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Usability von UML Editoren

1 Welche UML-Editoren eignen sich am besten?


Fünfzehn Studenten der Universität Duisburg-Essen machten es sich zur Aufgabe, im Rahmen eines Praxisprojekts des Studiengangs „Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften“ die Usability von UML-Editoren zu evaluieren. Des Weiteren wurde ein eigener Editor programmiert, mit dem man einen guten Einstieg in die Unified Modeling Language bieten möchte. Der folgende Text stellt die Kriterien für die Evaluation und vier der untersuchten UML-Editoren vor.

Die Unified Modeling Language ist wohl jedem ein Begriff. Aus diesem Grund wird hier nur auf die letzten, in diesem Kontext wichtigen Änderungen der UML eingegangen. Die wichtigste Spezifikation in der im Februar 2009 erschienenen Version UML 2.2 war das Hinzukommen von Profildiagrammen, mit denen man eigendefinierte Stereotypensammlungen strukturieren kann. Sie dienen dazu, Abhängigkeiten von verwendeten Profilen darzustellen, sowohl bei der Nutzung ganzer Pakete als auch auf der Ebene einzelner Modellelemente eines Profils. Eine weitere Neuerung lag im Aktivitätsdiagramm vor: Hier kann man nun bei einem Entscheidungsknoten noch zusätzlich die Prüfparameter modellieren. Dazu ein kleines Beispiel: Beim Verkauf eines Kinotickets für einen Film mit FSK 18 muss der Verkäufer dem Kunden abhängig von dessen Alter entweder das Kinoticket ausstellen oder verweigern. Er muss also das Alter prüfen. Dazu wird im Aktivitätsdiagramm ein Parameter „Alter“ als Input für die Entscheidung benötigt. Dieser Input-Parameter wird mit einem Objektknoten modelliert und die Kante zwischen diesem und dem Entscheidungsknoten mit dem Stereotyp <<DecisionInputFlow>> versehen. Nur bei dieser Ausnahme dürfen Entscheidungsknoten Kontroll- und Objektflüsse haben. Ansonsten dürfen an den ein- und ausgehenden Kanten entweder nur Objektknoten oder Aktivitäten modelliert werden. Weitere Änderungen betrafen größtenteils kleinere Korrekturen von Widersprüchen [1].

Die im Jahre 2010 veröffentlichte Version UML 2.3 unterscheidet sich hauptsächlich durch interne Änderungen und Überarbeitungen wie beispielsweise einigen Bugfixes am Metamodell. Interessant ist hier auch noch, dass es nun möglich ist, Ports miteinander zu verbinden. Dadurch ist es nicht immer nötig, für eine zweite Klasse einen neuen Port-Typen zu definieren [2].

Acht Kriterien für eine gute Evaluation

Eine grundlegende und wichtige Frage, die es zunächst zu beantworten gilt, ist, welche Kriterien man für die Evaluation von UML-Editoren mit einbeziehen und untersuchen möchte. Hierbei sollte man eine genaue Vorstellung davon haben, welche Funktionen wichtig für diese Art von Software sind und was generell beachtet werden sollte, um einen Editor benutzerfreundlich zu gestalten. Erst im Anschluss daran kann man aus diesen Kriterien Fragen und Anforderungen ableiten und im Verlauf der Evaluation alle Editoren daraufhin untersuchen und bewerten.

Bei der Auswahl orientierte sich die Gruppe an die Software-ergonomischen Prinzipien der Dialoggestaltung nach der ISO-Norm 9241. Diese Norm trägt seit 2006 den Titel „Ergonomie der Mensch-System-Interaktion“ [3] und beschreibt Qualitätsrichtlinien zur Sicherstellung der Ergonomie interaktiver Systeme. In einem Abschnitt über die Grundsätze der Dialoggestaltung schlägt sie sieben Kriterien vor, die sich auch für die Evaluation von UML-Editoren sehr gut eignen. Zudem entschied man sich noch für ein weiteres, achtes Kriterium, das Design des Editors. Die für die Evaluation ausgewählten Kriterien werden in Tabelle 1.1 näher beleuchtet.

Evaluationskriterien

Gewichtung

Beschreibung

Aufgabenangemessenheit

20 %

User gelangt mit geringem Aufwand ans Ziel

Die Weiterverarbeitung von UML-Diagrammen ist sichergestellt

Unterschiedliche Diagrammtypen werden unterstützt

Bereitstellung primitiver Datentypen (int, String etc.)

Erwartungskonformität

15 %

Software entspricht anerkannten Konventionen

Vorhandensein von Standardfunktionen

Konsistente Gestaltung der Benutzeroberfläche

Betriebssystemunabhängig einsetzbar

Fehlertoleranz

15 %

Der Nutzer muss minimalen bis gar keinen Korrekturaufwand leisten

Verbesserungsvorschläge bei falscher Wortwahl

Vermeidung oder Verbesserung syntaktischer Fehler

Bereitstellung eines Fehlerprotokolls

Selbstbeschreibungsfähigkeit

13 %

Intuitive Bedienbarkeit der Software

Komplexität der Benutzeroberfläche

Offensichtlichkeit der Handlungsmöglichkeit und Durchführung

Automatisches Einfügen von Default-Werten

Der Sprachstil ist anfängerfreundlich.

Erlernbarkeit

13 %

Vorhandensein einer Anleitung beim Programmstart (Diashow, Video, Guided Tour etc.)

Unterstützung während des Arbeitsprozesses (Tooltips, Popups etc.)

Angebot von Hilfestellungen (Bibliothek, Links, FAQ etc.)

Verständlichkeit von Anleitung, Unterstützung und Hilfestellung

Steuerbarkeit

10 %

Beeinflussung der Geschwindigkeit und Richtung des Dialogablaufs

Vorhandensein flexibler Ausführungsmöglichkeiten (Drag and Drop, Doppelklick etc.)

Diagrammelemente und Undo/Redo-Funktion werden in einer Symbolleiste visuell repräsentiert

Befehle über Maus oder Shortcuts möglich

Individualisierbarkeit

7 %

Informationen sind an individuelle Fähigkeiten und Bedürfnisse anpassbar

Individuell einstellbare Funktionen vorhanden (Zoomfunktion, Schriftgröße etc.)

Auswahl der Sprache

Design

7 %

Optimale Übereinstimmung von Farbe und Funktion (z. B. rot = falsch, grün = richtig)

Einhalten typischer Konventionen der Farbenlehre

Übersichtliche Implementierung von Formen, Flächen und Texten

Tabelle 1.1: Kriterien für die Evaluation der UML-Editoren

Zunächst ist hierbei der Grundsatz der Aufgabenangemessenheit zu nennen. Ihm wurde die größte Relevanz für eine benutzerfreundliche Software zugesprochen, und damit floss er zu 20 % in die Gesamtbewertung ein. Eine aufgabenangemessene Software erleichtert dem Nutzer das Erstellen eines Diagramms und legt ihm nicht zusätzliche Steine in den Weg, die ihm einen hohen Einsatz von Zeit, Geduld und Gedächtnisleistung abverlangen. Das war für die Gewichtu...

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