegossen werden müssen, um es Menschen mit Behinderung einfacher zu machen, sich in den hektischen Alltag integrieren zu können und nicht als Randgruppe in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Es gibt sicher kein schöneres Gefühl für einen Menschen mit Handicap, als nicht als solcher wahrgenommen zu werden.

Haben Sie keine Angst, in diesem Kapitel werde ich Sie nicht mit unnötigen Gesetzestexten oder juristischen Belehrungen überschütten und langweilen. Die folgenden Absätze dienen lediglich dazu, Ihnen einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Regeln es in Bezug auf Menschen mit Behinderung in Deutschland und im Ausland gibt und welche Auswirkungen diese Gesetze und Normen auf eine Webanwendung haben.

3.1.1 Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)

Das Behindertengleichstellungsgesetz ist im Jahre 2002 in Deutschland in Kraft getreten und war der erste große Meilenstein zur Gleichstellung behinderter Menschen. Das Gesetz gilt auf Bundesebene und richtet sich zunächst an öffentliche Einrichtungen und Träger der öffentlichen Gewalt. Das Gesetz regelt zusammengefasst folgende Dinge:

  • Benachteiligungsverbot behinderter Menschen für öffentliche Einrichtungen (§ 7 BGG)
  • Gewährleistung von Barrierefreiheit in den Bereichen Verkehr und Bau (§ 8 BGG)
  • Recht auf Verwendung von Gebärdensprache und anderen Kommunikationsmöglichkeiten abseits des Standards (§ 9 BGG)
  • Bestimmungen für die Gestaltung von öffentlichen Formularen und Vordrucken (§ 10 BGG)
  • Bestimmungen für eine barrierefreie Informationstechnik (§ 11 BGG)

Der § 11 des Behindertengleichstellungsgesetzes ist der wohl für uns wichtigste Paragraf, denn hier finden sich wichtige Informationen und Regelungen rund um barrierefreie Informationstechnik. Wer hier im Gesetzestext allerdings nach klaren Richtlinien und definierten Standards für Softwaredesign sucht, der wird enttäuscht. Vielmehr wird man feststellen, dass das Gesetz lediglich festlegt, dass Internetangebote und -auftritte sowie Softwareoberflächen von Trägern öffentlicher Gewalt barrierefrei gestaltet werden und für einen Menschen mit Handicap ohne Einschränkung verwendbar sein müssen.

Klarheit bekommt man meist, wenn man sich die aus Gesetzen entstandenen Verordnungen heranzieht. Diese geben Aufschluss darüber, welche Kriterien im Detail erfüllt werden müssen, um nicht in Konflikt mit dem jeweiligen Gesetz zu geraten. So verhält es sich auch im Fall des Behindertengleichstellungsgesetzes. Hierzu existiert die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV), die in Kapitel 3.1.2 genauer beschrieben wird.

3.1.2 Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV)

Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) ist die Ergänzung zum Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), die ebenfalls im Jahre 2002 in Kraft getreten ist. Die BITV definiert genaue Kriterien, nach denen man eine Anwendung beurteilen und nach Gesichtspunkten der Barrierefreiheit in Hinblick auf das BGG bewerten kann. Auch die BITV ist vorerst nur für die Träger der öffentlichen Gewalt verbindlich und hat keinen Einfluss auf private oder kommerzielle Webangebote. Gerade kommerzielle Anbieter von Webinhalten sind jedoch dazu aufgerufen, ihre Angebote weitestgehend barrierefrei zu gestalten. Dabei können sie sich entweder an der nationalen BITV oder an den internationalen Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C orientieren.

Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass selbst vermeintlich in Stein gemeißelte Verordnungen durchaus auch eine Aktualisierung erfahren können. So entstand 2011 die BITV 2.0, in der auch Bezug auf mobile Technologien und weitere moderne Techniken genommen wird.

Die BITV definiert im Wesentlichen folgende Punkte:

  • Bereitstellung von Alternativen zu Audio- und visuellen Inhalten
  • Struktur/Semantik nicht nur durch Farben darstellen
  • Markup und Style Sheets korrekt einsetzen und verwenden
  • W3C-Techniken und -Richtlinien einhalten
  • Klare Navigationsmechanismen
  • Einfach gehaltene Inhalts- und Satzstrukturen
  • Geräteunabhängiges Design wählen
  • Möglichst auf dynamische Layouts setzen

Die BITV entstammt dem Kontext der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C. Das sind Richtlinien, die Barrierefreiheit in Webapplikationen auf internationaler Ebene definieren. Das W3C und seine Aufgaben werden in Kapitel 3.2 näher erläutert.

3.1.3 Web Content Accessibility Guidelines (WCAG)

Die WCAG sind Richtlinien und Empfehlungen für barrierefreie Webanwendungen, die von der W3C ausgearbeitet und zur Verfügung gestellt wurden.

Die WCAG bilden in vielen Ländern die Grundlage für nationale Gesetze und Verordnungen und werden darüber hinaus auch von Unternehmen als Vorgabe für eine Optimierung der Barrierefreiheit übernommen. Da das W3C sich zudem...

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