© prettyboy80/Shutterstock.com
Viele neue OS-Player wollen am Thron von iOS und Android sägen

Viele neue OS-Player wollen am Thron von iOS und Android sägen


In der Anfangszeit der Mobilcomputertechnik gab es drei große Betriebssysteme: Palm OS und Windows Mobile dominierten den Bereich der Touchscreengeräte, während touchscreenlose Telefone so gut wie immer unter Symbian liefen. Nach der Einführung von iOS und Android änderte sich die Lage: die drei etablierten Betriebssysteme gingen den Weg alles Irdischen, während die neuen Plattformen die frei gewordenen Teile des Markts bevölkerten.

Trotz des immer schneller wachsenden Marktanteils von Android macht sich an der Basis Unruhe breit. Die Übernahme von Motorola wurde von den Partnern zwar nicht kommentiert – die Reaktionen der traditionell paranoiden asiatischen OEMs sind eindeutig. Es gibt – außer HTC – kaum einen großen Hersteller, der kein eigenes Betriebssystemprojekt in Arbeit hat. Im folgenden Artikel werfen wir einen kleinen Blick auf die Emporkömmlinge, die auf ihre Gelegenheit im Massenmarkt warten. Zudem befassen wir uns auch mit der Frage nach dem „Warum“ und werfen einen kurzen Blick auf einige Cross-Plattform-Frameworks.

Proprietär ist gut

Aus Sicht des Anwenders ist es alles andere als erfreulich, wenn er an einen bestimmten Hardwarehersteller gebunden ist. Palm wäre schon weitaus früher den Weg alles Irdischen gegangen, wenn Sony die Produktion der Clie-Serie nicht eingestellt hätte. Aufgrund der – für Palm glücklichen – Selbstausschaltung der Japaner mussten Besitzer von Palm-Software beim Wechsel des Hardwareherstellers auf ihre gesamte (damals teure) Software verzichten und auf ein komplett anderes System umlernen. Viele User tolerierten aus diesem Grund eine immer schlechter werdende Verarbeitungsqualität – das Ende kam erst, als das Alter der internen Architektur von Palm OS nicht mehr kaschiert werden konnte.

Die unter Android weit verbreiteten „Custom Skins“ verfolgen im Übrigen dieselbe Zielsetzung. Für technisch wenig begabte Telefonbesitzer ist das Umlernen auf eine andere Skin eine enorme Herausforderung, die den Wechsel zu einem anderen Hersteller unattraktiv erscheinen lässt.

Das Anbieten eines eigenen Stores bringt die Möglichkeit, nach dem Verkauf der Hardware durch den Vertrieb von Inhalten (oder einem hauseigenen Werbedienst) weitere Einnahmen zu lukrieren.

Zu guter Letzt darf das Thema Konvergenz nicht aus den Augen gelassen werden. Viele Hardwarehersteller sind auch außerhalb des Smartphonebereichs aktiv.

Firefox OS ...

Die meisten der in diesem Artikel vorgestellten Betriebssysteme sind im Moment nur in Konzeptform verfügbar. Firefox OS ist hier – neben Asha – die große Ausnahme: In vielen lateinamerikanischen Staaten geht mittlerweile jeder zehnte Gerätekauf auf das Konto des Betriebssystems.

Böse Zungen würden Firefox OS als Webbrowser mit Mikrokernel bezeichnen. Diese Beschreibung ist nicht wirklich falsch: Das System nimmt keine nativen Applikationen entgegen, sondern beschränkt sich auf die Abarbeitung von online oder offline vorliegenden Web-Apps.

Eine Manifestdatei informiert das Gerät über die Art des vorliegenden Programms. Packaged Apps sind .zip-Files, die alle zur Ausführung notwendigen Dateien enthalten – eine Web-App besteht aus einer auf einem Server liegenden Manifestdatei.

Es ist in Anbetracht der Position von Mozilla nicht überraschend, dass bezahlte Applikationen auf diesem Betriebssystem bisher nicht Fuß fassen konnten. Der Store ist technisch zwar auf Paid-Apps vorbereitet, allerdings war bisher kein Entwickler damit erfolgreich.

... macht Ärger

Zur Schließung des „Feature Gaps“ zwischen Browsern und nativen Programmen bringt das System eine Gruppe von Schnittstellen mit, die nur teilweise an Webstandards angelehnt sind. Viel schwerwiegender ist, dass das Verwenden der meisten proprietären Schnittstellen eine höherwertige Zertifikation voraussetzt. Dabei zeigt sich Mozilla sehr paranoid: Der Zugriff auf einen klassischen TCP-Socket genügt, um eine privilegierte Applikation vorauszusetzen. In diesem Fall ist der Nervenschaden vorprogrammiert. Das liegt daran, dass Privileged Applications nur in paketierter Form über den Firefox OS Marketplace vertrieben werden dürfen. Beim Erstellen einer privilegierten Applikation müssen Sie zudem auf viele im Webbereich weit verbreitete Programmierparadigmata verzichten. Das Setzen eines Inline-Scripts oder einer bestimmten Überladung von setTimeout() genügt in diesem Fall für eine Ablehnung des Programms. Da der QA-Prozess für privilegierte Programme bis zu vier Wochen dauert, ist das ein sehr ärgerliches Vorkommnis.

Doch damit nicht genug: Wer eine privilegierte Applikation in den Store bringen möchte, muss Mozillas QA-Team volle Einsicht in den Quellcode geben. Das Anbieten einer durch einen Obfuscator bearbeiteten Datei führt dazu, dass der Assessor nachfragt – wenn Sie der Anfrage nicht entsprechen (können), verzögert sich die Freigabe bis zur erfolgr...

Neugierig geworden? Wir haben diese Angebote für dich:

Angebote für Teams

Für Firmen haben wir individuelle Teamlizenzen. Wir erstellen Ihnen gerne ein passendes Angebot.

Das Library-Modell:
IP-Zugang

Das Company-Modell:
Domain-Zugang