Serviceorientierte Architektur

3 Informatik (PIM)


Sind die Anforderungen von Seiten des Business bekannt, kann die Unterstützung der Geschäftsabwicklung durch Automatisierung begonnen werden. Eine 1:1-Umsetzung von Businessanforderungen in IT-Services ist ein erster Ansatz, lässt jedoch Rationalisierungspotenzial durch effiziente IT noch außer Acht.

Es ist eine besondere Aufgabe der Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture Management, EAM) über Organisationsstrukturen hinweg mit einem effizienten Set an IT-Services für die Automatisierung der Geschäftsprozesse zu sorgen. Dazu müssen die zum Einsatz kommenden IT-Services nicht nur aus Eigenentwicklung stammen.

3.1 Unternehmensarchitektur

Wie in den Kapiteln „Businessobjekte“ (2.2.1) und „Businessprozesse“ (2.2.2) schon erläutert, erstellt und pflegt die Unternehmensarchitektur eine Blaupause der Sollstrukturen und -prozesse des Unternehmens. Die Landkarte der entsprechenden IT-Services wird der Blaupause des Business sehr ähnlich sein. Da nach den Überlegungen aus Kapitel 2.2.3 gewisse Fähigkeiten nicht zur Kernkompetenz eines Unternehmens gehören, ist über den externen Bezug von IT-Services oder die Auslagerung von IT-Services an Dritte nachzudenken. Die Kategorisierung der IT-Services gemäß den Policies über „Bezugsquellen“ ist hierbei besonders zu beachten.

3.1.1 Domänen

Domänen dienen der Strukturierung und Kategorisierung von Artefakten, insbesondere von IT-Artefakten. Dabei werden IT-Elemente zusammengefasst und gruppiert, die einen inneren Zusammenhalt haben. Gruppieren und zusammenfassen kann man jedoch nach den unterschiedlichsten Kriterien, je nach Sichtweise des Betrachters. Darum gibt es auch eine Unmenge an Domänengebilden. In der Praxis gibt es „Objektdomänen“, „Prozessdomänen“, „Fähigkeitsdomänen“, „Anwendungsdomänen“ usw.

3.1.2 Strukturen

Objektdomänen gehören zu den wichtigen Domänen. Ein Objektdomänenmodell zeigt die inneren und äußeren Zusammenhänge von Businessobjekten. Ein gutes Modell maximiert die inneren Beziehungen zwischen den Objekten in einer Domäne (enge Kohäsion) und minimiert die Beziehungen zu Objekten anderer Domänen (lose Kopplung). Durch unterschiedliche Gruppierungen lässt sich die Anzahl der domänenübergreifenden Beziehungen variieren.

Eine Gütekennzahl für den Domänenschnitt (bezogen auf die Kohäsion) setzt sich zusammen aus dem Verhältnis der Anzahl der inneren Beziehungen zur Anzahl der externen Beziehungen (KOHDomäne= #innere Beziehung / #äußere Beziehung). Je größer die Kennzahl wird, umso besser ist der Domänenschnitt bezogen auf die Kohäsion. Ähnliches gilt für die Kopplung, wobei hier der Bezug zur Gesamtanzahl der Domänen benutzt wird (KOPDomäne= #äußere Beziehungen / #Domänen).

Die Beziehungen von Objekten über Domänengrenzen hinweg sind Schnittstellenkandidaten eines jeweiligen IT-Services der beteiligten Domänen. Es muss anhand weiterer Kriterien festgelegt werden, welche Domäne Anbieter und welche Domäne Konsument ist (die Richtung der Beziehung ist entscheidend).

3.1.3 Verhalten

Eine andere Domänengruppe sind Prozessdomänen. Ein Prozess als Abfolge von Aktivitäten wird i. d. R. durch zuständige Akteure in verschiedenen Rollen ausgeführt. Darum gehören zu einem Prozess die zuständigen Akteure, die als Organisationseinheiten im Unternehmen sind. Wir kennen alle Organisationseinheiten wie „Vertrieb“, „Marketing“, „Produktion“. Diesem klassischen Ansatz folgend, werden Prozessdomänen aufgesetzt. Moderne Formen der Organisationslehre lösen solche Silostrukturen zu Gunsten serviceorientierter Strukturen auf. Hierbei orientiert man sich, ähnlich wie bei Objektstrukturen, am inneren Zusammenhalt der Aktivitäten.

Ein zusätzliches Kriterium für die Abgrenzung von Prozessdomänen kann die Klassifizierung von Serviceprozessen nach Kern- und Kontextprozessen gemäß Kapitel 2.2.3 sein. Die funktionale Abgrenzung des einzelnen IT-Serviceprozesses orientiert sich am Ergebnis, das mit dem IT-Service erreicht werden soll. Hilfestellung dazu bieten die Fähigkeiten, die in der Businessanalyse identifiziert worden sind und die Änderungshäufigkeit...

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