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Usability von UML Editoren

2 Evaluation und eigene Entwicklung


Im ersten Teil des wurden die Kriterien für die Evaluation sowie die Editoren UML-Editor 3.0.2, Violet, Gliffy und Creately vorgestellt. In diesem Teil werden Ihnen sechs weitere Editoren sowie der selbst entwickelte Editor vorgestellt.

UML-Editoren im Vergleich

Zehn kostenfreie UML-Editoren wurden hinsichtlich der Kriterien des selbst erstellten Kriterienkatalogs umfassend getestet. Das Ergebnis war ernüchternd: Nur ein Tool erreichte eine gute Note, während die anderen bezüglich der Anfängerfreundlichkeit in weiten Teilen nicht überzeugen konnten. Kommen wir nun zur Vorstellung der nächsten sechs getesteten Tools.

UMLet

Ein weiterer kostenfreier UML-Editor nennt sich UMLet. Dieser wurde in der Version 11.2 ausgiebig getestet. Er ist eins von zwei Programmen, das mit einem ausreichenden Prädikat bewertet wurde (3,7), weil es für Modellierungsanfänger gänzlich ungeeignet ist. Sobald man das Programm startet, wird man von – für Anfänger – unbekannten Informationen überhäuft. In der Symbolleiste, wenn man sie so nennen mag, finden sich die Elemente vieler verschiedener Diagrammtypen wieder, die uneingeschränkt miteinander kombiniert werden können. Es erscheinen keine Fehlermeldungen oder Verbesserungsvorschläge, wenn man Klassendiagrammelemente mit solchen aus Use-Case-Diagrammen verknüpft. Dies ist nicht im Sinne einer intuitiven Bedienbarkeit und somit auch nicht im Sinne der Selbstbeschreibungsfähigkeit.

Die Hilfefunktion besteht aus zwei Teilen: Zum einen kann man eine generelle Onlinehilfe in Anspruch nehmen, hier wird in kurzen Sätzen Antwort auf bestimmte Fragen gegeben. Für Nutzer mit Vorerfahrung ist das ziemlich hilfreich, wenn man zum Beispiel nur Schwierigkeiten beim Hinzufügen von Elementen oder beim Exportieren in andere Dateiformate hat. Zum anderen kann man sich online Beispieldiagramme anschauen, was für Neulinge der Softwaremodellierung schon hilfreicher ist. Bei einigen Diagrammtypen ist es eine große Unterstützung, da die Beispiele anschaulich gelungen sind. Andere sind allerdings zu umfangreich und kompliziert und somit für Anfänger nutzlos.

Hinsichtlich der Selbstbeschreibungsfähigkeit sorgt UMLet für Verwirrung. Die Trennung von visueller Repräsentation und der Bearbeitungsmöglichkeit von Diagrammen ist aus anderen Editoren noch nicht bekannt. Man muss den Zusammenhang erst erkennen, um an einem Diagramm arbeiten zu können. Hier wird es nämlich so gehandhabt, dass man in einem kleinen Fenster unten rechts mit der Überschrift „Properties“ alle Eingaben tätigen kann, deren Veränderungen zeitgleich im Diagramm sichtbar werden (Abb. 2.1). Das scheint zunächst gewöhnungsbedürftig, man gewöhnt sich jedoch relativ schnell an diese Art der Umsetzung.

Transchel_UML_Evaluation_Abb_2.1.jpg

Abbildung 2.1 Im separaten Fenster (rechts) werden Änderungen vorgenommen, im Diagramm (links) werden diese automatisch übernommen

Ein weiterer Punkt darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Relationen, die man zwischen Klassen einfügt, passen sich nicht automatisch an. Man muss für den Start- und Endpunkt der Beziehung jeweils einen Ankerpunkt ausmachen bzw. den Rand des Elements, von dem die Beziehung ausgeht, sowie jenes Elements, zu welchem sie führen soll, genau anvisieren. Ansonsten kann schnell ein unübersichtliches Diagramm entstehen, wenn beispielsweise eine Komposition nur in die Nähe einer Klasse zeigt oder gar schon in eine Klasse hinein verläuft.

Insgesamt ist UMLet für Neulinge auf dem Gebiet der Unified Modelling Language einfach zu kompliziert und daher kaum geeignet, auch wenn gute Ideen vorhanden sind und sogar die Ansätze teilweise stimmen. Allein die gute Steuerbarkeit (vorhandene Shortcuts, Undo/Redo-Funktion, flexible Steuerung durch Drag and Drop oder Doppelklick) sowie ein erwartungskonformer Aufbau der Arbeitsoberfläche bewahren UMLet vor einer noch schlechteren Bewertung.

ArgoUML

Mit einer Gesamtnote von 2,4 ist ArgoUML der Testsieger der Evaluation. Der UML-Editor konnte sich besonders im Bereich der Fehlerbehandlung von den anderen Programmen abheben und bekam hier die beste Note aller Tools. Dabei überzeugte der Editor durch eine Checkliste, die den Erwartungen an ein Fehlerprotokoll entsprach (Abb. 2.2). Diese Checkliste deckt alle Fragen ab, die bei einer Aktion während des Modellierens aufkommen können. Um sein Diagramm auf etwaige Ungereimtheiten zu überprüfen, kann man hinter alle gestellten Fragen ein Häkchen machen. Bleibt eine Frage ohne Häkchen, so weiß man für sich selbst, dass das Diagramm noch bearbeitet werden muss, damit das Ergebnis logisch und sinnvoll ist. Zudem werden im Diagramm selbst Fehler oder noch nicht bearbeitete Aspekte rot markiert, sodass man auch hier das Feedback bekommt, dass das Diagramm noch mal überarbeitet werden sollte. Vergleichbares war bei keinem anderen geprüften Tool zu finden.

Transchel_UML_Evaluation_Abb_2.2.jpg

Abbildung 2.2 Die Checkliste und Fehlermarkierungen bieten dem Nutzer die Möglichkeit, das Diagramm auf Fehler zu überprüfen

Leider werden jedoch nicht alle Fehler erkannt, was den Lerneffekt senkt. Es reichte jedoch für die Bestnote in diesem Bereich.

Weniger gut schnitt die Software hingegen bei der Erfüllung des Prinzips der Individualisierbarkeit ab. Zwar ist es möglich zwischen verschiedenen Sprachen zu wählen, was schon bei de...

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