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Kompaktes Managementwissen

2 Die Struktur agiler Prozesse


Die Grundstruktur eines agilen Projekts wird im Folgenden in Anlehnung an ein einfaches Modell aus der Kybernetik beschrieben: anhand eines Regelkreises. Die Kybernetik ist eine anerkannte und praktisch angewandte Wissenschaft, die sich unter anderem mit der Steuerung von sozialen Organisationen beschäftigt (Managementkybernetik). Sie wird auch gemeinhin als „Kunst des Steuerns“ bezeichnet. Ein agiles Team soll sich im Idealfall selbst steuern. Ein Regelkreis eignet sich ausgezeichnet als Erklärungsmodell für die steuerungstechnisch relevanten Abläufe innerhalb eines agilen Teams. In diesem Beitrag wird das grundlegende Konzept des neutralen Regelkreises eingeführt und es wird auf ein agiles Entwicklungsteam übertragen. Die zentrale Frage, die sich dabei stellt, ist: Wie lassen sich die Elemente der agilen Softwareentwicklung treffend im Modell des Regelkreises abbilden? Auch wenn man mit agilen Projekten in der Praxis noch nicht so viel zu tun gehabt hat, führt das Modell des agilen Regelkreises näher an die Thematik Agilität heran.

2.1 Ein neutraler Regelkreis

Wie schon gesagt, ein Regelkreis ist ein beliebtes Mittel in der Managementkybernetik und ist für die Entscheidungsträger bereits bekannt oder leicht zugänglich. Und gerade das Management soll ja hier „abgeholt“ werden, damit agile Verfahren eine noch breitere Anwendung finden. Bei Regelkreisen spielt das Prinzip der Steuerung durch Feedback oder Rückkopplung, wie man auf Deutsch sagt, eine zentrale Rolle. Dies gilt in verstärktem Maße ebenso bei agilen Entwicklungsverfahren, die diesem Prinzip ebenfalls durch diverse Mechanismen, wie tägliche Stehmeetings, Testautomatisierung oder kurze Releasezyklen, Rechnung tragen (vgl. Beck, 2005). Ein Regelkreis ist daher ein naheliegendes Beschreibungsmittel, um grundlegende Zusammenhänge in agilen Vorgehensweisen zu erklären.

Es ist sinnvoll, direkt zu Anfang drei grundlegende Begriffe voneinander abzugrenzen:

  • Steuerung ist ein Prozess, bei dem dem System ein Ziel von außen gesetzt wird, die Richtung und die Art des Verhaltens des Systems werden von außen dirigiert.
  • Regelung ist der Vorgang, der hier und später im agilen Regelkreis beschrieben wird, bei dem zwar das Ziel von außen gesetzt wird, das System verändert jedoch selbst sein Verhalten so, dass dieses Ziel erreicht wird.
  • Abzugrenzen von Regelung ist die Anpassung, bei der das System sein Verhalten so verändert, dass sich ein Gleichgewichtszustand zwischen System und Umwelt einstellt. Dabei wird...

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